Hopfen – eine gefragte Arzneipflanze

08.05.2007 Forschung & Technik

Mit der Arzneipflanze des Jahres 2007 wird eine Kulturpflanze gewürdigt, die heute - unter anderem in Kombination mit der Baldrianwurzel - am häufigsten als pflanzliches Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt wird.

Hopfen kann mehr als schlaffördernd und beruhigend wirken. Heute weiß man, dass die Inhaltsstoffe der Blütenstände weiblicher Pflanzen, die so genannten Hopfenzapfen, Ausgangsstoffe für Präparate enthalten, die den körpereigenen Östrogenen des Menschen sehr ähnlich sind. Ein weiterer Stoff kann bösartigen Zellwucherungen entgegenwirken. Allerdings sind beide Substanzen nur in geringen Mengen in den Hopfenzapfen enthalten. Sie aus den bisher vorhandenen Hopfensorten zu gewinnen, ist sehr teuer. Professor Gerd Weber vom Institut für Pflanzenzüchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik der Universität Hohenheim will das ändern. Trotz der Bedeutung des „Medizinhopfens“ wird allerdings nur etwa ein Prozent des angebauten Hopfens für pharmazeutische Zwecke genutzt. Hauptabnehmer sind die Brauereien.

Wirkung gegen allerlei Krankheiten

Von der Hopfenpflanze, die zur Familie der Hanfgewächse gehört, werden nur die weiblichen Pflanzen genutzt. Ihre Blüten bilden 2 – 4 Zentimeter lange, grünlich- gelbe Blütenstände, die Hopfenzapfen. Sie enthalten verschiedene Bitterstoffe, ätherische Öle, Gerbstoffe sowie in sehr geringen Mengen auch pharmazeutisch wirksame Substanzen. Einige der Inhaltsstoffe haben eine beruhigende Wirkung und werden als Schlaf- und Nervenmittel genutzt. Schon in einem 1864 erschienenen „Handbuch der speziellen Arzneimittel“ wurde Hopfen auch gegen Appetitlosigkeit bei Magenkatarrhen und für die Magenschleimhaut empfohlen. Derzeit rücken Inhaltsstoffe der Hopfenzapfen in den Fokus, die Wechseljahresbeschwerden und der Entstehung von Krebs entgegenwirken. Diese Inhaltsstoffe sind jedoch nur in sehr geringen Mengen in den Hopfenzapfen enthalten.

Herausforderung für die Züchtung

Hopfensorten zu züchten, die mehr davon produzieren, ist aber ein schwieriger und zeitaufwändiger Prozess. Deshalb hat man nach neuen und einfacheren Möglichkeiten gesucht, mit denen der Züchter gezielt bestimmte Eigenschaften auf die Pflanzen übertragen kann. Inzwischen gibt es verschiedene, vielversprechende bio- und gentechnische Verfahren. Doch bis sie in die praktische Hopfenzüchtung übernommen werden können, sind noch weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erforderlich. Weltweit führend ist bei einem dieser Verfahren die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Ihr ist es gelungen, aus den Staubbeuteln der männlichen Pflanzen Pollen zu gewinnen, aus denen Hopfenpflanzen heranwachsen. Diese Pollen enthalten nur die väterlichen Erbanlagen. So entstehen reinerbige Zuchtlinien, die eine gezieltere und einfachere Auslese und Kombination der gewünschten Merkmale ermöglichen als bei der herkömmlichen Züchtung.

Mit der Gentechnik zu ertragreicherem Medizinhopfen

Aber welche chemischen Stoffe sind es, die die gewünschten Wirkungen erzielen? Bei der beruhigenden Wirkung sind es offenbar solche, die im Körper nach der Einnahme eines entsprechenden Präparats einen bestimmten Alkohol (C5- Alkohol) bilden. Zum Beispiel kann ein Stoff als Phytoöstrogen regulierend in den Hormonhaushalt eingreifen. Ein anderer, Xanthohumol, kann als Krebsmedikament dienen. Beide Wirkstoffe bilden die Hopfenpflanzen aber in zu geringen Mengen, um sie als Ausgangsstoffe für bezahlbare – pflanzliche – Medikamente nutzen zu können. Professor Weber will mit gentechnischen Methoden erreichen, dass neue Hopfensorten die begehrten Inhaltsstoffe in größeren Mengen produzieren. Zunächst muss er allerdings die Gene finden, die für die Produktion dieser Stoffe verantwortlich sind. “Als zweiten Schritt wollen wir die Funktion der Hopfengene optimieren und/oder fremde Gene aus anderen Organismen einbringen“, wird Weber in der Landpost, 6/2007 zitiert. Gentechnik-Gegner fürchtet er in diesem Fall nicht, weil sich die Stoffe hauptsächlich in der weiblichen Blüte befinden, heißt es dazu weiter. „Daher können wir den Anbau des Medizinhopfens auf weibliche Pflanzen beschränken, so dass auch kein Pollen verweht werden kann.“

Mehr zum Thema Hopfen unter: www.hopfenmuseum.de