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Haus & Garten
25.01.2022

Exotische Gehölze: attraktiv und auch ökologisch nicht wertlos

Nicht erstrebenswert: "Schottergärten", bei denen es aus ökologischer Sicht zweitrangig ist, ob die spärliche Bepflanzung heimisch ist oder nicht. Foto: Heinrich Beltz

Neubürger nicht verteufeln

Nichtheimische, exotische Gehölze werden immer häufiger als ökologisch wertlos verunglimpft, aber das sind sie nicht.

Wertlos wie eine Betonmauer?

In manchen Medien wird empfohlen, in Gärten ausschließlich heimische Pflanzen zu verwenden und auf nichtheimische, exotische Pflanzen völlig zu verzichten, da diese keinen ökologischen Wert besäßen. Man konnte auch lesen, dass eine Hecke aus Kirschlorbeer "ökologisch wertlos wie eine Betonmauer" sei. Doch im Gegenteil: Wer Kirschlorbeer einmal genauer beobachtet, stellt einen regen Insektenbesuch fest.

Wie ist aber so ein Insektenbesuch zu bewerten oder der ökologische Wert einer Gartenpflanze zu bemessen? Das ist sehr kompliziert, es gibt kein einheitliches Maß dafür. Während für Imker das Nektarangebot für ihre Bienen besonders wichtig ist, sind für viele Naturschützer die Honigbienen als "landwirtschaftliche Nutztiere" uninteressant, sondern ausschließlich Wildbienen und andere wildlebende Insekten bedeutsam, und nicht jede Blüte, die von Honigbienen besucht wird, ist auch für Wildinsekten interessant. Und dann gibt es noch Pflanzen wie die Brennnessel, die zwar keinen Nektar, aber dafür mit ihren Blättern ein wichtiges Nahrungsangebot für Insektenlarven bieten.

Alle Pflanzen haben einen Nutzen

Es gibt natürlich Pflanzen wie Schlehen oder Wildrosen, deren ökologischer Wert von den Biologen übereinstimmend als sehr hoch eingeschätzt wird und die unbestritten interessant für viele heimische Insekten sind. Und es gibt nichtheimische Gehölze wie den Ginkgo-Baum, die kaum von Insekten besucht werden. Die grobe Verallgemeinerung, dass die nichtheimischen, "exotischen" Pflanzen grundsätzlich wertlos und die einheimischen Pflanzen alle wertvoll sind, ist allerdings unwissenschaftlich und falsch. Vielmehr werden manche Pflanzen als ökologisch besonders wertvoll eingeschätzt (und je nach Sichtweise sind das unterschiedliche) und andere weniger. Aber dennoch ist keine Pflanze ökologisch wertlos. Und schon gar nicht sind sie mit einer Betonmauer zu vergleichen, die für die Tierwelt nichts bieten kann und für deren Herstellung auch noch jede Menge (fossile) Energie nötig war, die das Klima belastet. Pflanzen dagegen bieten ausnahmslos in irgendeiner Weise Insekten und Mikroorganismen Nahrung, binden zumindest für ihre Lebensdauer CO2, filtern Feinstaub aus der Luft und kühlen durch ihre Belaubung an heißen Tagen die Luft.

Standortgerecht pflanzen

Man sollte durchaus berücksichtigen, welchen Wert die verschiedenen Gehölze für die Natur besitzen. Aber auch wenn dieser Wert unterschiedlich hoch sein mag, ökologisch wertlos ist keine Pflanze. Für Gartenanlagen und öffentliches Grün sind neben dem Nutzen für die Natur auch die gestalterische Wirkung und vor allem die Standorteignung wichtig. Gerade im heißen und trockenen Klima des urbanen Raums ist es häufig sinnvoll, auf heimische Pflanzen wie den Berg-Ahorn zu verzichten, der an einer Straße in der Innenstadt nicht überleben würde, sondern stattdessen ein Gehölz wie den Ginkgo zu pflanzen, das an solche Klimabedingungen gewöhnt ist, weil es aus heißen, südlichen Regionen stammt. An der Universität Würzburg wurde kürzlich nachgewiesen, dass nichtheimische Arten solcher hitzetoleranten, wegen des Klimawandels oft als "Zukunftsbäume" bezeichneten, Straßenbäume von unseren heimischen Insekten ähnlich gut angenommen werden wie ihre heimischen Artverwandten.

Im Hausgarten ist die Lage vergleichbar. Wer Weißdornhecken kennt, weiß, dass sie im städtischen Raum sehr empfindlich gegen Blattfallkrankheiten, Gespinstmotten und andere Organismen sind, sodass sie oft schon im Sommer ihr Laub abwerfen, kränkeln und keinen Blickschutz mehr bieten. Der Schnitt einer solchen dornigen Hecke ist auch nicht jedermanns Sache. Warum nicht stattdessen eine Hecke aus Kirschlorbeer pflanzen, die blickdicht ist, leicht zu schneiden und keineswegs "ökologisch wertlos wie eine Betonmauer", sondern mit ihren Nektardrüsen an den Blättern (extrafloralen Nektarien, einer Besonderheit in der Natur) auch ohne Blüten ein reiches Nektarangebot bietet. Ob man sie hübsch findet oder nicht, ist eine andere Frage, da sei jedem sei individueller Geschmack zugestanden.

Man braucht also im eigenen Garten nicht auf exotische Pflanzen zu verzichten, sondern sollte auf Abwechslung und Artenreichtum achten und auch "Exoten" berücksichtigen, wo das sinnvoll ist. Denn einen ökologischen Wert besitzt jede Pflanze.

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