Neophyten unter Beobachtung – nicht alle sind erwünscht

13.09.2011 Forschung & Technik

Forscher beobachten Schäden durch pflanzliche Einwanderer in Gebirgen

Seit 2005 untersucht das Mountain Invasion Research Networks (MIREN) die Pflanzenmigration in den Gebirgsregionen der Erde. Forscher vermuten eine deutliche Zunahme von Pflanzeninvasionen. Wissenschaftler und Naturschützer beobachten die Veränderungen der Gebirgsflora. Sie identifizieren potenziell invasive Arten und wollen allzu massiven Einwanderern die Einreise verwehren.

Seit 2005 untersucht MIREN Pflanzeninvasionen

in Gebirgen von der tropischen bis zur arktischen Klimazone. Das Kernprogramm umfasst vergleichende Untersuchungen in neun Gebirgsregionen auf allen Kontinenten sowie auf verschiedenen ozeanischen Inseln. Der Norden Skandinaviens gehört ebenso dazu wie die Schweizer Alpen, die Kanarischen Inseln, die Chilenischen Anden, oder Hawaii. Eine Datenbank umfasst momentan 1 500 nicht-heimische und invasive Pflanzenarten. Die meisten kommen nur in einer einzigen Region vor. Als problematisch gelten insbesondere Gehölzpflanzen, wie Besen- und Stechginster, sowie Arten, die als Zierpflanzen eingeführt wurden. 

In den tieferen Lagen der europäischen Alpen

sind 450 bis 500 nicht-einheimische Gefäßpflanzenarten bekannt. Das entspricht etwa zehn Prozent der gesamten Alpenflora. Das Vorkommen der Einwanderer nimmt mit der Höhe drastisch ab, ein Effekt, der sich in allen untersuchten Regionen beobachten lässt. Ein Beispiel aus der Schweiz: Von insgesamt 155 Neophyten kommen nur 90 in Höhen über tausend Meter über dem Meeresspiegel vor, etwa 50 über 1 500 Meter und nur zehn Arten in einer Höhe von über 2 000 Meter. 

Nur wenige erklimmen größere Höhen.

Bisher bevorzugen pflanzliche Einwanderer tiefer gelegene  Regionen. In Gebirgen wurden nur vereinzelt Veränderungen durch pflanzliche Einwanderer dokumentiert. Gebirgsökosysteme sind gegenüber Pflanzeninvasionen sehr widerstandsfähig. Hauptgründe dafür: das raue Bergklima und der geringe Einfluss des Menschen. Trotzdem befürchten Forscher, einzelne Neophyten könnten sich in ihrer neuen Heimat schnell etablieren und die eingesessenen Arten verdrängen und so zum Rückgang der globalen Biodiversität beitragen. Bisher haben sich allerdings nur wenige der 2 500 in Europa dokumentierten Neophyten als problematisch erwiesen. Zu diesen gehören zum Beispiel der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der Riesen-Bärenklau (Heracleum Mantegazzianum) und verschiedene Goldrutenarten. 

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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