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Umwelt & Verbraucher
29.12.2022

Das Jahr geht zu Ende – Freude aufs Neue

Am 31. Dezember um Mitternacht wird auf das neue Jahr angestoßen. Foto: iStock

Silvesterbräuche auf der ganzen Welt

Raclette oder Fondue mit Familie und Freunden und „Dinner for One“, um 0 Uhr gibt es ein Feuerwerk und es wird auf das neue Jahr angestoßen – so geht es bei Vielen klassisch an Silvester zu. Es gibt aber auch viele regionale Silvestertraditionen und interessante weltweite Bräuche zum Jahresausklang.

Am 31. Dezember ist Silvester. Das alte Jahr geht zu Ende und um Mitternacht beginnt ein neues. Schon seit vielen Jahrhunderten gibt es in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedliche Bräuche, Rituale und Traditionen. In Westfalen gab es früher das „Neujahrshämmern“, bei dem sich der Schmied und seine Gesellen um den Amboss scharten und im Wechsel das alte Jahr aushämmerten. Das „Rummelpottlaufen“ ist besonders in Schleswig-Holstein und an der gesamten Nordseeküste verbreitet. Am Silvesterabend gehen verkleidete Kinder mit einem „Rummelpott“ von Tür zu Tür, singen Lieder und sagen Sprüche auf, um Süßigkeiten zu bekommen. In Baden-Württemberg ist der Schiltacher Silvesterzug eine bekannte Veranstaltung am Silvestertag. Die Teilnehmer versammeln sich auf dem Schiltacher Marktplatz und ziehen singend mit Holzlaternen bis zum Pfarrhaus. Die Altstadt wird mit Pechfackeln beleuchtet und die Anwohner stellen Kerzen in ihre unbeleuchteten Fenster.

Was bedeutet der Wunsch „Guten Rutsch“?

Zum Ende des alten Jahres wünscht man sich einen „Guten Rutsch“ ins neue Jahr. Der Spruch kommt nicht etwa daher, dass der andere ins neue Jahr womöglich noch bei Schnee und Eis schlittern soll, sondern entstammt dem Jiddischen, in dem „Rosch“ so viel wie „Anfang“ bedeutet. „Prosit Neujahr!“ stammt aus dem Lateinischen und hat mit „Es möge dir nützen/es möge dir wohlgehen“ eine ähnliche Zielsetzung. Und woher kommt eigentlich der Ausdruck Silvester? Er lässt sich auf einen gleichnamigen römischen Papst zurückführen, der am 31. Dezember 335 starb und seither im Heiligenkalender diesem Tag seinen Namen gab.

Karpfen, Raclette und Fondue

Heute ist Silvester ein halber Arbeitstag und inoffizieller Feiertag vieler Deutschen. Der Silvesterabend und der Übergang ins neue Jahr werden von vielen Menschen gefeiert. Während an Weihnachten traditionell eine Gans auf den Tisch kommt, ist es an Silvester der Karpfen. Er soll Glück und Geld bringen: Wenn man eine Schuppe von ihm in das Portemonnaie legt, soll das Geld im kommenden Jahr nicht ausgehen. Wer keinen Fisch mag, entscheidet sich zum Beispiel gerne für Raclette oder Fondue. Bei beiden steht das gesellige Miteinander genauso im Vordergrund wie das Essen, und sie haben den Vorteil, dass sich die Zutaten gut vorbereiten lassen und alle gemeinsam essen und reden können. Um sich die Zeit bis Mitternacht zu vertreiben, werden oft Gesellschaftsspiele gespielt oder Zukunftsdeutungen gemacht. Das Bleigießen als Silvesterorakel ist in Deutschland seit einigen Jahren aus Gründen des Gesundheitsschutzes verboten, doch auch mit Wachs lässt sich der alte Brauch trefflich fortsetzen. Die hartgewordenen Wachsgebilde werden als Figuren im Hinblick auf das Geschehen im kommenden Jahr gedeutet. In manchen Haushalten kommt auch eine selbstgemachte Feuerzangenbowle aus Rotwein mit Rum, Gewürznelken, Zimt und Orangenschalen auf den Tisch - der Schauspieler Heinz Rühmann (†) lässt grüßen.

Glück im neuen Jahr

Was haben ein Hufeisen, Glücksschweine aus Marzipan, vierblättrige Kleeblätter und der Schornsteinfeger gemeinsam? Sie gelten alle als Glücksbringer, die man gern an Silvester verschenkt, damit der Beschenkte im neuen Jahr Glück, Gesundheit und Erfolg hat. Wer bei anderen zur Silvesterfeier eingeladen ist, bringt vielleicht einen Glücksbringer mit, gern auch Selbstgemachtes wie etwa herzhafte Hefe-Schweinchen. Auch die beliebten asiatischen Glückskekse lassen sich selbst backen und bringen Unterhaltung in einen Silvesterabend. In manchen Regionen ist das Essen von Linsensuppe verbreitet. Die kleinen Linsen symbolisieren Reichtum im kommenden Jahr, da sie wie Goldmünzen aussehen. Nachdem man dann die letzten Sekunden vor dem Jahreswechsel heruntergezählt hat und mit Sekt auf das neue Jahr angestoßen hat, gibt es mancherorts Neujahrs-Berliner. Gefüllt sind sie im Normalfall mit Konfitüre. Einer davon aber enthält Senf. Derjenige, der den Senf-Berliner erwischt hat, wird mit Glück im kommenden Jahr belohnt. Übrigens, Sekt und besonders Champagner konnte sich früher nicht jeder leisten. Deswegen war der Silvesterpunsch mit Wasser, in betuchteren Haushalten auch Wein, Tee, Zitrone und Zucker bis ins 20 Jahrhundert das Getränk der Wahl zum Jahresausklang.

Böllern und Feuerwerk

Zu Silvester gehören für viele Menschen auch das Silvesterfeuerwerk und die Böller, mit denen nach altem Brauch das alte Jahr und die bösen Geister ausgetrieben und das neue Jahr eingeleitet werden. Die Menschen freuen sich am Feuerwerk und stoßen auf das neue Jahr an. Zunehmend werden Böller und Raketen aber unter anderem wegen ihrer Wirkung auf unsere Haus-, Nutz- und Wildtiere kritisch gesehen, und einige Menschen entfliehen dem Silvestertrubel großer Städte in ruhigere Gegenden, etwa auf eine Almhütte oder an die Nordsee, um gerade keine Böllerei und große Menschenansammlungen um sich zu haben. Der Müll, das Verletzungsrisiko beim Umgang mit Böllern und Raketen und damit einhergehend der Einsatz von Polizei und Rettungskräften sowie der Einsatz des Gelds für sinnvollere Aufgaben, als es „in die Luft zu jagen“ sind weitere Kritikpunkte an diesen Silvestertraditionen.

Silvesterbräuche in anderen Ländern

Auch international wird Silvester gefeiert. In Österreich tanzen die Menschen mit einem Wiener Walzer ins neue Jahr: sowohl zuhause als auch öffentlich auf dem Wiener Rathausplatz beginnen sie im Walzerschritt den Jahreswechsel, während die Glocke des Stephansdoms das neue Jahr einläutet. In Bulgarien ziehen Kinder von Haus zu Haus und schlagen den Erwachsenen mit geschmücktem Ast der Kornelkirsche auf den Rücken. Surwatschke heißt dieser Brauch. Die Kornelkirsche gilt als zäh und widerstandsfähig, was beim Klopfen auf die Geschlagenen übergehen soll. Dafür bekommen die Kinder dann Süßigkeiten. Die Dänen zerdeppern ausgedientes Geschirr ähnlich wie bei uns an Polterabenden. Dabei werfen Sie es vor das Haus der Menschen, die gemäß dem Motto „Scherben bringen Glück“ im neuen Jahr viel Glück haben sollen. Punkt Mitternacht springen sie dann von einem Stuhl ins Neue Jahr. Die Tschechen machen ihr Glück im neuen Jahr von Apfelkernen abhängig: Ein Apfel wird quer halbiert. Bilden seine Kerne einen Stern, dann hagelt es Glück. Bilden sie ein Kreuz, dann winkt Unglück.

Brot mit Münzen und Whisky mit Starkbier und Eiern

In Griechenland wird an Silvester das „Basiliusbrot“ gereicht. Es enthält eine Münze. Wer in diese hineinbeißt, dem winkt das Glück im neuen Jahr. Auch (ver)spielen die Griechen an Silvester traditionell ihr Geld bei ausgedehnten Glücksspielen. Die Briten feiern den Jahresübergang in London mit einem riesigen Feuerwerk, das von dem Lied „Auld Lang Syne“ begleitet wird, mit dem der verstorbenen Verwandten, Freunden und Bekannten gedacht wird. Auch in Schottland wird Auld Lang Syne gesungen und damit der Toten gedacht. Doch die Silvesterfeier der Schotten ist noch etwas ausgedehnter und rauer. „Hogmanay“, wie die Feier zum Jahreswechsel genannt wird, dauert gleich drei Tage lang und wird begleitet von Fackel-Umzügen mit Dudelsackmusik. Getrunken wird „Hot Pint“, das aus Whisky, Starkbier und Eiern besteht. Dazu gibt es „Black Bun“, ein überbackenes Früchtebrot und „Haggis“, ein mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllter Schafsmagen.

Rote Unterwäsche und zwölf Weintrauben

In Italien und Spanien sowie in Portugal tragen viele junge Frauen an Silvester rote Unterwäsche, die sie geschenkt bekommen haben. Sie soll Glück und Liebe im neuen Jahr bringen. In Spanien gibt es die Tradition, beim Schlagen der 12-Uhr-Glocke bei jedem Glockenschlag genau zwölf abgezählte Weintrauben zu schlucken. Wer dies schafft, dem winkt Glück im neuen Jahr, wer sich hingegen verschluckt oder verzählt, dem droht Unglück und Ungemach. Die Portugiesen müssen um Mitternacht eine Münze in der Hand halten und diese dann in ihren Hauseingang werfen. Dies soll - wen wundert’s - Glück und Geldsegen im darauffolgenden Jahr bringen. Geflügel ist dort übrigens als Silvestermahlzeit verpönt, denn wer will schon, dass einem das Glück noch in letzter Minute davonfliegt.

Farbige Kerzen am Strand

In Argentinien werden Riesenpuppen aus Pappmaché zusammengekleistert, die dann verbrannt werden, was den Geist für das kommende Jahr frei machen soll. Auch die Argentinier kennen den Brauch mit den zwölf Trauben, die mit jedem Glockenschlag zu Mitternacht gegessen werden sollen. Die Brasilianer tragen an Silvester weiße Kleidung, springen über die Wellen und wünschen sich bei jeder Welle etwas, das im nächsten Jahr in Erfüllung gehen soll. Die Farbe Weiß steht dabei für Frieden. Am Strand stellt man in Brasilien verschiedenfarbige Kerzen auf. Weiß symbolisiert den Frieden, gelb bewirkt Geldsegen und rot bringt Liebesglück mit Leidenschaft. In Ecuador werden an Silvester „Munecas“ verbrannt, auf Deutsch Hampelmänner. Sie können Hexenköpfe haben, aber auch Masken von Politikern, Schauspielern oder Sportlern tragen. Diese werden um Mitternacht verbrannt, was böse Geister vertreiben und mit dem vergangenen Jahr abschließen soll.

Linsensuppe oder Sauerkraut?

Auch in den USA gibt es zahlreiche Silvesterbräuche und Traditionen. In den Südstaaten gibt es das Sprichwort „Eat poor on New Year’s, eat fat the rest of the year” („An Silvester wenig essen, den Rest des Jahres dafür reichlich essen”). Deswegen wird in Teilen der USA an Silvester traditionell Linsensuppe gegessen, sie soll Glück und reichen Geldsegen bringen. In Pennsylvania allerdings wird heute noch Sauerkraut gegessen, ein Überbleibsel der einstigen deutschen Vorfahren. Dann gibt es auch noch die „Nothing goes out“-Tradition. Nichts darf am Silvesterabend das Haus verlassen, nicht einmal der Müll. Wer sich nicht daran hält, dem droht Unglück im neuen Jahr. In New York gibt es am Time Square die „Wishing Wall“. Die Menschen schreiben ihre Wünsche für das neue Jahr auf kleine Klebezettel und kleben sie an eine Wand. Die Zettel werden durchmischt und in die Luft geworfen, auf dass sie in Erfüllung gehen.

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