Carnaubapalme: ihr Wachs glänzt und schützt
Die Carnaubapalme wächst fast ausschließlich im trockenen Nordosten Brasiliens.
Kommt fast ausschließlich im Nordosten Brasiliens vor
Die Carnaubapalme ist eine von vielen Palmen der Tropen und Subtropen. Doch ihr Wachs ist wegen seiner hervorragenden Eigenschaften in vielen Lebensbereichen präsent. So überzieht es Früchte und Kaugummis oder pflegt Lederschuhe und Autolack.
Wissenswertes
Obwohl der Stamm der Carnaubapalme als Holz genutzt, die Früchte als Gelee oder Viehfutter verwertet und aus den Samen Speiseöl gewonnen wird, steht das Wachs eindeutig im Mittelpunkt des Interesses. Als feine Schuppen bedeckt es vor allem gerade entfaltete Blätter. Es dient als Transpirationsschutz, damit die Palme Trockenzeiten sicher übersteht.
Diese Eigenschaft macht Carnaubawachs unter anderem für den Lebensmittelbereich interessant. Damit überzogene Äpfel und Citrusfrüchte verlieren kaum Flüssigkeit und halten sich länger. Sie glänzen ebenso wie behandelte Gummibärchen, Smarties oder Kaugummis. Bei den Süßigkeiten verhindert das Wachs zudem das Verkleben. Für Menschen ist der Zusatzstoff, der auch als E 903 bezeichnet wird, unbedenklich. Er ist unverdaulich und wird wieder ausgeschieden. Daher wurde er unter anderem von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für den Lebensmittelkontakt zugelassen. Mittlerweile ersetzt das Wachs als veganer Zusatzstoff in einigen Anwendungen Bienenwachs.
Das Wachs dient auch als Poliermittel für Dragees und sorgt für die richtige Konsistenz von Kosmetika. Außerdem pflegt es die Oberfläche zahlreicher Gebrauchsgegenstände. Dazu zählen Möbel, Holzböden oder Lederschuhe. Behandelte Oberflächen glänzen und weisen Wasser sowie Schmutz ab. Außerdem ist Carnaubawachs in verschiedenen Lacken und Autopolituren enthalten. Es lässt sich sehr gut polieren und sorgt für einen warmen Glanz („Wet-Look“) vor allem auf dunklen Lacken. Der Effekt hält über mehrere Wochen an, weil das Wachs der Carnaubapalme sehr hart ist und einen hohen Schmelzpunkt aufweist. Entsprechende Produkte sind im Premiumsegment zu finden. Im Massenmarkt werden sie jedoch durch synthetische Polymerversiegelungen auf Erdölbasis oder keramische Siliziumdioxid-Beschichtungen ersetzt oder mit ihnen kombiniert. Dadurch wird die Haltbarkeit nochmals verlängert.
Die Erfolgsstory des Palmenwachses begann um 1810 im Nordosten Brasiliens. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden größere Mengen von den brasilianischen Produzenten exportiert. Mittlerweile arbeiten etwa 300 000 Saisonarbeiter in der Gewinnung und Verarbeitung des gelblichen bis grauen Wachses. Bedarf und Produktion weisen ein moderates Wachstum auf. Vor allem im Lebensmittelbereich sowie bei pharmazeutischen und kosmetischen Anwendungen wächst die Nachfrage stetig. Das ist unter anderem auf die Bevorzugung von veganen und natur- beziehungsweise pflanzenbasierten Erzeugnissen zurückzuführen.
Herkunft und Standort
Die Carnaubapalme (Copernicia prunifera) kommt fast ausschließlich im relativ trockenen Nordosten Brasiliens vor. Sie gedeiht auf den kargen Böden besser als andere tropische und subtropische Pflanzen. Der Wachsüberzug der Blätter verringert den Wasserverlust, sodass langanhaltende Trockenzeiten leichter überstanden werden.
Anbau
Die Palme wächst überwiegend wild. Der Anbau in aufwändigen Plantagen mit einer mehrjährigen Wartezeit zwischen Pflanzung und erster Ernte hat sich nicht durchgesetzt. Die Palme wird bis zu 15 Meter hoch, die Blätter sind bis zu 2 Meter lang.
Ernte und Verarbeitung
Die Ernte erfolgt in der Trockenzeit von September bis März. Dafür werden dreimal im Abstand von zwei Monaten jeweils sechs bis acht Blätter abgeschnitten und getrocknet. Dadurch lockern sich die Wachsschüppchen. Sie lassen sich leicht abklopfen oder abschaben. Das Wachs wird anschließend geschmolzen, gereinigt und zu Pulver verarbeitet. Der Wert richtet sich nach Farbe und Reinheit – besonders gefragt ist helles Wachs ohne Verunreinigungen.
Zahlen
Pro Blatt können 5 bis 8 Gramm Wachs gewonnen werden. Pro Palme und Jahr kommen rund 120 bis 200 Gramm zusammen (Quelle: Wolfgang Franke, biogreenwax.com). Die weltweite Produktion schwankt je nach Wetterbedingungen zwischen 18 000 und 25 000 Tonnen pro Jahr, davon stammen 85 bis 90 Prozent aus Brasilien. Es wird mit einem jährlichen Marktwachstum von 4 bis 5 Prozent gerechnet (Quelle: marketresearch.com).