Zukunftsvision: Schneckenjagd mit dem Roboter?

09.03.2021 Forschung & Technik

Forschungsverbund entwickelt Fahrzeugkonzept

Wer kennt sie nicht: Nacktschnecken, die in Hobbygärten und auf Äckern alles verputzen, was ihnen im Weg steht. Nun gibt es Anlass zur Hoffnung, dass die schleimigen Schädlinge demnächst auch mit Robotern dezimiert werden können.

Navigieren, scannen, bekämpfen

Ein Forschungsverbund bestehend aus der Universität Kassel, dem Julius Kühn-Institut (JKI) und der Firma KommTek GmbH arbeitet momentan an einem akkugetriebenen Kettenfahrzeug zur Schneckenbekämpfung. Das soll autonom über Flächen navigieren, mit einer Kamera den Boden nach Schnecken abscannen und die Tiere dann unschädlich machen. Dafür ist ein spezielles Nagelmatrix-Werkzeug mit Abstreifer entwickelt worden, das einen Arbeitsbereich von 10 x 10 Zentimetern aufweist. Die getroffenen Tiere trocknen aus und verenden.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Roboter eine Flächenleistung von etwa 1 Hektar pro Stunde erreichen kann. Dafür muss die Fläche vorher auf Grundlage von unterschiedlichen Risikoparametern in Gefahrenzonen unterteilt werden. Das System lernt dann im Betrieb selbstständig, wo Schnecken häufiger auf der Fläche anzutreffen sind, und fährt diese Hot Spots gezielt an. Mit der mechanischen Bekämpfung wollen die Entwickler eine Alternative zum Schneckenkorn bieten.

Rapsflächen besonders betroffen

Im Ackerbau hat der Schneckenbefall nach Angaben der Forscher stark zugenommen. Als Gründe werden der Klimawandel, die ganzjährige Bodenbedeckung durch Zwischenfrüchte und die Vereinfachung von Fruchtfolgen angeführt. Besonders betroffen ist erfahrungsgemäß der Winterraps, der während seiner langsamen Jugendentwicklung im September stark gefährdet ist. Hier können Schnecken innerhalb weniger Nächte große Areale kahlfressen. Die Forscher wollen den Roboter bereits nach der Ernte der Vorfrucht einsetzen. So verbleibt mehr Zeit, um die Ackerschnecken schon vor dem eigentlichen Schadensereignis zu bekämpfen.

Nach Meinung von Landwirten bleibt abzuwarten, ob Roboter einmal den effizienten Schneckenkorneinsatz ersetzen können. Besonders auf großen Rapsflächen müsste eine Vielzahl an Kettenfahrzeugen eingesetzt werden. Während trockener Witterungsphasen, in denen sich die Tiere in tiefere Bodenschichten zurückziehen, wäre die Bekämpfung erschwert.

Wann der Roboter praxisreif sein wird, steht noch nicht fest.