Schüler züchten Regenwürmer

11.03.2008 Schule & Wissen

Förderpreis „Praktisches Lernen und Schule “ ging an Berliner Kant-Oberschule

Was spezialisierte Firmen im großen Maßstab tun, haben Berliner Schüler in ihren Klein-Vermarien mit vierfachem Erfolg selbst ausprobiert: Sie züchteten Regenwürmer und nutzten den fruchtbaren Wurmhumus für ihren Schulgarten. Sie lernten, wie man wissenschaftlich sauber arbeitet und dokumentiert und sie gewannen einen Wettbewerb um das beste Unterrichtsprojekt. Das Fazit der Beteiligten lautete: „Zur Nachahmung empfohlen!“ Deshalb gibt es eine detaillierte Arbeitsanleitung als PDF zum Download.

„Das Regenwurm-Projekt hat bei meinen Schülern den sportlichen Ehrgeiz geweckt“, berichtet die Projektleiterin Dr. Svenja Busse. Vordergründig ging es darum, in einem begrenzten Zeitraum möglichst viele Würmer und Ei-Kapseln zu züchten. „Doch die Schüler haben weit mehr gelernt, als optimale Lebensbedingungen für den Regenwurm zu ermitteln. Sie können jetzt weit besser komplexe ökologische Zusammenhänge beurteilen, sich im Team organisieren und ein mehrwöchiges Projekt zusammenhängend bearbeiten. Das waren die erwünschten Nebeneffekte“, so Svenja Busse.

Sieben Wochen Projektunterricht

Zunächst waren die Vermarien, also die Spezial-Terrarien für Regenwürmer, vorzubereiten. Dazu die Wissenschaftlerin: „Unser Kooperationspartner, ein professioneller Regenwurmzüchter, stellte uns den Prototyp eines Schau-Vermariums zur Verfügung. Dieser wurde dann von der Handwerks-AG zusammen mit der Werkstatt-Leiterin der Kant-Oberschule nachgebaut.“ Im Biologie-Unterricht schlossen sich dann jeweils zwei oder drei Schüler in Gruppen zusammen und legten „ihr“ eigenes Klein-Vermarium an. Dabei musste jede Gruppe selbst festlegen, wie der Boden geschichtet sowie feucht gehalten werden sollte und welche Nahrung ideal ist. Im Laufe der Wochen stellte sich beispielsweise heraus, dass die Würmer klein geschnittene Kaffeefilter mit Filtersatz sowie Falllaub besonders mö gen . Ungünstig wirkten sich hingegen zuviel Sand oder auch Staunässe im Vermarium aus. Neben diesen praktischen Erfahrungen kam die Theorie aber nicht zu kurz. Eine gründliche Einführung im Unterricht gehörte ebenso dazu wie eine umfassende Versuchsdokumentation durch jede Schülergruppe.

Wurmhumus für den Schulgarten

Die erfolgreichen Jungzüchter zählten am Ende des Projekts aber nicht nur zahlreiche Eikapseln und zusätzliche Regenwürmer. Nebenbei hatten die Würmer reichlich Humus produziert. Diesen fruchtbaren Boden nutzten die Schüler um darin Pflanzen zur Begrünung der Schul-Dachterrasse auszusäen.

„Im Laufe des Projekts haben meine Schüler die Leistungen des Regenwurms für fruchtbare Garten- und Ackerböden verinnerlicht“, berichtet die Lehrerin. „Sie haben gesehen, dass die Würmer wichtige Helfer für Gärtner und Landwirte sind.“ So verbessern sie mit dem von ihnen angelegten Röhrensystem die Drainage und Belüftung des Bodens, sie durchmischen die Bodenhorizonte, der Wurmschleim bindet Wasser und ihr Kot enthält viele Nährstoffe für die Pflanzen.

Erfolgreich am Wettbewerb teilgenommen

Das Regenwurm-Projekt diente zugleich als Beitrag der Kant-Oberschule zum Wettbewerb um den Förderpreis „Praktisches Lernen und Schule“. Dazu hatte die Senatsverwaltung Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin aufgerufen.

„Da die Klasse ja mehrere Projektberichte verfasst hatte, hielt sich der Aufwand in Grenzen. Zusätzlich haben wir unter anderem eine umfangreiche Fotodokumentation sowie ein Übersichtsposter eingereicht.“ Offensichtlich hat die Begeisterung der engagierten Schüler auch die Jury angesteckt. Die Klasse 7a gewann nämlich einen ordentlich dotierten Förderpreis, der in ihre Klassenkasse floss. Doch das Geld war nicht das Entscheidende: „Die Schüler haben vielmehr die Anerkennung für ihr Engagement genossen. Ein Empfang im Berliner Rathaus und die Zeitungsberichte – das waren tolle Erfolgserlebnisse für die Jugendlichen“, fasst Frau Dr. Busse zusammen.

Zur Nachahmung empfohlen!

Im Nachhinein gab es auch ungewöhnliche Reaktionen auf das Schulprojekt. Demnach seien viele Eltern von dem Eifer ihrer Kinder überrascht gewesen. Die Projektgruppen hätten sich zum Teil sogar am Wochenende getroffen und eine ungeahnte Dynamik entwickelt. Der Aufwand hat sich also gelohnt.

Dr. Busse will mit diesem gelungenen Projekt ihre Berufskollegen animieren, ähnliches selbst einmal auszuprobieren. Und damit sie das Rad nicht neu erfinden müssen, hat sie eine detaillierte Arbeitsanleitung erstellt, die hier heruntergeladen werden kann.

Viel Erfolg und Spaß bei der Projektarbeit!

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