Korkeiche: sorgt für den „Plopp“ vor dem Genuss
Naturkorken und das „Plopp“ beim Öffnen gehören zum Ritual des Weintrinkens.
Trotzt Feuer, Hitze und Wind
Mit ihren knorrigen Ästen und malerischen Kronen prägen Korkeichen das Landschaftsbild in verschiedenen Regionen Portugals oder Spaniens. Ihr wichtigstes Produkt ist der Kork, von dem etwa ein Viertel zu Weinkorken verarbeitet wird. Aufgrund seiner wärmedämmenden Eigenschaft hat er es aber auch schon ins Weltall geschafft.
Wissenswertes
Plopp! Das wohlvertraute Geräusch beim Öffnen einer Weinflasche haben wir dem Naturprodukt Kork zu verdanken. Besonders dickes Korkgewebe bilden Korkeichen. Die mehrere Zentimeter dicke, längsrissige Schicht besteht aus abgestorbenen dünnwandigen Zellen, die mit Luft gefüllt sind. Dadurch ist Kork elastisch. Eine Zellwandeinlagerung mit Suberin macht die Korkzellen zudem wasserundurchlässig.
Kork ist also prädestiniert, um mit Flüssigkeiten gefüllte Behälter zu verschließen. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. sollen die Griechen ihn dafür genutzt haben. Doch erst im 17. Jahrhundert etablierte sich der Naturkorken in Europa. Um 1670 hat der französische Mönch Dom Pérignon, dem Namensgeber für eine bekannte Champagnermarke, ihn erstmalig für Schaumweinflaschen verwendet. Der zusammengepresste Korken wird in den Flaschenhals gestoßen, dehnt sich wieder aus und bildet einen dichten Verschluss. In der Folge war der Korken bis weit ins 20. Jahrhundert hinein der Standardverschluss für Weinflaschen.
Seit den 1960er Jahren bekommt der Naturkorken Konkurrenz vom preisgünstigeren Drehverschluss. Zunächst nur bei einfachen Weinen, ab den 1990er Jahren aber zunehmend auch bei hochwertigen Weißweinen. Der entscheidende Unterschied zwischen Drehverschluss und Naturkorken besteht darin, dass der Drehverschluss keine Luft durchlässt. Der Wein behält genau die Frische und den Geschmack wie zum Zeitpunkt der Abfüllung. Komplexe Rotweine oder langlebige Premiumweine benötigen für ihren mehrjährigen Reifungsprozess aber leicht durchlässige Naturkorken. Ein weiterer Aspekt bei der Wahl der Verschlussart ist die Tatsache, dass Kork ein kaum zu standardisierendes Naturprodukt ist. Daher wird es in Einzelfällen immer vorkommen, dass Wein korkt. Ein muffiger, modriger Geruch überdeckt das Bouquet des Weins. Verantwortlich ist eine chlorhaltige Kohlenstoffverbindung, die aus oder über den Korken in den Wein gelangt.
Der Anteil der Korken am Umsatz in der beispielhaft genannten portugiesischen Korkindustrie macht etwa drei Viertel aus. Der mengenmäßige Anteil hingegen etwa ein Viertel. Für den übrige Kork gibt es vielseitige Verwendungsmöglichkeiten. So dient er als effizienter Hitzeschutz, den selbst Temperaturen von über 1000 Grad Celsius nicht entflammen. Das macht ihn unter anderem für die Raumfahrt interessant. Das Material aus luftgefüllten elastischen Zellen kann sehr gut zu orthopädischen Schuheinlagen verarbeitet werden. Weil Kork wärme- und schalldämmend ist, eignet er sich als Bodenbelag oder Dämmstoff. Auch in Zylinderkopfdichtungen, Handyschutzhüllen oder Schwimmwesten ist er zu finden.
Die Korkschicht hat für die Eichen selbst einen sehr praktischen Nutzen. Sie schützt das darunter liegende Holz vor Waldbränden, Hitze, Verletzungen und Schaderregern. Korkeichenwälder gelten als besonders artenreich. Sie sind daher ein wertvoller Bestandteil in der Kulturlandschaft der Mittelmeerländer.
Herkunft und Standort
Die Korkeiche (Quercus suber L.) ist in den westlichen Mittelmeerländern beheimatet. Sie wird mittlerweile auch in den USA, Australien und auf der Krim kultiviert. Eine Unterart wächst in milden Gegenden Englands. Die Korkeiche ist generell wärmeliebend und nur bis minus 5 Grad Celsius ohne Schäden winterhart. Niederschlagssummen von 500 bis 700 Millimeter sind optimal, 400 reichen aber auch aus. Im Hinblick auf den Boden ist die Pflanze recht anspruchslos. Sie kommt mit mageren, trockenen, steinigen und sauren Standorten zurecht.
Anbau
Der Baum ist immergrün, erreicht eine Höhe von 10 bis über 20 Meter und wird bis zu 400 Jahre alt. Bei regelmäßiger Beerntung verkürzt sich die Lebensdauer auf 150 bis 200 Jahre. Eine wichtige Pflegemaßnahme ist Entfernung der Äste am Stamm bis auf eine Höhe von 3 Meter, um die Schälung zu vereinfachen. Die ausladenden Kronen benötigen viel Platz. Unter den Bäumen sind Kaiserling oder Grüner Knollenblätterpilz gern gesehen. Diese Pilze leben in Symbiose mit den Bäumen. Die langsam wachsende Korkeiche eignet sich als Kübelpflanze auf sonnigen Terrassen oder in Wintergärten.
Pflanzenschutz
Schmetterlingsraupen wie Scharmspinner und Ringelspinner verursachen Schäden, wenn sie in Massen an den Blättern fressen. Dagegen helfen Mittel auf der Basis von Bacillus thuringiensis-Bakterien. Ebenso gefährlich können der Große Eichenbock und der Prachtkäfer sein, dessen Larven sich in das Holz des Baums fressen.
Ernte und Verarbeitung
Wenn die Stämme nach zwölf bis 20 Jahren einen Durchmesser von über 20 Zentimetern erreicht haben, können sie das erste Mal geschält werden. Dieser Kork wird „männlicher Kork“ genannt. Er ist kaum elastisch und besonders rissig, sodass er nicht für Korken geeignet ist. In den Folgejahren wächst die Korkschicht erneut heran. Die kommenden Ernten, die im Abstand von etwa zehn Jahren erfolgen, liefern den höherwertigen „weiblichen Kork“. Die Ernte ist Handarbeit. Gut bezahlt werden vor allem große Korkstücke. Um Korkgeschmack im Wein vorzubeugen, wird der wurzelnahe Kork verworfen.
Zahlen
Die größten Korkeichenflächen befinden sich in Portugal (0,66 Millionen Hektar), Algerien (0,46 Millionen Hektar) und Spanien (0,44 Millionen Hektar). Weltweit liegt die Zahl bei 2,20 Millionen Hektar (Quelle: FAO, 2008). Die Jahresproduktion weltweit beträgt im Mittel der letzten Jahre knapp 200 000 Tonnen (Quelle: APCOR). Der Ertrag pro Eiche und Schälung hängt stark von der Größe des Baums ab. Er schwankt je nach Quelle zwischen 20 und 150 Kilogramm Rohkork.