Blattlaus-Warnung für den Acker

23.02.2007 Haus & Garten

Der „grüne“ Winter ließ viel mehr Blattläuse überleben als sonst. Sie übertragen das Gelbverzwergungsvirus, das nun das Getreide bedroht.

Ob im Garten oder auf dem Acker – Blattläuse sind immer ein Ärgernis. Sie stechen die Leitungsbahnen an und saugen den nährstoffreichen Saft. So schwächen sie die Pflanzen. Darüber hinaus übertragen sie mit ihrem Speichel gefährliche Viruserkrankungen. In „normal kalten“ Wintermonaten sind die Pflanzen in Feld und Garten vor den Schädlingen sicher; den „grünen“ Winter 2006/2007 überstanden jedoch ungewöhnlich viele ausgewachsene Blattläuse. Die Pflanzenschutzwarndienste schlagen dieses Jahr deshalb viel früher Alarm als sonst und raten zu Abwehrmaßnahmen. Der Befallsdruck ist so stark, dass er zum Totalverlust der Wintergetreideernte führen könnte.

Blattläuse blieben aktiv

„Dieses Jahr kommen die Blattläuse nicht zur Ruhe“, erklärt Dr. Anton Dissemond vom Pflanzenschutzdienst in Bonn-Roleber die Situation im Rheinland, „In den Wintergetreidebeständen haben die Blattläuse das Gelbverzwergungsvirus auch auf viele gesunde Pflanzen übertragen.“ Während die Schädlinge normalerweise in eine Kältestarre fallen beziehungsweise wiederholten Frost nicht überleben, wurden sie bei deutlichen Plustemperaturen immer wieder aktiv und infizierten so immer mehr Getreidepflanzen: „Während im Herbst zunächst nur einzelne Pflanzen die typischen Symptome der Virösen Gelbverzwergung zeigten, gab es dieses Jahr im Januar schon viele gelbe Befallsnester von der Größe eines Pferdetritts“ berichtet der Experte. "Auf Feldern mit den verräterischen, gelben Nestern sollten die Schadinsekten mit einem zugelassenen Insektizid bekämpft werden. Nur so kann einer weiteren Verbreitung der Virösen Gelbverzwergung und größeren Ernteverlusten vorgebeugt werden."

Schäden bis zum Totalverlust

Werden die Blattläuse nicht rechtzeitig bekämpft, müssen stark befallene Felder im Frühjahr umgepflügt und neu bestellt werden. Besonders gefährdet ist die Wintergerste. Sie wird im Herbst früh gesät; deshalb kann sich die Krankheit in den Beständen schon vor dem Frühjahr ausbreiten. Aber auch sehr früh gesäter Winterweizen bleibt nicht verschont, wie die Erfahrungen in den Jahren 1989 und 1990 zeigten. Die infizierten Pflanzen stellen ihr Wachstum ein und entwickeln keine Ähren. Krankes Wintergetreide ist obendrein eine Gefahr für das Sommergetreide, weil sich hier neue Blattlausgenerationen infizieren und die Krankheit auf andere Getreidefelder übertragen können.

Normalerweise stoppt Kälte die Ausbreitung

Frostiges Winterwetter stoppt die Ausbreitung der Viruserkrankung im Wintergetreide, denn nur die adulten Blattläuse übertragen sie. Das Gros der Getreide-Blattläuse überwintert im Eistadium an Gräsern, Traubenkirschen oder Rosen. Die neue Generation ist nicht mit dem Virus infiziert. Sie schlüpft bei milden Frühlingstemperaturen und entwickelt zunächst noch zwei bis drei Generationen auf der Winter-Wirtspflanze. Ende Mai/Anfang Juni befallen geflügelte Exemplare ihre Sommerwirte, auf denen sie sich wiederum sehr stark vermehren können. Zu diesen zählen Getreide, aber auch Wildgräser wie das Weidelgras. Erst hier infizieren sich die Blattläuse mit dem Gelbverzwergungsvirus, das sie dann in das Wintergetreide einschleppen. Zu diesem späten Zeitpunkt wird das Getreide kaum noch von der Viruskrankheit geschädigt, allenfalls Saugschäden durch die Blattläuse sind dann zu befürchten.

Blattspitzen vergilben zuerst

Ein Befall mit dem Gelbverzwergungsvirus ist an den vergilbten und verkümmerten Getreidepflänzchen erkennbar. Mittlerweile sind verschiedene Virusstämme bekannt, die Wildgräser, Hafer, Gerste, Weizen sowie Mais und Hirse befallen. Bei Weizen und Hafer verfärben sich bei spätem Befall die Fahnenblätter an der Spitze rot, weshalb die Krankheit auch Haferröte genannt wird. Bei Gerste breitet sich die Vergilbung von den Blatträndern und –spitzen her aus bis schließlich die ganze Pflanze leuchtend gelb ist. Bei Gerste, Hafer und Weizen bewirkt das Virus zudem eine Stauchung des Stängels und eine stärkere Bestockung , so dass die Pflanzen verzwergt und buschig aussehen.

Quellen: Pflanzenschutzdienst Nordrhein-Westfalen in Bonn-Roleber, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Dr. Joachim Hamacher, Institut für Pflanzenkrankheiten der Uni Bonn