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Schule & Wissen
26.08.2021

Sonnenblumen: drehfreudige Ölpflanzen

Die Sonnenblumenkörbe zeigen Richtung Sonnenaufgang. Knospen und Blätter richten sich hingegen immer zur Sonne aus und drehen sich nachts wieder zur Ausgangsposition zurück. Foto: Matthias Wiedenau

Imposante Optik, kleine Anbaufläche

Die Sonnenblume ist weltweit die drittwichtigste Ölkultur. In Deutschland spielt sie im professionellen Anbau nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch ist sie sehr präsent in unserer Wahrnehmung, weil sie durch ihr Aussehen ein echter Hingucker ist. Sie begeistert Gärtner und Blumenfreunde und inspiriert Künstler.

Wissenswert

Stillleben mit Sonnenblumen sind ein sehr beliebtes Motiv in der Malerei. Vincent van Gogh, Paula Modersohn-Becker oder August Macke haben bedeutende Werke geschaffen, die sich dieses Themas annehmen. Die große Blume mit den leuchtend gelben Blütenblättern ist eben ein echter Sympathieträger. Sie hat ihren Platz in vielen Gärten. Als Schnittblumen sind Sorten mit braunen Blütenkörben beliebt. Sind die Körbe gelb, hinterlassen sie gelbe Flecken, die sich nur schwer aus Tischdecken oder Kleidung entfernen lassen.

Neben den ästhetischen Argumenten hat die Sonnenblume auch einen hohen Nutzwert. Aus den Samen wird ein Öl gewonnen, das reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist. Es wird vor allem zu Speiseöl oder Margarine verarbeitet und ist als nachwachsender Rohstoff in Schmierölen, Biokraftstoffen, Weichmachern oder Lacken und Farben enthalten. Die Pressrückstände werden als Viehfutter genutzt. Einige Landwirte ernten die komplette Pflanze, um sie in ihren Biogasanlagen zu vergären und daraus Energie zu gewinnen.

Geröstete Sonnenblumenkerne sind ein beliebter Snack. Die geschälten Samen finden sich in Broten oder Müslimischungen wieder. Nicht zuletzt sind die Blüten eine hervorragende Bienenweide. Auch Hummeln und andere Insekten bedienen sich am Nektar und an den Pollen.

Knospen und Blätter der Sonnenblume wenden sich immer der Sonne zu. Am Morgen stehen sie Richtung Osten und am Abend Richtung Westen. In der Nacht drehen sie sich wieder auf die Ausgangsposition zurück. Der wissenschaftliche Begriff dafür lautet Phototropismus. Die Pflanze kann auf diese Weise mehr Licht einfangen und ihre Photosyntheseleistung steigern. Die Blütenkörbe zeigen hingegen immer nach Osten oder Nordosten. Das Gewebe darunter versteift sich nämlich im Laufe der Zeit und lässt keine Drehung mehr zu.

Das Sortenspektrum ist sehr weit gefächert. Neben den 120 bis 300 Zentimetern hohen Sorten gibt es Zwergsorten, die nur 25 bis 70 Zentimeter erreichen und sich sogar in Balkonkästen ziehen lassen. Es ist außerdem zwischen der Einjährigen Sonnenblume (Helianthus annus) und mehrjährige Staudenformen (Helianthus decapetalus) zu unterscheiden. Darüber hinaus gibt es Spezialzüchtungen für hohe Öl- oder Biomasseerträge.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat der Sonnenblume ist Nord- und Mittelamerika. Mit Seefahrern kam sie 1552 nach Europa und wurde zunächst als Zierpflanze in Gärten angebaut. Die Pflanze mag vollsonnige Standorte, leicht erwärmbare Böden, ausreichende Wasserversorgung zur Blüte Mitte Juli und anschließend eine trockene Reifephase.

Anbau

Im landwirtschaftlichen Anbau erfolgt die Aussaat der Körner in abgetrocknete Böden ab Ende März in 3 bis 5 Zentimetern Tiefe. Pro Quadratmeter werden fünf bis acht Pflanzen angestrebt. Damit die Pflanze sicher abreift, ist zwischen April und September eine Wärmesumme von mindestens 1450 Grad Celsius erforderlich. Das ist die Summe der Tagesmitteltemperaturen oberhalb eines Schwellenwerts von 6 Grad Celsius. Anbauer müssen bei der Sortenwahl einen Kompromiss zwischen früher Reife, Ölgehalt und Ertrag finden.

Im Garten können hochwachsende Sorten der Einjährigen Sonnenblume mit Bambusstäben abgestützt werden. Damit Stauden-Sonnenblumen vital bleiben, sollten sie alle drei bis vier Jahre geteilt werden.

Pflanzenschutz und Düngung

Nach der Saat und direkt nach dem Auflaufen können Tauben beziehungsweise Schnecken die Bestände stark schädigen. Weil die Pflanze in der Jugendphase leicht von Unkraut überwuchert wird, muss dieses mechanisch oder chemisch entfernt werden. Gegen wichtige pilzliche Krankheiten wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) und Krebs (Sklerotinia sclerotiorum) gibt es aktuell keine direkten Bekämpfungsmöglichkeiten. Hier versuchen die Anbauer über Sortenwahl, Anbaupausen und bedarfsgerechter Düngung so gut es geht vorzubeugen.

Die Düngung mit Stickstoff, Phosphat und Kalium sollte an den Bodengehalten und dem Ertragsniveau ausgerichtet werden.

Ernte und Lagerung

Der Erntezeitpunkt rückt näher, wenn die Laubblätter absterben, die Korbrückseiten sich gelb verfärben und die ersten Körner ausfallen. Im Idealfall weisen die Körner nach der Ernte mit dem Mähdrescher nur noch 9 Prozent Wassergehalt auf. Dann sind sie ohne weitere Trocknung lagerfähig.

Zahlen

Im Jahr 2020 wuchsen in Deutschland auf 28 100 Hektar Sonnenblumen, im Schnitt der letzten zehn Jahre waren es 21 500 Hektar. Im Vergleich zur bedeutendsten Ölfrucht Raps (954 000 Hektar in 2020; Zahlen: destatis) ist die Sonnenblume trotzdem nach wie vor ein Exot. 2020 wurden durchschnittlich 2,06 Tonnen Körner pro Hektar (Zahl: statista.com) geerntet. Weltweit sind Sonnenblumen nach Sojabohnen und Raps die drittgrößte Ölkultur. Die größten Erzeugerländer 2019 waren Russland und die Ukraine mit 15,4 beziehungsweise 15,3 Millionen Tonnen. In Europa waren Bulgarien, Ungarn und Frankreich mit 1,9, 1,7 und 1,3 Millionen Tonnen führend (Zahlen: FAO).

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