Ein Hackroboter im Praxistest
Der Farming GT ist ein autonomes Fahrzeug, das mit seinen Hackwerkzeugen und Spotsprayern zwischen und in den Reihen Unkräuter beseitigt.
Ein Hackroboter im Praxistest
Kombiniert mechanische und chemische Unkrautregulierung in Reihenkulturen
Autonome Rasenmäher und Staubsauger für den Hausbedarf kennt jeder. Aber einen Roboter für das Unkrautjäten in Landwirtschaft und Gartenbau ist selbst für Insider eine Rarität. André Grote erprobt mehrere Farming GT-Hackroboter in Zuckerrüben unter Praxisbedingungen. Das IVA-Magazin sprach mit ihm über sein Zwischenfazit.
Herr Grote, Sie sind Referent für Unkrautregulierung beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ), einer Abteilung des Zuckerproduzenten Pfeifer & Langen. Können Sie uns den Hackroboter kurz beschreiben?
Der Farming GT ist ein autonomes Fahrzeug, das mit seinen Hackwerkzeugen zwischen und in den Reihen Unkräuter beseitigt. Kameras und Rechner erkennen die Reihen und unterscheiden Zuckerrüben von Unkräutern. Der Farming GT wird elektrisch angetrieben. Seine Batterie wird von einem Dieselgenerator geladen. Er kann also im Gegensatz zu solarbetriebenen Maschinen unabhängig von den Lichtverhältnissen arbeiten. Zusätzlich zu den Hackwerkzeugen ist ein Spotsprayer an Bord. Der sprüht eine kleine Menge Unkrautbekämpfungsmittel auf den Bereich unmittelbar an der Rübe, der wegen der Gefahr von Rübenverlusten nicht gehackt werden kann. Ganz wichtig ist GPS, damit der Roboter sich nicht über die Feldgrenzen hinwegbewegt.
Ihr Arbeitgeber ist einer der größten Zuckerproduzenten in Deutschland. Wieso und seit wann beschäftigt sich das Unternehmen mit Unkrautbekämpfung?
Unser Ziel ist, dass im Einzugsbereich unserer Zuckerfabriken auch in Zukunft wirtschaftlich Zuckerrüben angebaut werden können. Darum beraten wir Landwirte beim Anbau und erproben neue technische Ansätze unter sich verändernden Rahmenbedingungen. Wir beschäftigen uns daher auch mit der politisch und gesellschaftlich gewollten Mengenreduktion und dem Wegfall von Pflanzenschutzmitteln. Der Hackroboter kann eine Antwort darauf sein. Bereits 2018 gab es erste Überlegungen, 2021 dann den ersten Prototypen und seit 2023 den Farming GT, der seitdem in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Farming Revolution weiter optimiert wird.
Was hat der Hackroboter in der Zwischenzeit gelernt?
2021 hat die Maschine noch mehr Rüben als Unkraut weggehackt. Seitdem sind Kameras und Software zur Unterscheidung wesentlich besser geworden und die Rechenleistung ist deutlich angestiegen. Die Hackwerkzeuge arbeiten viel genauer. Sie hacken zuverlässig bis auf 3 bis 5 Zentimeter an die Rübe heran, ohne dass es zu Verlusten kommt. Die sechsreihige Maschine ist mit bis zu 8 Hektar pro Tag deutlich schneller als vor einigen Jahren, aber im Vergleich zu einer Pflanzenschutzspritze deutlich langsamer. Im Jahr 2025 hatten wir noch einige technische Probleme. In diesem Jahr läuft die Technik bislang nahezu störungsfrei. Die Maschine kommt auch mit verschiedenen Böden zurecht.
Wieso ist die Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben besonders wichtig?
Die Zuckerrübe ist mit Saatabständen von 45 Zentimetern zwischen den Reihen und rund 22 Zentimetern in der Reihe im Jugendstadium von April bis Anfang Juni konkurrenzschwach. Unkräuter wie Weißer Gänsefuß und Melde wachsen hingegen schneller und überwuchern die Kulturpflanze. Im Extremfall kann es zu einem Totalausfall kommen. Daher brauchen Landwirte einen hohen Wirkungsgrad von mindestens 96 bis 98 Prozent bei der Unkrautbekämpfung. Wenn der Hackroboter den nicht erzielt, muss mit dem Pflanzenschutzgerät oder mit der Handhacke nachgearbeitet werden.
Welche Stärken hat das System?
Unter optimalen Bedingungen erreicht das System heute häufig den erforderlichen Wirkungsgrad. Und das mit nur 25 bis 50 Prozent der bislang üblichen Pflanzenschutzmengen. Der Roboter kann rund um die Uhr allein fahren. Er lässt sich benutzerfreundlich mit einer Smartphone-App steuern. Aufgrund seines Gewichts von nur 2,5 Tonnen kann er nach Regen wesentlich früher wieder den Acker befahren als ein Schlepper mit angebauter Hacke oder mit einer schweren Pflanzenschutzspritze. Hacken ist außerdem gut für das Pflanzenwachstum, weil es den Gas-Austausch im Boden und die Mineralisation von Nährstoffen fördert.
Das hört sich interessant an. Was spricht noch gegen einen zeitnahen Einsatz in vielen Betrieben?
Es sind die Kosten pro Hektar, die maßgeblich durch die hohen Anschaffungskosten und die begrenzte Flächenleistung bestimmt werden. Sie sind aktuell um ein Mehrfaches höher als in der konventionellen Unkrautbekämpfung mit Herbiziden. Selbst wenn die Maschinen in der Serienproduktion preisgünstiger werden, wird die Kostendifferenz im konventionellen Anbau nur schwer zu überbrücken sein.
Für welche Betriebe ist ein Hackroboter dennoch geeignet?
Es sind vor allem ökologisch wirtschaftende Betriebe, die in Zuckerrüben rund 3.000 Euro pro Hektar Handarbeitskosten aufwenden müssen – wenn sie überhaupt Arbeitskräfte zur Unkrautbekämpfung finden. Zum Vergleich: Die Unkrautbekämpfung mit Herbiziden kostet im konventionellen Anbau 300 bis 400 Euro pro Hektar. Hier arbeitet der Farming GT ohne Spotsprayer bereits hochwirtschaftlich. Interessant dürfte er auch für Gemüsebetriebe sein, denen wirkungsstarke Herbizide durch die aktuelle Zulassungspraxis abhandengekommen sind. Ein weiteres Kriterium ist die Betriebsleiterpersönlichkeit: Hier muss die Bereitschaft und der zeitliche Spielraum vorhanden sein, sich mit neuen Ansätzen zu beschäftigen und sich ein Stück weit auch in die technischen Details hineinzuarbeiten.