Futtererbse: heimische Eiweißquelle für Tier und Mensch
Futtererbsen sind in vielen Futtermischungen enthalten. Außerdem bilden sie oft die Grundlage für die Herstellung von veganen Fleisch- und Milchersatzprodukten.
Pflanze produziert eigenen Dünger
Der Anbau von Futtererbsen in Deutschland erlebt in jüngster Zeit einen Aufschwung. Sie schmecken Nutztieren, sind aber ebenso Grundlage für vegane Nahrungsmittel. Landwirte bauen die Leguminose gerne an, obwohl sie im Vergleich zu anderen Kulturen meist geringere Verkaufserlöse erzielt.
Wissenswertes
Wer an Erbsen denkt, hat meist grün geerntete Erbsen aus der Konserve oder Tiefkühlware vor Augen. Hierbei handelt es sich überwiegend um Markerbsen. Unter dem Sammelbegriff Erbsen gibt es noch weit mehr Unterarten. Eine davon ist die Futtererbse, auch Körnerfutter-, Acker- oder Felderbse genannt.
Die Futtererbse zeichnet sich durch einen Eiweißgehalt von 20 bis 25 Prozent, rund 60 Prozent Kohlenhydrate und nur 1 bis 3 Prozent Fett aus. Sie ist ein gefragtes heimisches Futtermittel für Schweine, Geflügel und Rinder. Dafür werden die trockenen Samen geschrotet und mit anderen Futterkomponenten vermischt. Voraussetzung für die Verwendung ist ein geringer Tanningehalt. Das natürliche Fraßgift der Erbse stört nämlich den Verdauungsprozess. Der Gehalt kann durch geeignete Sorten, Fermentation oder Wärmebehandlung („Toasten“) verringert werden.
Ihr hoher Eiweißgehalt ist nicht automatisch positiv für die Ernährung. Ebenso wichtig ist die Qualität. Sie hängt vom Verhältnis der Aminosäuren zueinander ab. Daraus ergibt sich die biologische Wertigkeit. Sie ist ein Maß dafür, wie gut Nahrungseiweiß in körpereigenes Eiweiß umgewandelt werden kann. Futtererbsen enthalten viel Arginin und Lysin, aber wenig Metheonin. Um einem Mangel dieser Aminosäure vorzubeugen, wird dem Futter Rapsextraktionsschrot zugemischt. Diese Kombination heimischer Futtermittel verringert den Bedarf an importiertem Soja mit höherwertigem Eiweiß. In der menschlichen Ernährung liegt die biologische Eiweißwertigkeit für Futtererbsen bei 65, für Soja bei 84 und für Vollei beim Referenzwert 100.
Futtererbsen wurden früher als Zutat für Suppen oder gemahlen als Mus und in Brotmehl verwendet. Heute ist ihr Eiweiß oft die Grundlage für die Herstellung von veganen Fleisch- und Milchersatzprodukten. Damit deren Geschmack und Konsistenz möglichst nahe an die Originale herankommt, sind ein aufwändiger Verarbeitungsprozess und eine Vielzahl von Zusatzstoffen erforderlich. Dazu zählen Aromen, Verdickungsmittel, Zucker, Salz und Fett.
Die Erbse gehört wie Bohne, Linse, Klee oder Lupine zur Familie der Leguminosen. Die Familienmitglieder verbindet die Eigenschaft, dass sie mithilfe von Knöllchenbakterien ihren eigenen Stickstoffbedarf erzeugen können. Ohne diesen Hauptnährstoff ist kein Pflanzenwachstum möglich. Leguminosen benötigen deswegen keine weiteren Düngergaben. Im Gegenteil: Sie hinterlassen der Folgekultur eine Restmenge an Stickstoff sowie eine gute Bodenstruktur. Wird Getreide nach Erbsen angebaut, sind die Erträge bis zu 10 Prozent höher. Deswegen sind sie ein beliebtes Fruchtfolgeglied, selbst wenn die Verkaufserlöse oft nicht mit Alternativkulturen mithalten können.
Herkunft und Standort
Die Erbse ist eine der ältesten Nutzpflanzen weltweit. Archäologische Funde belegen, dass sie bereits vor rund 10 000 Jahren in Syrien, Anatolien und im Jordantal angebaut wurde. In Europa war sie schon den ersten sesshaften Bauern vor rund 7500 Jahren bekannt. Ideal für den Anbau sind Standorte mit tiefgründigen, humosen Lehmböden und pH-Werten zwischen 6 und 7. Sie benötigt ausreichend Wasser, besonders zur Keimung und Blüte. Ungünstig sind Bodenverdichtungen, die von der mittelkräftigen Pfahlwurzel nicht durchdrungen werden können. Die Futtererbse (Pisum sativum ssp. arvense) hat im Vergleich zu den anderen heimischen Leguminosen die größte ökologische Spannbreite, weil sie Trockenstress besser verträgt.
Anbau
Sobald die Böden im März oder April ausreichend abgetrocknet sind, erfolgt die Aussaat von 60 bis 80 Körnern pro Quadratmeter in 4 bis 8 Zentimetern Tiefe. Seit den 2010er Jahren werden aber zunehmend auch winterharte Futtererbsen im Herbst gesät. Wichtig ist die Auswahl einer standfesten Sorte, die intensiv rankt und sich ineinander verhakt. So halten die Pflanzen auch Gewitterregen stand und gehen nicht ins Lager. Liegen sie hingegen am Boden, können sie nicht mehr mit dem Mähdrescher geerntet werden. Das Saatgut muss nicht mit Knöllchenbakterien geimpft werden, weil sie in ausreichender Zahl in unseren Böden vorkommen.
Pflanzenschutz
Wegen der geringen Blattmasse und der langsamen Jugendentwicklung ist die Futtererbse anfällig gegenüber Unkraut- und Ungraskonkurrenz. Chemische Maßnahmen oder Hacken sind daher unerlässlich. Die Pilzkrankheiten mit den größten Schäden sind Grauschimmel, Brennfleckenkrankheit sowie Echter und Falscher Mehltau. Erbsenwickler, Blattläuse oder Blattrandkäfer können ebenfalls erhebliche Ertragseinbußen verursachen.
Ernte und Verarbeitung
Futtererbsen sind erntereif, wenn die Körnerfeuchtigkeit 15 bis 17 Prozent erreicht. Das ist üblicherweise zwischen Mitte Juli und Mitte August der Fall. Hülsen und Körner sind dann hellbraun. Das Mähwerk des Mähdreschers sollte für die Ernte mit Ährenhebern ausgerüstet werden. Damit können auch Hülsen in Bodennähe erreicht werden.
Zahlen
Die wichtigsten Erzeugerländer für Futtererbsen waren 2023/24 Russland (4,7 Mio. Tonnen), Kanada (2,6 Mio. Tonnen) und die EU (1,9 Mio Tonnen; Zahlen: IGC). Innerhalb der EU lagen 2023 Frankreich (0,5 Mio. Tonnen), Deutschland (0,3 Mio. Tonnen) und Rumänien (0,2 Mio. Tonnen; Zahlen: EU-Kommission) vorne. Anbauschwerpunkte in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die Durchschnittserträge in Deutschland schwankten von 2021 bis 2025 zwischen 2,3 und 3,2 Tonnen pro Hektar. Die Anbaufläche stieg in diesem Zeitraum von 97 770 auf 138 400 Hektar (Zahlen: Statistisches Bundesamt).