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Forschung & Technik
15.03.2006

Ein neuer Energie-Rohstoff macht Karriere – der Mais

Reifer Maiskolben. Quelle: BASF AgroSlide

Ursprünglich verdankte Mais seine Popularität als nachwachsender Rohstoff der Stärke. Jetzt rückt Mais als Energielieferant in den Fokus.

Auf der Suche nach Energie- und Rohstoffalternativen rückt der Mais immer mehr in den Fokus. Als nachwachsender Rohstoff eignet er sich u. a. hervorragend für die Produktion von Biogas. So soll verstromtes Mais-Biogas nach Plänen der EU dazu beitragen, dass der Anteil regenerativer Energien an der Stromerzeugung von heute 10 auf 12,5 Prozent im Jahr 2010 ansteigt. Damit die Maisanbauer beste „Energie-Ernten“ von ihren Äckern einfahren können, müssen sie hochertragreiche Sorten anbauen und diese optimal vor Unkräutern, Schädlingen und Krankheiten schützen.

Mais für Biogas

Bislang in unseren Breiten überwiegend als Rinder- und Schweinefutter verwendet, rückt der Mais für eine andere Verwertungsmöglichkeit in den Mittelpunkt – die Biogaserzeugung. Das Prinzip ist einfach: Bakterien bringen zunächst die fein gehäckselten Maispflanzen (Kolben, Stängel, Blätter) in einem luftdicht abgeschlossenen Behälter mit luftscheuen Milchsäurebakterien zum Gären. So wird das Schimmeln der organischen Masse verhindert. Anschließend gibt man die so gewonnene Silage sukzessive in einen Behälter (Fermenter) der Biogasanlage. Mit Hilfe von Methan-Bakterien wird hier das Biogas gebildet. Dessen wertvoller Bestandteil ist das Methan. Das Gas wird in einem Speicher aufgefangen, verbrannt, in Strom umgewandelt und dem Blockheizkraftwerk zugeführt. Eine Variante der Zukunft besteht darin, das Biogas zu reinigen und direkt in das Erdgasnetz einzuspeisen.

Exportschlager Biogasanlagen

Nach Angaben der Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS) wuchs 2005 auf deutschen Äckern bereits auf 70 000 Hektar Mais zur Biogasproduktion, Tendenz stark steigend. Der Boom ist wesentlich auf das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ zurückzuführen. Das verpflichtet Stromversorger seit August 2004 dazu, Strom aus Biogas zu festen und für die Produzenten attraktiven Preisen abzunehmen. Seitdem sind viele Landwirte zu Energiewirten geworden. Und im Gefolge sind Biogasanlagen „Made in Germany“ zu Exportschlagern geworden. So kommen mittlerweile 9 von 10 Biogasanlagen in Japan aus Deutschland.

1 Hektar Mais bringt Energie für 15 Personen

Auch wenn aus jeder Form von Biomasse Biogas produziert werden kann, ist Mais die bevorzugte Energiepflanze. Sie liefert den höchsten Stromertrag je Hektar. Mit einigem Abstand folgen Zuckerrüben, bereits deutlich dahinter liegt Getreide. 48 Tonnen Maispflanzen, das ist der durchschnittliche Ertrag von 10 000 Quadratmetern (1 Hektar), können laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe 16 Megawatt-Stunden Strom liefern. Das deckt den jährlichen Bedarf von fünf Zwei- bis Drei-Personen-Haushalten. Die Rechnung für die Energiewirte geht natürlich nur dann auf, wenn die Kultur auch gut gedeiht. Werden statt der kalkulierten 48 Tonnen womöglich nur 30 Tonnen geerntet, bleiben unter dem Strich Verluste.

Rentabilität ist abhängig vom Ertrag

Wie stark Mais zukünftig Öl, Gas ersetzen wird, hängt direkt von dessen Produktionskosten ab. Hier ruhen die Hoffnungen auf der Züchtung spezieller Sorten, verbesserter Anbautechnik und damit höherer Erträge. Für die Anbauer heißt das konkret: eine zum Standort passende Sorte auswählen, die Kultur nach dem Bedarf der Pflanzen düngen und optimal vor Unkrautkonkurrenz, Krankheiten und Schädlingen schützen. Nur dann können die Pflanzen ihr genetisches Ertragspotenzial auch ausschöpfen.

Unkraut hat leichtes Spiel

Maisäcker bieten wegen der langsamen Entwicklung der jungen Pflanzen und dem späten Reihenschluss viel Raum für Unkräuter wie Gänsefuß und Knöterich oder Ungräser wie Quecke und Hirse. Sie können sich ungestört entwickeln und im Extremfall zu einem Totalverlust der Maisernte führen. Eine Unkrautbekämpfung ist deshalb unbedingte Voraussetzung für den Maisanbau.

Mehrere Schädlingsarten setzen dem Mais zu. Drahtwürmer und Fritfliegen werden seit Jahrzehnten mit Saatgutbehandlungsmittel recht sicher bekämpft. Der Maiszünsler ist schon schwieriger in den Griff zu bekommen. Er kann mit Insektiziden und neuerdings mit gentechnisch veränderten Sorten kontrolliert werden. Ein bedeutender Schädling ist auch der westliche Maiswurzelbohrer. Er hat zwar noch nicht die deutsche Grenze überschritten, gilt aber als einer der bedeutendsten Maisschädlinge weltweit. Krankheiten sind beim Mais weniger verbreitet als beispielsweise im Getreide. Beachtenswert sind aber pilzliche Erkrankungen, die schon beim Keimen auftreten, Fusarien- und Stängelfäulen, Kolben- und Kornfäulen.

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