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Forschung & Technik
20.01.2022

Hecken – unterschätzte Klimaschützer

Hecke und Blühstreifen im Landkreis Havelland, Brandenburg. Foto: Catrin Hahn

Studie beziffert Klimaschutzpotenzial von Neuanpflanzungen

Eine auf Ackerland neu angelegte Hecke von 720 Metern Länge kann langfristig die gesamten Treibhausgasemissionen kompensieren, die ein Deutscher durchschnittlich in zehn Jahren verursacht.

Diese Zahl wurde vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig ermittelt. Eine Studie ergab, dass neu angelegte Hecken durch die Einlagerung von Kohlenstoff in der Biomasse und als Humus im Boden große Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen und klimaunschädlich machen. Sophie Drexler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thünen-Institut, erklärt die Vorgehensweise: „Für die Berechnungen haben wir alle verfügbaren Daten zu Humus und Biomasse in Hecken zusammengetragen“. Es ergab sich ein überraschendendes Bild: Pro Hektar wird in einer Hecke im langjährigen Mittel fast genauso viel Kohlenstoff gebunden wie in Wäldern. Dies kann mit der hohen Dichte an Ästen und Zweigen und den guten Wuchsbedingungen in der Agrarlandschaft erklärt werden. Besonders viel Kohlenstoff wird auch in den Wurzelstöcken der Hecken gebunden.

In den letzten Jahrzehnten wurden allerdings – meist infolge von Flurbereinigungsmaßnahmen – fast die Hälfte aller Hecken in Deutschland beseitigt. Hier steckt enormes Klimaschutzpotenzial, ergab die Studie: Würden die in den letzten 60 Jahren gerodeten Hecken wieder angepflanzt, bräuchte man dafür 0,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche und könnte darauf 10 Millionen Tonnen CO2 binden.

Positiver Klimaeffekt nur bei Neuanpflanzungen

Die größte Wirkung für den Klimaschutz entfalten Hecken auf Ackerböden. Denn hier wird zusätzlicher Kohlenstoff nicht nur in der Biomasse, sondern auch im Boden als Humus gebunden. Deshalb gelten auch nur Neupflanzungen als klimawirksam, denn mit ihrer zunehmenden Biomasse erhöhen sie die Kohlenstoffspeicherung. Daneben haben Hecken in der Agrarlandschaft natürlich noch weitere positive Auswirkungen: sie schützen den Boden vor Winderosion und haben eine kühlende Wirkung. Für Tiere und Pflanzen bieten sie Lebensraum und verbinden Biotope.

Trotz aller Vorteile sind in den letzten Jahrzehnten nur wenige Neuanpflanzungen zu verzeichnen, konstatiert Projektleiter Dr. Axel Don vom Thünen-Institut. Einer der Gründe sei der Förderdschungel, der Flächenbesitzer und Landwirte überfordere. Jedes Bundesland hätte eigene Programme mit anderen Anforderungen und Angeboten. Es reiche auch nicht, wenn nur die Anlage von Hecken gefördert würde, auch die Pflege müsse einbezogen werden. Helfen könnten hier Landschaftspflegeverbände, einige bieten bereits „schlüsselfertige“ Hecken an. Auch Jagdverbände setzen sich für eine reicher strukturierte Agrarlandschaft ein. Auch Unternehmen der Pflanzenschutz-Industrie fördern Naturschutzmaßnahmen.

Umsetzung stockt

Die Studie erlaubt nun erstmals, die Klimaschutzleistung von neuen Hecken konkret zu beziffern. Projektleiter Don ist überzeugt: „Es gibt kaum eine Klimaschutzmaßnahme im Agrarbereich, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielbar ist“. Dennoch - eine vielfache und begeisterte Heckenanpflanzung ist derzeit nicht zu beobachten. Für Don liegt das unter anderem an der Langlebigkeit: Hecken stünden unter besonderem Schutz und ließen sich, einmal gepflanzt, nicht so schnell wieder entfernen. Flächenbesitzer verlieren an Flexibilität und werden – zumindest bisher noch – im Unklaren gelassen, ob neue Hecken weiterhin als landwirtschaftliche Nutzflächen gelten und damit förderfähig bleiben. Zudem fehlt es an Absatzmärkten für den Strauchschnitt. Denn Hecken müssen alle acht bis zwölf Jahre abschnittsweise auf den Stock gesetzt werden, um ihre Funktion zu erhalten. Es fehlen aber regionale Nutzungskonzepte für die Hackschnitzel. Vielleicht liefert die Thünen-Studie Argumente, die Pflanzung neuer Hecken voranzutreiben.

Quelle: Thünen-Institut

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