Räuber schützen Obst und Gemüse

16.09.2010 Forschung & Technik

Raubmilben helfen Obst- und Gemüsebauern im Kampf gegen Spinnmilbe und Thrips

Bei Obst und Gemüse im Unterglasanbau sind die Winzlinge nicht mehr wegzudenken: Raubmilben sind mittlerweile eine Stütze im Integrierten Pflanzenschutz. In Baden Württemberg werden die Nützlinge mittlerweile in 95 Prozent der geeigneten Gemüsekulturen unter Glas eingesetzt. Raubmilben der Art Amblyseius, die Spinnmilben und Thripse jagen, stehen mittlerweile an erster Stelle.

Amblyseius-Arten dominieren

Heute trifft man im baden-württembergischen Unterglas-Anbau die Raubmilben Amblyseius cucumeris, Amblyseius barkeri und Amblyseius swirskii am häufigsten an. Diese Nützlinge sind ausgewachsen nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß. Ihr Körper ist oval und gelblich und mit dem bloßen Auge sind sie kaum zu erkennen. Trotz ihrer Winzigkeit bewegen sie sich ausgesprochen flink. Bei der Auswahl ihrer Nahrung sind Amblyseius-Arten weniger wählerisch als andere Arten: Sowohl die Larven als auch die Adulten saugen Larven von Thrips- und Spinnmilbenarten aus. Diese Schädlinge richten in Gemüse-, Zierpflanzen- und Obstkulturen große Schäden an und sind mit Pflanzenschutzmitteln nur schwer zu bekämpfen. Auch Weichhautmilben und andere Kleinarthropoden wie Gallmilben, Pollen und Pilzsporen bereichern den Speiseplan der Amblyseius-Arten. Eine Raubmilbe frisst bis zu zehn Schädlingslarven pro Tag. Erwachsene Thripse greifen sie dagegen nicht an, da sich die ein- bis zwei Millimeter großen Schädlinge gegen die Räuber zur Wehr setzen können. Deshalb ist es entscheidend für den Erfolg, die Raubmilben bei Schädlingsbefall möglichst frühzeitig einzusetzen. Neben den genannten Amblyseius-Arten werden noch weitere Raubmilben-Arten eingesetzt.

„Unterglas-Anbau ist ein Paradies für Schädlinge“

Im Unterglas-Anbau sind Raubmilben mittlerweile fester Bestandteil des Pflanzenschutzes. Das liegt daran, dass sich die Schädlinge bei den geradezu idealen Lebensbedingungen im Gewächshaus explosionsartig vermehren „Bei den hohen Temperaturen und Nahrung in Hülle und Fülle fühlen sich die Schädlinge wie im Paradies“, sagt Dr. Reinhard Albert vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg. Dr. Albert leitet im LTZ das Referat Integrierter und Biologischer Pflanzenschutz im Obst- und Gartenbau. Im Integrierten Pflanzenschutz werden biologische, biotechnische und chemische Bekämpfungsmaßnahmen so kombiniert, dass der größtmögliche Erfolg erzielt wird. „Gerade bei einer Massenvermehrung von Schädlingen haben sich Raubmilben bewährt“, sagt Dr. Albert. Die Raubmilben vernichteten genau die Schädlinge, die mit anderen Pflanzenschutzmaßnahmen nicht ausgeschaltet werden könnten.

Raubmilben für alle Kulturen

Das LTZ forscht und berät bereits seit Jahren zum Einsatz von Raubmilben im Obst- und Gemüseanbau. Für jedes Kultur- und Produktionssystem – ob Unterglas-Anbau oder Freiland – empfehlen die Berater besonders geeignete Raubmilbenarten. Ein Spezialist für die Bekämpfung der Gemeinen Spinnmilbe (Tetranychus urticae) ist die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis, eine bis zu 0,5 Millimeter große, birnenförmige Milbe mit auffallend langen Vorderbeinen. Diese Milbenart vermehrt sich schneller als Amblyseius-Arten und kommt deshalb sogar bei Freilandanerdbeeren zum Einsatz. Ihr Nachteil ist, dass sie ausschließlich auf Spinmilben als Nahrungsquelle angewiesen ist und Thrips-Larven nicht anrührt. Ihr wichtigstes Tätigkeitsgebiet sind Rosen und Gurken im Unterglasanbau.

Zu den bedeutendsten Kulturen für Amblyseius-Arten zählen in Baden-Württemberg Tomaten, Gurken, Auberginen, Paprika und Zierpflanzen im Unterglas-Anbau. Gegen Bodenschädlinge helfen Hypoaspis-Raubmilben. Die bis zu einem Millimeter großen, hellbraunen Raubmilben fressen Larven von Trauermücken, Sumpffliegen und Thripsen, Springschwänzen, Weichhautmilben sowie die Eier von Zwergfüßern wie Symphylella vulgaris. Zwergfüßer ernähren sich von toter oder auch lebender organischer Substanz wie Wurzeln. Eine wirksame Bekämpfung der Schädlinge ist mit Raubmilben allerdings nur in der obersten Schicht des Bodens möglich, bis wenige Zentimeter unter die Oberfläche.

Raubmilben im Freiland

Auch in Freilandkulturen ergänzen Raubmilben als nützliche Helfer das Bekämpfungsinstrumentarium gegen Schadinsekten wie die Obstbaumspinnmilbe. Bei der Anlage neuer Obstkulturen empfehlen die Berater vom LTZ Augustenberg, Zweige aus älteren Beständen, die mit Raubmilben besetzt sind, in den neuen Pflanzungen an die Äste zu binden. Auf diese Weise können sich die Nützlinge ausbreiten. An Nahrung wird es den angesiedelten Raubmilben nicht mangeln, denn die Schädlinge sind immer als Erste vor Ort.