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Forschung & Technik
17.07.2007

Die Esca-Krankheit breitet sich aus

Äußere Symptome der Esca-Krankheit am Blatt. Quelle: BBA

Mehrere Pilzarten und der Klimawandel gelten als Ursachen für das rätselhafte Absterben von Weinstöcken

Immer häufiger erkranken Rebstöcke an der früher in deutschen Weinregionen unbekannten Esca-Krankheit. Bislang wurde das Rebensterben zwei Schadpilzen zugeschrieben. Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Bernkastel-Kues identifizierten in erkrankten Reben überraschend noch zwei andere Pilzarten. Damit ergibt sich ein komplexes Bild der rätselhaften Krankheit. Die Experten vermuten, dass höhere Temperaturen und der Wegfall von Fungizidbehandlungen nach Schnittmaßnahmen im Weinberg die Ausbreitung in Deutschland begünstigen. Früher entsprach die vorbeugende Behandlung der Guten fachlichen Praxis.

Ende Juni fängt das Sterben an

Das Rebstocksterben in der Verbandsgemeinde Neumagen-Drohn an der Mosel brachte die Forscher der BBA auf die Spur der verhängnisvollen Pilze. Hier sterben jährlich bis zu drei Prozent der Rebstöcke zwischen Ende Juni und der Traubenlese ab. Die toten Stöcke müssen entfernt und neue Stöcke nachgepflanzt werden. Nicht immer wachsen die Jungpflanzen gut nach, erst im dritten Jahr tragen sie Früchte. Das kostet die Winzer Arbeit, Zeit und Geld. Das tückische an der Esca-Krankheit ist, dass ihr jedes Jahr neue, scheinbar gesunde Rebstöcke zum Opfer fallen.

Aus Holz wird Zunder

Der Name Esca kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Zunder. Diese Krankheit, die aus hartem Holz mürben und leicht entflammbaren Zunder macht, war bereits den Römern und Griechen bekannt. Bislang galten die zwei Pilzarten Fomitiporia mediterranea, Fmed abgekürzt und Phaeomoniella chlamydospora, Pch abgekürzt, als Auslöser. Fomitiporia ist ein Weißfäulepilz*, der ursprünglich nur im Mittelmeerraum verbreitet war. Pch verursacht so genannte Tracheomykosen, das heißt, er siedelt sich in den Saft führenden Gefäßen von Pflanzen an. Im Gegensatz zu den Weißfäulepilzen befällt er auch junges Holz. Seine Anwesenheit bleibt zunächst unbemerkt. Mit fortschreitender Zerstörung der pflanzlichen Leitungsbahnen welken die Blätter, weil der Saftstrom immer mehr eingeschränkt wird.

Tigerstreifen als erste Symptome

Wenn sich die Weinblätter schon im Sommer gelb-orange verfärben, kann dies ein erster Hinweis auf die Esca-Krankheit sein. Die Verfärbungen treten zwischen den großen Blattadern auf und bilden mit den grünen Streifen ein typisches Tigerstreifenmuster. Bei Weißweinsorten sind die Blattadern mit einem gelben, bei Rotweinsorten von einem roten Saum umgeben. Später vertrocknen die Blätter und fallen vorzeitig ab. An den Beeren hinterlässt die Esca-Krankheit ähnliche Spuren wie andere pilzliche Krankheiten. Eingeschrumpfte und braun verfärbte Früchte erinnern an die Lederbeeren bei Peronospora-Befall. Ältere Beeren springen auf und zeigen dasselbe Bild wie bei einem Oidium-Samenbruch. Über kurz oder lang vertrocknet alles Grün und der Rebstock stirbt ab.

Übeltäter von fern und nah

„Fomitiporia mediterranea wurde möglicherweise mit Pflanzmaterial aus Italien eingeschleppt“ vermutet Dr. Katja Schulze vom Institut für Pflanzenschutz im Weinbau der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Bernkastel-Kues an der Mosel. Dies könnte in den 80er Jahren geschehen sein. Dennoch geht das Rätselraten um das Rebensterben weiter: In rund 30 Prozent der untersuchten Weißfäuleproben fand sich anstelle des südländischen Pilzes der heimische Weißfäuleerreger Fomitiporia punctata, Fop abgekürzt. „Dass Fop auch Reben befällt, ist für uns neu“, berichtet die Wissenschaftlerin „Möglicherweise wird die Rebe durch die Besiedlung von Phaeomoniella chlamydospora so geschwächt, dass der Rebstock den Weißfäuleerreger nicht mehr abwehren kann“.

Neuer Mitspieler entdeckt?

Unklar ist auch noch die Rolle von Botryosphaeria obtusa. Dabei handelt es sich um den pilzlichen Erreger der Black dead arm-Krankheit , der in fast zehn Prozent der Proben, und somit häufiger als Weißfäulepilze, entdeckt wurde. „Wir wissen nicht, ob Botryosphaeria obtusa eine Mitursache oder nur eine Folge der Esca-Krankheit ist“, kommentiert Dr. Schulze den überraschenden Fund.

Klimawandel und fehlende Fungizide fördern Ausbreitung

Die Wissenschaftler der BBA gehen davon aus, dass der Temperaturanstieg in den deutschen Weinbauregionen die Verbreitung des mediterranen Schadpilzes fördert. Dr. Katja Schulze sieht aber auch in der heutigen Pflanzenschutzpraxis eine mögliche Ursache für die rasante Ausbreitung der Krankheit: „ Die pilzlichen Erreger gelangen zum Teil über Wunden in das Holz; es würde möglicherweise helfen, die Schnittstellen vorbeugend mit einem Wundverschlussmittel zu behandeln.“ Weil die Behandlung jeder einzelnen Schnittstelle zu aufwändig wäre, wurde früher vielfach mit einer Fungizid-Spritzung vorgebeugt. Heute müssen die deutschen Winzer auf diese Maßnahme verzichten, weil hierzulande für diese Anwendung kein zugelassenes Fungizid zur Verfügung steht.

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