<p>Johanniskraut ist als mildes pflanzliches Antidepressivum bekannt. Es hilft bei nervösen Verstimmungen, Angststörungen und Schlafstörungen.</p>
© Angelika Sontheimer
29.10.2026
Johanniskraut – Arzneikraut und Weideunkraut zugleich

Altbekannt bei Depressionen und zur Hautberuhigung

Hypericum perforatum - so heißt das Echte Johanniskraut mit seinem Fachnamen. Es ist von Alters her bekannt als mildes Antidepressivum. Hochdosierte Präparate sind aber verschreibungspflichtig und dürfen nur ärztlich verordnet werden. Auf Weiden sind Johanniskräuter dagegen nicht gern gesehen, können sie doch die Hartheukrankheit verursachen, bei der durch die Sonneneinstrahlung Entzündungen, Ödeme, Juckreiz und Läsionen auf der unpigmentierten hellen Haut von Weidetieren entstehen.

Echtes Johanniskraut, auch Durchlöchertes Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, wächst in der gemäßigten Klimazone fast überall auf der Welt und kommt sowohl in Europa als auch in Asien, zum Beispiel in China, und in Afrika in Marokko, Algerien und Tunesien sowie im südwestlichen Sudan vor. In Nordamerika, Australien, Japan und Korea ist es ein Neophyt, also eine vom Menschen eingeschleppte, ursprünglich dort nicht vorkommende Pflanze. Man findet es auf Wiesen, Brachflächen, an Wegrändern und auf Waldlichtungen. Es ist ein mehrjähriges Kraut, das im Sommer als sommergrüne Schaftpflanze bis zu 1 Meter hoch wächst und ohne Rosette mit Erneuerungsknospen überwintert. Die Blätter des Johanniskrauts sind länglich, leicht oval und gegenständig angeordnet Seine Wurzeln sind verzweigt und reichen bis 50 Zentimeter tief. Oft sieht man das Echte Johanniskraut in Nestern oder Horsten stehen. Die Halbschattenpflanze bevorzugt in der Natur mäßig warme bis warme Standorte und einen trockenen bis mäßig feuchten, meist stickstoffarmen Boden.

Blüte ab Johanni

Sein Name rührt daher, dass das Johanniskraut ab dem 24. Juni blüht, dem „Johannistag“ als kirchlicher Festtag und Geburtstag von „Johannes dem Täufer“. Dieser Tag liegt nahe an der Sommer-Sonnenwende am 20. bis 22. Juni auf der Nordhalbkugel und hat noch weitere Bedeutungen: An Johanni endet in Deutschland die Spargel- und Rhabarberernte und die ersten Johannisbeeren sind pflückreif. Die Blüten des Johanniskrauts sind in einer Trugdolde angeordnet und die Blüte erstreckt sich von Johanni bis in den September hinein.

Wertvolle Futterpflanze für viele Schmetterlingsraupen

Johanniskraut wird durch viele Insekten bestäubt, vor allem Hummeln, Bienen- und Schwebfliegenarten tun sich an den leuchtend gelben Blüten gütlich. Auch eine Selbstbestäubung ist möglich, wenn auch durch die spezielle Anatomie des Johanniskrauts etwas erschwert, da die Griffel und die Staubbeutel räumlich voneinander getrennt sind. Verbreitet wird das Johanniskraut entweder durch den Wind, der die kleinen Samen als Ballonflieger davonträgt, oder durch Tiere. Es gibt auch eine vegetative Vermehrung durch Wurzelkriechsprosse. Viele Schmetterlingsraupen nutzen das Echte Johanniskraut als Futterpflanze, so etwa die Raupen der Vielzahn-Johanniskrauteule, Trockenrasen-Johanniskrauteule, Blasser Hartheu-Grauspanner, Trockenrasen-Hartheu-Grauspanner, Ruderalflur-Johanniskrauteule oder Weißer Hartheuspanner.

Giftig für Weidetiere

Für Mensch und Tier sind alle Pflanzenteile leicht giftig. Wenn man die Knospen zwischen den Fingern zerreibt, tritt der Inhaltsstoff Hypericin aus, der aufgrund seiner roten Farbe auch Johannisblut genannt wird. Das dem Echten Johanniskraut nahe verwandte Behaarte Johanniskraut enthält besonders viel Hypericin. Wenn Weidetiere wie Pferde, Rinder, Ziegen oder Schafe größere Mengen trockener Johanniskrautblüten aufnehmen, kann es zur sogenannten Hartheukrankheit kommen. Das Hypericin wirkt photosensibilisierend und die Sonneneinstrahlung führt dann zu Hämolyseerscheinungen, also der Auflösung roter Blutkörperchen, Hautreizungen, Entzündungen, Juckreiz und Haarausfall. Auch im Heu ist das Johanniskraut noch giftig. Auf Weiden gilt das Johanniskraut deswegen als Unkraut.

Heilpflanze für Menschen

Im Gegenteil dazu ist Johanniskraut bei Menschen seit langem als Heilpflanze bekannt. Das aus den Blüten gewonnene Johannisöl oder Rotöl wird beispielsweise aufgrund seiner schmerzlindernden und wundheilenden Eigenschaften äußerlich bei trockener Haut, Neurodermitis oder Schuppenflechte angewendet. Es sollte allerdings nicht bei geschädigter Haut wie etwa bei Verbrennungen angewendet werden, und für Personen mit heller Haut gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, da es die Lichtempfindlichkeit erhöht. 

Für die antidepressive, stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkung des Johanniskrauts ist dagegen der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, GABA und Glutamat. Doch obwohl die Wirksamkeit des Johanniskrauts inzwischen wissenschaftlich belegt ist und weniger Nebenwirkungen wie bei synthetischen Antidepressiva zu erwarten sind, ist auch hier Vorsicht geboten, denn es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen, deren Wirkstoffe schneller abgebaut werden und die dann nicht mehr wie vorgesehen wirken. Deswegen wurden hoch dosierte Johanniskraut-Präparate vor gut 20 Jahren der Apothekenpflicht unterstellt.

Anbau im eigenen Garten

Im Garten sind die verschiedenen Johanniskräuter durch ihre gelben Blüten ein dekorativer Blickfang und können als Bodenbedecker gepflanzt werden. Im Handel gibt es vorgezogene Pflänzchen, möglich ist aber auch eine vegetative Anpflanzung durch Stecklinge. Johanniskraut wächst am besten auf einem frischen bis mäßig trockenen, mäßig sauren bis neutralen humosen und tiefgründigen Boden, gedeiht aber fast überall. Alle Johanniskräuter sind sehr robust und werden selten von Krankheiten oder Schädlingen befallen. Vereinzelt kommen Rostpilze oder Fraßschäden durch Blattwespen und Käfer vor, mit denen Johanniskraut aber in der Regel gut klarkommt.

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