Blaublütiges Heil- und Gewürzkraut Borretsch

Verfeinert nicht nur Kräutersoße

Gurkenkraut, so wird der Borretsch im Volksmund oft genannt, da er nach frischen grünen Gurken riecht. Auch Blauhimmelstern, Herzfreude und Augenzier sind als Namen bekannt. Am bekanntesten ist wohl seine Verwendung in der Frankfurter Grünen Soße, aber auch in der Naturheilkunde wird er oft angewandt.

Borretsch (Borago officinalis) gehört zur Familie der Raublattgewächse, zu denen beispielsweise auch das Lungenkraut oder der Beinwell gehören. Eine der Namenserklärungen führt zum lateinischen Wort Borra (Gewebe aus rauer Wolle), da seine Stängel und Blätter rau behaart sind; ältere Blätter fühlen sich durchaus auch stachelig-kratzig an.

Den blauen Himmelsstern gibt es heute auch in weiß

Borretsch stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und dem Orient, wo er häufig auf Brachflächen wächst. Im Mittelalter wurde er dann über Frankreich nach Deutschland gebracht und in den Gärten angebaut. Von dort aus wilderte er aus und ist heute auch in der Natur besonders auf nährstoffreichen Ruderalflächen (brachliegende Rohfläche) bei uns anzutreffen. Es ist eine einjährige krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von etwa 50 bis maximal 80 Zentimeter. Ab Mai und bis in den September hinein blüht der Borretsch zunächst eher rosa und wandelt dann die Blütenfarbe in leuchtend blau bis zum dunklen violett. Inzwischen gibt es sogar weiße Züchtungen. Mit seinen sternförmigen „Himmelstern-Blüten“ ist er übrigens eine hervorragende Bienen- und Hummelweide. Borretsch mag nährstoff-, kalk- und humusreiche Böden und bevorzugt sonnige Standorte. Er benötigt keine besondere Pflege, dankt aber einen leicht feuchten, durchlässigen Boden. Als Dunkelkeimer müssen Borretsch-Samen gut mit Erde bedeckt sein.

Das Kraut eignet sich gut in der Nachbarschaft zu Erdbeeren, Gurken oder Zucchini, wegen seiner Größe aber weniger neben niedrigen Kräutern wie Petersilie oder Schnittlauch, da er diese aufgrund seines schnellen Wachstums schnell beschattet und verdrängt. In einem Balkonkräuterbeet im Blumenkasten kann Borretsch nicht angebaut werden, da seine Pfahlwurzel dort nicht tief genug wurzeln kann. Wer Borretsch im Garten anbaut, ärgert sich häufig über grüne und schwarze Blattläuse, die dem Kraut das Leben schwer machen können, und auch Mehltau- oder Rostpilze befallen die Pflanze gern. Ein etwas weiterer Abstand zwischen den Pflanzen verringert die Gefahr des Pilzbefalls. Das Sammeln von wildwachsendem Borretsch empfiehlt sich besonders im Mai und Juni, aber die jungen Blätter können durchaus bis Oktober gepflückt werden.

Für Salat, Kräutersoße und Essig

In der Küche wird Borretsch gerne für Salate verwendet, zusammen mit Dill ist er ein ideales „Gurkenkraut“. Im Brotaufstrich und in Dips und Kräuterquark macht er sich ebenfalls gut. Borretsch ist zusammen mit Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch Bestandteil der beliebten, kalt angerührten Frankfurter Grünen Soße, die mit Schmand und saurer Sahne zubereitet wird. Mit den jungen Blättern kann ein aromatischer Borretsch-Essig zubereitet werden. Da Borretsch als tief wurzelnder Pfahlwurzler Nährstoffe bis in tiefe Bodenschichten aufnimmt, sind seine Blätter sehr mineralstoffreich. Er enthält außerdem Schleimstoffe und Kieselsäure.

Zum Kochen wird Borretsch eher weniger verwendet, weil er bei hohen Temperaturen schnell sein Aroma verliert. Auch zum Trocknen eignet er sich deshalb nicht so gut, im Gegensatz zu anderen Kräutern wie Thymian, Majoran oder Oregano, die auch getrocknet und gerebelt ein intensives Aroma haben. Einfrieren kann man ihn, doch der Borretsch wird nach dem Auftauen matschig und sieht nicht mehr schön aus. Die blaue Blütenkrone kann zur Dekoration als essbare Blüte verwendet werden.

Borretsch-Öl hilft bei Hauterkrankungen

Die Ernte der Samen erfolgt im Herbst. Aus den Samen hergestelltes Borretsch-Öl hat einen hohen Anteil an Gamma-Linolensäure und wird aufgrund seiner juckreizstillenden und entzündungshemmenden Wirkung gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis mit trockener, juckender und schuppender Haut sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt. Borretsch-Tee entfaltet eine gute Wirkung bei Husten und Bronchitis. Trotz der vielen Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten sollte Borretsch nur gelegentlich in Maßen und nicht regelmäßig gegessen werden, da er nennenswerte Mengen der giftigen Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten kann. Die Pflanze schützt sich in der Natur damit gegen Fressfeinde. Die Pyrrolizidinalkaloide belasten die Leber. Sie sind sowohl in den Stängeln und Blättern, als auch in den Blüten des Borretschs enthalten, nicht aber in den Samen, weswegen Borretsch-Öl unbedenklich ist.