Die Ernte-Versicherung
Mehrjährige Blühmischungen sichern einen lang anhaltenden Blütenteppich für Wildbienen.
Die Ernte-Versicherung
Jeder kann etwas tun, um Bestäuber zu schützen
Wildbienen sind unersetzlich für die Bestäubung zahlreicher Nutzpflanzen. Warum das so ist, erklärt die Freiburger Naturschutzforscherin Alexandra-Maria Klein. Sie verrät auch, was Landwirte und (Klein-)Gärtner zu deren Schutz tun können.
„Wildbienen sind die Versicherung unserer Ernten“, sagt Professorin Dr. Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg, Fachgebiet Naturschutz und Landschaftsökologie. „Entscheidend ist ihre Vielfalt, denn unterschiedliche Wildbienenarten sind an unterschiedliche Umweltbedingungen angepasst. So fliegen etwa Hummeln auch bei kühlem, windigem oder leicht regnerischem Wetter, wenn Honigbienen ihre Aktivität einschränken. Langrüsselige Hummelarten wiederum können tiefe Blüten wie die der Gartenbohne bestäuben – eine Aufgabe, an der Honigbienen oft scheitern.“
Mehr Insekten – bessere Früchte
Wenn mehrere Bestäuber-Arten zusammenwirken, profitieren die Pflanzen – und die Menschen – gleich doppelt: „Nicht nur die Anzahl der Früchte steigt, sondern auch deren Qualität“, so Klein. „Studien zeigen beispielsweise, dass bei Erdbeeren Form und Größe gleichmäßiger ausfallen, wenn verschiedene Bienenarten beteiligt sind. Ähnliches gilt für Äpfel oder Sonnenblumen. Johannisbeeren haben durch Wildbienen bis zu 70 Prozent mehr Ertrag, die Fruchtgröße bei Paprika steigt mit Hummelbesuch um etwa 30 Prozent.“ Wildbienen wirken somit wie eine Art „Versicherung“ für stabile Erträge – und sind damit ein zentraler Pfeiler unserer Ernährungssicherheit.
Lebensraumverlust gefährdet die Bestäubung
„Die größte Gefahr für Wildbienen ist der Verlust von Lebensräumen, die ihnen geeignete Nistplätze und Nahrung bieten“, so Klein. Je weiter eine landwirtschaftliche Anbaufläche von Wildbienenhabitaten entfernt liegt, desto weniger werden die Pflanzen besucht. „Studien zeigen, dass sich die Zahl der Blütenbesuche um bis zu 50 Prozent verringert, wenn der nächste naturnahe Lebensraum weiter als 700 Meter entfernt ist.“ Doch das ist nicht alles: „Eine zu frühe Mahd, das Entfernen von Totholz oder die Versiegelung offener Bodenstellen und der Einsatz von Herbiziden verringern das Angebot an Nahrung und Nistplätzen. So fehlt vielen Wildbienenarten beides zugleich – und das führt zu instabilen Bestäubungsleistungen, die sich nicht nur auf die Erträge auswirken, sondern langfristig womöglich auch auf Vielfalt und Qualität unserer Lebensmittel.“
Mit einfachen Mitteln Wildbienen fördern
„Wildbienen brauchen Nahrung, Nistplätze und vielfältige Landschaftsstrukturen – idealerweise alles möglichst nah beieinander“, sagt Klein. „Deshalb ist ein Mosaik aus Blühflächen, Hecken, offenen Bodenstellen und Totholz entscheidend. Schon ein mehrjähriger, naturnaher Blühstreifen entlang eines Ackers, eine Blühinsel im Garten oder ein Feldweg, der nicht gemäht wird, kann wichtige Ressourcen wie Pollen, Nektar, Nistplätze und Nistmaterialien bereitstellen. “Heimische Gehölze wie Wildrosen in der Hecke, Steinhaufen, Lehmwände oder bewusst unbearbeitete Stellen im Garten bieten Rückzugsorte für viele Arten. „Besonders wichtig ist eine gestaffelte Blüte über das ganze Jahr: Nach der Apfelblüte sollten etwa Kleegras-Säume, Wiesenkräuter oder Sommerblumen folgen. Nur so können Wildbienen durchgängig versorgt werden – von März bis in den Herbst.“
Auch bei der Bodenbearbeitung gibt es Spielraum: „Wer auf einem Teil der Fläche auf das Pflügen verzichtet und stattdessen grubbert, schafft Nistplätze für bodennistende Arten“, erklärt Klein. „Solche Maßnahmen lassen sich mit relativ geringem Aufwand umsetzen – und bringen oft mehr als viele denken.“ Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Dr. Felix Fornoff hat sie konkrete Empfehlungen in einem Buch zusammengefasst: „Praxishandbuch Nutzpflanzenbestäubung – Ertragssteigerung durch Förderung der Biodiversität“. Es richtet sich „an alle Menschen, die Obst und Gemüse kultivieren und gleichzeitig Wildbienen schützen möchten“.
Quelle: pflanzenforschung.de