Ernte 2026: Viele Pflaumen, kleine Kartoffeln, farbkräftige Rotweine
Gute Kartoffelerträge gab es nur in Regionen mit ausreichendem Niederschlag oder auf Feldern mit Beregnungsmöglichkeit.
Starke regionale Unterschiede im Geschäft unter freiem Himmel
Vertrocknete Rasenflächen und gelbe Blätter an den Sträuchern – nicht beregnete Gärten gaben im Sommer 2026 in weiten Teilen Deutschlands ein trostloses Bild ab. Doch wie sah es in der Landwirtschaft aus? Wie stark hat das Extremwetter die Ernten beeinflusst?
Historische Hitze
Der Sommer 2026 wird uns allen in Erinnerung bleiben. Historische Hitze, verbreitete Trockenheit und außergewöhnlich viel Sonnenschein prägten ihn laut Deutschem Wetterdienst. Mit einem Temperaturmittel von Juni bis August in Deutschland von 19,6 Grad Celsius lag er nur um 0,1 Grad Celsius unter dem Rekordsommer im Jahr 2003. Die Niederschlagssumme erreichte mit 171 Liter pro Quadratmeter lediglich knapp 72 Prozent des Klimasolls. Rund 779 Stunden Sonnenschein wurden registriert. Damit zählt er zu den fünf sonnigsten Sommern seit 1951. Weil ein Großteil der Kulturen im Ackerbau und Obstbau unter freiem Himmel ohne Beregnungsmöglichkeit angebaut werden, hatte die Witterung direkte Auswirkungen auf die Erträge. Das zeigen die vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamts von Ende September.
Regionale Unterschiede bei Getreideernte
Dessen Schätzung läuft beim flächenmäßig dominierenden Getreide auf einen Hektarertrag von 6,92 Tonnen hinaus. Dieser liegt überraschenderweise sogar knapp über dem Mittel der letzten fünf Jahre (6,87 Tonnen). Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In den kühleren und regenreicheren nördlichen Bundesländern waren die Erträge höher als im trocken-heißen Südwesten. Weil Gerste früher reift als Weizen, haben ihre guten Erträge dazu beigetragen, die schlechteren vom Weizen in der Bilanz auszugleichen.
Für Verbraucher hat die deutsche Ernte keine Auswirkungen auf den Brotpreis. Selbst eine richtige Missernte wäre kein Grund für Preissteigerungen. Getreide wird weltweit gehandelt und schlechtere Ernten in einzelnen Ländern fallen kaum ins Gewicht. Zumal der Anteil des Getreides am Brot- oder Brötchenpreis nach Berechnungen des Thünen-Instituts nur rund 5 Prozent beträgt.
Mais hat regional stark gelitten
Ähnlich differenziert ist die Situation beim Mais. Während in Süd- und Teilen Westdeutschlands vielfach sehr schlechte Bestände mit Wuchshöhen von 1 bis 1,5 Meter ohne Kolben zu sehen waren, stand der Mais im Norden und Nordosten überwiegend stabil und zeigte normale bis leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse. Mais benötigt vor allem während der Blüte und Kornfüllungsphase ab Juli genügend Wasser. Damit war er von der trocken-heißen Witterungsphase besonders betroffen. Getreide durchläuft diese Phase bereits zwei Monate früher. Vor allem Gerste kann oft noch von den im Boden gespeicherten Winterniederschlägen profitieren. Im Mittel wird Silomais voraussichtlich 36,4 Tonnen pro Hektar gegenüber 42,9 Tonnen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre erzielen.
Mindererträge bei Zuckerrüben und Kartoffeln
Zuckerrüben reagieren anders als Getreide und Mais auf Hitze und Trockenheit. Die Blätter welken und werden sogar abgeworfen. Die Zuckerrübe „schläft“. Sie wird aber durch Regen wieder aufgeweckt. So geschehen durch die regional kräftigen Niederschläge ab Mitte August. Diese Bestände haben sich im September erholt, sodass die Anbauer voraussichtlich noch mit einem blauen Auge davonkommen werden. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) rechnet mit einem durchschnittlichen Ertrag von 71,3 Tonnen pro Hektar für die Ernte, die sich bis in den Dezember zieht. Das Ertragsmittel der letzten fünf Jahre betrug 80,0 Tonnen. Bei Kartoffeln geht das Statistische Bundesamt von 38,9 Tonnen pro Hektar gegenüber 43,7 Tonnen im Mittel der letzten fünf Jahre aus. Die Zahlen basieren auf Rodungsergebnissen, die bis Ende September vorlagen.
Mehr Pflaumen und Süßkirschen, weniger Äpfel
Deutschlands Obstbauern freuen sich über überdurchschnittlich viele Pflaumen und Zwetschgen, deren Erntemenge voraussichtlich 11,5 Prozent höher liegt als im Mittel der letzten zehn Jahre. Auch Süßkirschen und Birnen gab es deutlich mehr als in normalen Jahren. Diese Erträge hängen wesentlich mit den geringen Frostschäden während der Blüte zusammen. Nicht so gut sieht es für den Apfel als wichtigstes Baum-Obst aus. Hier kalkulieren die Statistiker mit einer Ernte in Höhe von 934 000 Tausend Tonnen. Diese liegt damit 5,4 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Hitze und Trockenheit haben den Bäumen zugesetzt. Viele Äpfel sind vorzeitig vom Baum gefallen, blieben sehr klein oder wiesen Schäden durch Sonnenbrand auf. Die regionalen Schwankungen sind jedoch wie bei den anderen Kulturen beträchtlich.
Sehr frühe Hauptlese
Die Sommerwitterung hat die Trauben in allen Regionen sehr schnell reifen lassen. Die Hauptlese hat auf den meisten Betrieben so früh wie nie zuvor begonnen. Zur Freude der Winzer gab es aufgrund der Trockenheit deutlich weniger Pilzkrankheiten, aber die Trauben sind auch kleiner als in Normaljahren geblieben. Allgemein erwartet man aromatische Weißweine und farbkräftige Rotweine.
Der Extremsommer hat die wirtschaftliche Situation besonders von Ackerbaubetrieben weiter verschärft. Eine unterdurchschnittliche Ernte bei gleichzeitig stagnierenden Erzeugerpreisen und deutlich gestiegenen Produktionskosten, zum Beispiel für Diesel und Dünger, ist eine fatale Kombination für die Landwirtschaft.