Zu gut für die Tonne

Berliner Start-up sorgt mit einer App für weniger Lebensmittelverschwendung

Ein Drittel aller Lebensmittel werden nicht verzehrt, sondern landen im Müll. Mithilfe der App „Too Good To Go“ kann diese schockierende Zahl minimiert werden – und Verbraucher können leckeres Essen für wenig Geld kaufen.

Dass Lebensmittel nicht ihren eigentlichen Zweck erfüllen, sondern weggeworfen werden (müssen), birgt gleich mehrere Probleme. Zum einen könnten, bei besserer Lagerhaltung zum Beispiel, in Entwicklungsländern mehr Menschen vor Hunger bewahrt werden. Zum anderen könnten Anbauflächen für die Erzeugung dieser Lebensmittel besser genutzt werden. Und nicht zuletzt belastet weggeworfenes Essen die Klimabilanz. Verschwendung ist also ein globales Problem – auch in unseren hochentwickelten Breiten, wo eigentlich immer genug Essen zur Verfügung steht.

10 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverschwendung

Die Zahlen sind frustrierend: Jedes Jahr werden allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen Essen weggeworfen – sei es beim Erzeuger, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder zuhause. Fast die Hälfte davon, immerhin noch 10 Millionen Tonnen, sind vermeidbare Abfälle. Das entspricht zehn Mal der Produktion der landwirtschaftlichen Anbaufläche des Saarlands! Und es sind 235 Euro pro Verbraucher, die nicht ausgegeben werden müssten. Diese Zahlen haben eine Gruppe junger, technikbegeisterter Menschen derart aufgeschreckt, dass sie eine App entwickelten, mit der Unternehmen überschüssige Lebensmittel an den Endverbraucher bringen können. Dank „Too Good To Go“ können Restaurants, Bäckereien, Supermärkte oder Hotels einwandfreies Essen, das aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden kann, für kleines Geld abgeben, anstatt es wegwerfen zu müssen. Ob fast abgelaufene Joghurts, die zu krumme Gurke oder Reste eines Festbüfetts – für ein paar Euro können sich Nutzer der App eine Tüte Lebensmittel mit nach Hause nehmen. Für die Zukunft haben sich die Gründer von „To Good To Go“ vorgenommen, nicht nur Handel und Gastronomie mit einzubeziehen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette: Von der Produktion über die Lagerhaltung, Verarbeitung und Verpackung, Vertrieb und Handel bis hin zum Endverbraucher.

Verbraucher, Wirtschaft und Politik sollen mit ins Boot

Und weil die Verteilung überschüssiger Lebensmittel nur ein Bestandteil der Problemlage ist, haben sich die Macher vorgenommen, auch die Bereiche Bildung und Politik mit einzubeziehen. Ihrer Überzeugung nach spielt vor allem die Bildung eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung. So wollen sie mit Schulen und Universitäten zusammenarbeiten, um der nächsten Generation beizubringen, Ressourcen zu schätzen und zu schützen. Dafür wurden Arbeitsmaterialien wie Poster, Arbeitspakete und andere Info-Materialien für alle Altersgruppen entwickelt, die kostenlos auf www.toogoodtogo.de heruntergeladen werden können.

Quelle: Too good to go