Johannes Paas: Ackerbaubetrieb 4.0

Nutzen der Digitalisierung größer als Aufwand

Landwirt Paas hat lange gewartet, bis sein Entschluss feststand. Inzwischen ist er seit drei Jahren dabei, seinen Betrieb umzukrempeln. Die besondere Herausforderung ist die Vernetzung von Maschinen, Programmen und Daten. Das IVA-Magazin schaute näher hin.

Langer Anlauf – jetzt praxisreif?

Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist schon seit fast drei Jahrzehnten ein Thema. Exakte Sensoren, smarte Programme und ermüdungsfreie Rechner sollen den Landwirt entlasten und ihm Arbeiten abnehmen. Vieles soll dadurch schneller, genauer, umweltschonender und wirtschaftlicher werden.

Doch wie sieht die Realität auf den Höfen aus? Die elektronische Schlagkartei zur Dokumentation aller Arbeiten auf dem Feld ist auf den meisten Betrieben Standard. Viele Landwirte nutzen auch Smartphone-Apps, um Krankheiten zu erkennen, oder GPS, um damit gerade Furchen zu ziehen oder überlappungsfrei Pflanzenschutzmittel und Dünger auszubringen. Doch damit schöpft die Landwirtschaft nur einen Bruchteil der Möglichkeiten der Digitalisierung aus.

Bei Neuanschaffungen oft Innovationssprung

„2017 war das Jahr, in dem ich die Weichen Richtung Landwirtschaft 4.0 gestellt habe“, sagt Johannes Paas rückblickend. Der 38-Jährige Landwirt aus Ratingen in der Nähe von Düsseldorf stand damals vor der Entscheidung, einen Düngerstreuer und eine Drillmaschine von verschiedenen Herstellern zu kaufen. Beide Geräte sollten mit einem Universal-Terminal von der Traktorkabine aus steuerbar sein.

Bislang hatte fast jeder Hersteller seine eigene Technik. Der Vorteil: Die sogenannten Insellösungen funktionieren. Der Nachteil: Sobald Geräte unterschiedlicher Hersteller kombiniert werden mussten, gab es häufig Schwierigkeiten. Paas entschied sich für ein herstellerübergreifend entwickeltes Universal-Terminal. Damit hat er die Probleme in den Griff bekommen.

„Im nächsten Schritt habe ich dann nach Möglichkeiten gesucht, wie ich meine Flächen teilflächenspezifisch bewirtschaften kann“, so Paas weiter. Je nach Bodenqualität finden die Pflanzen nämlich unterschiedliche Wachstumsbedingungen vor und entwickeln unterschiedliche Ansprüche. Aus einer aufwändigen Bodenuntersuchung wusste er, wie überraschend heterogen die Bodenverhältnisse innerhalb seiner Felder sind. Deshalb nutzt er seit 2017 Biomasse-Aufnahmen von seinen Flächen. Satellitenkameras senden sie etwa alle zehn Tage. Daraus leitet er die optimalen Dünger-, Wachstumsregler- und Aussaatmengen für jeden Quadratmeter ab.

Kompatible Daten Voraussetzung für Digitalisierung

Die Daten müssen nun von seinem Bürorechner an das Universal-Terminal übermittelt werden. Statt eines USB-Sticks nutzt der Rheinländer nun eine ebenso herstellerübergreifend entwickelte virtuelle Datendrehscheibe. Diese konvertiert die Daten in ein Format, das vom Traktor-Terminal erkannt wird. Das Terminal holt sich die Anweisungen mittels SIM-Karte von der Drehscheibe und steuert damit den Düngerstreuer. Der bringt an jeder Stelle des Ackers genau so viel Dünger wie vorgegeben aus. Ein Mensch könnte das niemals so schnell und exakt steuern.

Ebenso kann er nun alle Arbeitsdaten, wie zum Beispiel den Düngerverbrauch, mit seinen Büro-PC oder Smartphone abrufen und dokumentieren. So arbeitet sich der Landwirt Schritt für Schritt in die Landwirtschaft 4.0 ein. Sein nächstes Ziel ist, die Maschinen- und Arbeitsdaten über die Datendrehscheibe in seine Ackerschlagkartei einzupflegen.

Umstellung fordert Engagement

Für Landwirt Paas ist die Digitalisierung ein langwieriger Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Technische Innovationen werden immer weitergehende Möglichkeiten bieten. Doch seine Erfahrung zeigt auch: Kaufen, einschalten, arbeiten – das wird (vorerst) eine Wunschvorstellung bleiben. Aus diesem Grund hat Paas in einer Übergangsphase doppelten Aufwand getrieben. Er plante und dokumentierte seine Maßnahmen nach wie vor mit Excel-Tabellen und seiner Schlagkartei. Parallel dazu testete er die vernetzten Programme und Geräte.

Technik muss leicht zu bedienen sein

Ein weiteres Argument für die Digitalisierung ist der mittlerweile erreichte hohe Grad an Anwenderfreundlichkeit. „Die Technik muss einfach und komfortabel zu bedienen sein. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitarbeiter“, sagt Paas. Nach drei Jahren intensiver Beschäftigung mit der Thematik zieht der technikaffine Rheinländer ein Zwischenfazit: „Ich werde die Digitalisierung weiter vorantreiben, weil der Nutzen überwiegt. Sie ist jedoch kein Allheilmittel und Selbstläufer“.