Aronia: zwischen Mythos und Fakten
Die blauen bis schwarzen Früchte der Aronia ähneln äußerlich sehr stark Blaubeeren oder schwarzen Johannisbeeren.
Aronia: zwischen Mythos und Fakten
Herb-säuerliche Frucht mit spektakulärer Herbstfärbung
Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Aroniabeere hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Das liegt weniger daran, dass sie sehr robust ist und auch für Gartenanfänger leicht zu handhaben ist. Vielmehr hat sie den Ruf, dass sie vielfältige positive Wirkungen auf unsere Gesundheit haben soll. Experten bremsen die Euphorie.
Wissenswertes
Die gut erbsengroßen, blauen bis schwarzen Früchte der Aronia ähneln äußerlich sehr stark Blaubeeren oder Schwarzen Johannisbeeren. Doch im Unterschied zu diesen bei uns lange etablierten Obstarten hat der Newcomer in den letzten Jahren eine eindrucksvolle Entwicklung genommen. Die Früchte gelten als wahre Gesundheitsbooster. Vergleicht man die Vitamingehalte mit anderen Obstarten, so schneidet die Aronia eher durchschnittlich ab. Erwähnenswert sind die überdurchschnittlichen Gehalte an Folsäure, auch Vitamin B9 genannt, und Mineralstoffen. Worauf jedoch die intensive Werbung fußt, sind die hohen Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen. Hier sind besonders Polyphenole wie das Anthocyan zu nennen, das für die kräftige Färbung der Aroniafrüchte verantwortlich ist.
Tatsächlich zeigen experimentelle Untersuchungen an Zelllinien und Tieren antioxidative, antimikrobielle, das Immunsystem stimulierende und die Leber schützende Wirkungen. Klinische Studien am Menschen belegen bislang jedoch lediglich einen günstigen Einfluss auf den Fettstoffwechsel. Auch der Schutz vor Krebserkrankungen konnte noch nicht bewiesen werden. Deshalb sind gesundheitsbezogene Aussagen in der Werbung für Aroniabeeren in den meisten Fällen nicht erlaubt. Aroniabeeren sind Obst, aber kein Medikament. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Verbraucherschutzzentrale empfehlen Gesundheitsbewussten eine abwechslungsreiche Mischkost mit reichlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Von Nahrungsergänzungsmitteln mit Aronia-Extrakten wird eher abgeraten, weil deren Sicherheit nicht immer gewährleistet ist.
Die Aroniabeeren, auch Apfelbeeren genannt, sind für den Frischverzehr aufgrund des herb-säuerlichen Geschmacks weniger geeignet. Stattdessen werden sie zusammen mit anderen Obstarten zu Saft, Smoothies und Marmelade verarbeitet oder sind getrocknet in Müslimischungen enthalten. Die Farbstoffe in den Beeren dienen zudem als Lebensmittelfarbe. Die Frucht ist im botanischen Sinne keine Beere, sondern ein Kernobst. In den Kernen ist ähnlich wie in Apfelkernen eine geringe Menge an gebundener Blausäure. Nach Einschätzung des Max Rubner-Instituts (MRI) ist der Verzehr kleiner Portionen frischer Aroniabeeren unbedenklich. In erhitzten Kernen ist der Gehalt so niedrig, dass auch große Mengen unproblematisch sind.
Herkunft und Standort
Die Gattung Aronia (Aronia) stammt aus Nordamerika. Sie wird dort seit dem 18. Jahrhundert züchterisch bearbeitet. In Russland gelang mit es zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Pflanze bis minus 30 Grad Celsius winterhart zu machen. Hierzulande begann der Anbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Am weitesten verbreitet ist die Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa). Die Aronia ist grundsätzlich ein anspruchsloses Gehölz. Sie wächst aber am besten an einem Standort, der sonnig, kalkarm, gut mit Wasser versorgt und lehmig bis sandig ist.
Anbau
Die beste Pflanzzeit ist im Herbst, sobald die Äste blattlos sind. Nach zwei Jahren trägt der bis über 2 Meter hoch wachsende Strauch die ersten Früchte. Schnittmaßnahmen sind im Normalfall nicht erforderlich. Wichtig ist allerdings eine Wurzelsperre, weil die Pflanze über einen starken Ausbreitungsdrang verfügt. Die Schwarze Apfelbeere hat weiße Blüten, trägt schwarze Früchte und ist im Herbst wegen ihrer leuchtend roten Blätter ein Blickfang.
Pflanzenschutz und Düngung
Die Aronia ist sehr robust und daher auch für extensiv bewirtschaftete Gärten interessant. Der selten vorkommende Mehltau und die Blattläuse sind normalerweise nicht bekämpfungswürdig. Auf nährstoffarmen Standorten unterstützt Dünger, wie zum Beispiel Kompost, das Wachstum.
Ernte und Lagerung
Die Aronia-Ernte findet je nach Region und Sonneneinstrahlung zwischen August und September statt. Die Erntemengen liegen zwischen 6 und 20 Kilogramm pro Strauch. Die Früchte lassen sich problemlos einfrieren. Eine andere Konservierungsmöglichkeit ist die Trocknung im Dörrautomaten oder einfacher auf dem Backblech im Ofen.
Zahlen
2025 lag die Anbaufläche in Deutschland bei circa 1000 Hektar, bewirtschaftet durch 192 Betriebe. Die Erntemenge betrug 2000 Tonnen. 2014 waren es 306 Hektar, 69 Betriebe und 400 Tonnen (Quelle: Destatis, 2026). Zum Vergleich: Die Erntemenge für Schwarze Johannisbeeren lag 2025 bei 5875 Tonnen. Die meisten Aroniasträucher wachsen in Sachsen, Brandenburg und Bayern. Global betrachtet befinden sich die Anbauschwerpunkte in Osteuropa, in den USA und Kanada.