Heidelbeeren aus Deutschland

04.07.2019 Schule & Wissen

Anbau und Verzehr steigen

Blaubeeren, Bickbeeren, Schwarzbeere oder Heubeere werden sie regional auch genannt: die Rede ist von Heidelbeeren. Gut 550 000 Tonnen (Stand: 2016) werden weltweit geerntet und verarbeitet. Die USA nehmen dabei mit Abstand die erste Position ein, gefolgt von Kanada, Mexiko, Polen, Deutschland und Frankreich. Der Verzehr von Kulturheidelbeeren steigt seit Jahren kontinuierlich, die deutschen Heidelbeer-Anbauer können allerdings die Nachfrage nach den blauen Beeren nicht befriedigen.

Die Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist eine Art aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium), zu denen auch Cranberries oder Preiselbeere gehören. Heidelbeeren gehören wiederum zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), zu denen zum Beispiel auch die Besenheide und der Rhododendron gehören. Insgesamt sind über 400 Arten an Heidelbeeren bekannt.

Saison von Juni bis September

Heidelbeeren sind in Deutschland ab Ende Juni reif und haben dann bis in den September hinein Saison. Sie wachsen als krautige Bodenbedecker in feuchten Moorwiesen und lichten Moorwäldern und mögen den Halbschatten in den Kiefernwäldern Norddeutschlands oder in den Gebirgs-Fichtenwäldern Süddeutschlands. Waldheidelbeeren sind wesentlich aromatischer als die Kulturheidelbeeren, die es direkt beim Anbauer, auf Wochenmärkten und an Beerenständen sowie im Supermarkt gibt. Die Kulturheidelbeeren stammen nicht von unserer heimischen Waldheidelbeere ab, sondern von einer Untergattung der amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Im Gegensatz zur „wilden Verwandten“ haben sie weniger rot färbenden Anthozyane, die Finger, Lippen und Zunge blaurot färben, der Genuss bleibt somit beim direkten Verzehr unsichtbar. Auch der Anteil der für die Darmgesundheit wichtigen Gerbstoffe ist bei den Waldheidelbeeren wesentlich höher, dafür sind die Kulturheidelbeeren süßer als die Waldheidelbeeren.

Mehr als 100 Sorten bei den Kulturheidelbeeren

Heute gibt es mehr als 100 Sorten und Hybriden von Kulturheidelbeeren. Ganz frühe Sorten sind vereinzelt schon ab Ende Mai erhältlich, späte Sorten gehen bis in den Oktober hinein. Nach Deutschland gebracht wurden sie vor 100 Jahren durch den deutschen Botaniker Dr. Wilhelm Heermann aus Rinteln/Weser. Er testete in den 1920er Jahren, welche der amerikanischen Heidelbeerzüchtungen sich für den Anbau in Deutschland eignen. Die Anzucht der Heidelbeersträucher in den Plantagen braucht seine Zeit. Gut zehn Jahre dauert es, bis ein Strauch seine Endgröße von bis zu 2 Metern erreicht und in seinen vollen Ertrag zwischen 5 und 10 Kilogramm Beeren bringt. Etwa 8 bis 10 Tonnen werden dann pro Hektar geerntet. Für Krankheiten und Schädlinge sind Heidelbeeren relativ wenig anfällig. Vereinzelt kann ihnen aber der Botrytis-Pilz Probleme bereiten, was zum Zweigsterben führt, oder die Monilia -Pilze, die Fruchtfäule und Spitzendürre hervorrufen, oder der Colletotrichum-Pilz, der zu Anthraknose führt, die die Beeren unverkäuflich macht. Blattläuse, Frostspanner und Dickmaulrüssler können Fraßschäden verursachen.

Kulturheidelbeeren machen ein Drittel des Beerenverzehrs aus

Bekannte Heidelbeer-Anbaugebiete in Deutschland sind die Lüneburger Heide und die Gegend um Oldenburg in Niedersachsen, die sandigen Regionen in Brandenburg sowie Mittelbaden. Beeren liegen im Trend, der Verzehr von Heidelbeeren wie auch anderer Beeren steigt. Die Kulturheidelbeere nimmt mit einem Anteil von 34 Prozent (Stand: 2017) einen großen Teil ein. Sie ist die mit Abstand bedeutendste Strauchbeere in Deutschland. Die Heidelbeer-Anbaufläche betrug 2017 knapp 2850 Hektar, 2008 lag sie noch bei 1400 Hektar. Deutsche Verbraucher kauften 2017 laut Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) 43 Prozent mehr Heidelbeeren als 2016. Bei einer Auswertung des Werbematerials von Supermärkten stellte die AMI von 2010 bis 2017 eine Verdreifachung bei Heidelbeeren fest.

Pflücken von Hand

In Regionen in denen die Waldheidelbeere traditionell vorkommt, wird sie oft mit dem Beerenkamm mit einem Kasten, dem Raffel oder Riffel, geerntet, denn Waldheidelbeeren sind so klein, dass es zum Pflücken nennenswerter Mengen viel Geduld braucht. Diese Methode hat den Nachteil, dass auch Blätter und unreife Beeren mitgeerntet werden. Kulturheidelbeeren werden dagegen nach wie vor in Handarbeit gepflückt. Die Heidelbeeranbauer werden dabei von Saisonarbeitskräften aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, meist Polen, Bulgarien oder Rumänien unterstützt, aber auch das Selbstpflücken für den eigenen Bedarf ist möglich. Ein großer Vorteil der Kulturheidelbeeren beim Selbstpflücken ist ihre Größe, das Sammeln geht wesentlich schneller als bei Waldheidelbeeren. Es kommt darauf an, die Früchte zum richtigen Zeitpunkt zu ernten, da sie nach der Ernte im Haushalt nicht lange lagerfähig sind. Unter CA-Bedingungen (Controlled Atmosphere) können sie bei den Produzenten oder Händlern bis zu sechs Wochen gelagert werden, bevor sie weiterverarbeitet werden. Deutsche Heidelbeeren bekommen Verbraucher im Sommer von Ende Juni bis September, in den Wintermonaten wie im Februar kommen die Heidelbeeren im Supermarkt meist aus südamerikanischen Ländern wie Peru, Chile oder Argentinien.

Gesunde Vitaminspender

Essen kann man Heidelbeeren pur, gezuckert mit Sahne, als Kompott in Desserts, als Konfitüre, (Pfann)Kuchen, Eis oder als Konserve im Glas oder eingefroren. Heidelbeeren sind wahre Vitamin- und Mineralbomben: Sie enthalten hohe Anteile an Kalzium, Magnesium und Eisen sowie die Vitamine A, B1, B2 und Niacin. Durch ihren hohen Anteil an Antioxidantien wird ihnen eine Wirkung bei der Senkung des Krebsrisikos nachgesagt.