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25.03.2022

„Im Märzen der Bauer“

Bei der Bodenbearbeitung wird der Grundstein für die spätere Saat gelegt. Sie soll den Boden lockern, Pflanzenreste einarbeiten und wieder rückverfestigen. Foto: Angelika Sontheimer

Im März beginnt das Ackerjahr

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.“ Klingt gut - entspricht aber nicht mehr den heutigen Tatsachen. Wenn heute ein Landwirt die Rösser einspannt, dann geht er mit ihnen vielleicht an unzulänglichen Hanglagen in den Wald, um dort bodenschonend in der Holzernte zu arbeiten. Im Ackerbau aber haben die Pferde als Zugtiere ausgedient. Auch in der Landwirtschaft haben Hightech und Digitalisierung längst Einzug gehalten, obwohl die Grundlagen des Landbaus althergebracht sind.

Ackerbau ist ein moderner Betriebszweig auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Der Traktor des Landwirts ist heute kein Bulldog mehr, sondern eine moderne, teilweise selbstfahrende Landmaschine mit viel Technik, Elektronik und Satellitensteuerung. Drohnen fliegen mit Kameras über das Feld und aus dem Weltall werden Boden- und Pflanzendaten erfasst. Kleine Hackroboter können mit künstlicher Intelligenz, die auf Algorithmen basiert, inzwischen schon autonom das Unkraut auffinden und heraushacken. Und doch ist das, was der Landwirt im März auf dem Feld macht, seit Jahrhunderten immer noch ähnlich, wie es in dem alten Kinderlied aus Mähren beschrieben wird: „Er pfleget und pflanzet all’ Bäume und Land. Er ackert, er egget, er pflüget und sät, und regt seine Hände gar früh und noch spät.“

Dünger ausbringen und Saatbett bereiten

Landwirtschaft ist nach wie vor wetter- und witterungsabhängig: Sobald der Acker befahren werden kann, also genügend abgetrocknet ist, geht es los mit der Düngerausbringung. Sowohl mineralische als auch organische Dünger, wie zum Beispiel Gülle, werden ausgebracht, um die Pflanzen mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen, die sie zum Gedeihen brauchen, wenn sie im Frühjahr beginnen zu wachsen. Damit es möglichst wenig gasförmige Verluste gibt, die als Treibhausgase im Klimawandel wirken könnten, wird die Gülle entweder gleich direkt in den Boden eingebracht oder sofort nach dem Ausbringen in den Boden eingearbeitet.

Bei der Bodenbearbeitung hat der Landwirt mehrere Systeme und Verfahren zur Auswahl, die alle verschiedene Vor- und Nachteile haben: In Fruchtfolgen mit Pflugeinsatz wird eine gute Unkrautbekämpfung erreicht. Der Pflug arbeitet die Erntereste und bereits aufgelaufene Unkräuter ein. Andererseits stört das Pflügen jedes Mal die Bodenstruktur, es kann zu erhöhtem Wasserverlust kommen und die Verfahrenskosten durch den hohen Energieeinsatz sind relativ hoch. Mulchsaatverfahren mit der wassersparenden „konservierender Bodenbearbeitung“ vermindern die Erosion ebenso wie das streifenförmige „Strip-Till-Verfahren“ oder die „Direktsaat“. Diese verzichtet auf jegliche Grundbodenbearbeitung und spart deswegen Diesel ein, bietet aber für viele Pflanzenkrankheiten eine „grüne Brücke“, weil Schaderreger wie Pilze, Schädlinge und Bakterien an den Pflanzenresten überwintern können. Die verwendete Technik hängt also von vielen verschiedenen Faktoren ab: Wie hoch ist der Anteil an verbliebenen Ernteresten oder Zwischenfrüchten, die über den Winter abgefroren sind? Um welchen Bodentyp handelt es sich? Welche Arbeitskraft-Kapazitäten und Maschinen stehen zur Verfügung?

Boden optimal auf die kommende Saat vorbereiten

Ein optimaler Boden sollte aufgelockert, krümelig und frei von Verdichtungen sein. Verdichtete Böden neigen zu Verschlämmung und Erosion, haben zu wenig Sauerstoff und bieten den Pflanzen nicht genügend Möglichkeiten für das Wurzelwachstum. Damit das Saatkorn beim Keimen ausreichend Wasser vorfindet und das Bodenwasser durch die Kapillaren auch aufsteigen kann, muss der Boden nach dem Lockern wieder rückverfestigt werden. Ein schlecht gepflegter, verdichteter Boden führt zu Nährstoffmangel, kümmernden Pflanzen und schlechten Erträgen. Alles Dinge, die der Landwirt zu vermeiden sucht, indem er je nach Anforderungen tiefgründig oder flach lockert, eine bodenschonende Bereifung verwendet und mit Zwischenfrüchten den Boden mit Humus und Nährstoffen anreichert.

Das Saatbett legt den Grundstein für die Saat und bietet den landwirtschaftlichen Kulturen optimale Bedingungen für die Keimung und den Feldaufgang. Für die Saatbettbereitung stehen dem Landwirt die im Volkslied erwähnten Geräte Pflug, Egge in modernen Ausführungen wie Scheibenegge, Kreiselegge, Streifen- und Wendepflug zur Verfügung; aber auch Grob- und Feingrubber, Fräse und verschiedene Walzen, die den Boden nach der Lockerung wieder rückverfestigen, kommen zum Einsatz, um den Boden für die Saat vorzubereiten. Landwirtschaftliche Kulturen, die im Frühjahr in die Erde gesät oder gepflanzt werden, sind zum Beispiel Hafer, Sommergerste, Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais. Mit der Bodenbearbeitung im März ist nun der Auftakt für die Arbeit des Landwirts auf dem Acker getan.

Bauernregeln im März:

  • Regnet's stark zu Albinus (1. März), macht's dem Bauern viel Verdruss.
  • Wenn es an Sankt Albin (1. März) regnet, gibt es weder Heu noch Stroh.
  • Märzenstaub und Märzenwind, guten Sommers Vorboten sind.
  • Ist Kunigunde (3. März) tränenschwer, bleibt oft die Scheune leer.
  • Wenn es Kunigunde (3.März) friert, man's noch vierzig Tage spürt.
  • Ein feuchter März ist des Bauern Schmerz.
  • März nicht zu trocken und nass, füllt dem Bauern Scheune und Fass.
  • Friert es auf Virgilius, im Märzen Kälte kommen muss.
  • Ein heiterer März erfreut des Bauern Herz.
  • Gibt's im März viel Regen, bringt die Ernte wenig Segen.
  • Im Märzen kalt und Sonnenschein, wird's eine gute Ernte sein.
  • Gewitter im Märzen gehen dem Bauern zu Herzen.
  • Wenn im März noch viel Winde wehn, wird's im Maien warm und schön.
  • Wie das Wetter zu Frühlingsanfang, ist es den ganzen Sommer lang.
  • Der März soll kommen wie ein Wolf und gehen wie ein Lamm.
  • Säest du im März zu früh, ist es oft vergeb'ne Müh'!
  • Siehst du im März gelbe Blumen im Freien, magst du getrost deinen Samen streuen.
  • Maulwurfshaufen im März zerstreut, lohnt sich wohl die Erntezeit.
  • Märzenschnee tut den Saaten weh.

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