Heiße Hundstage im Sommer

Der namensgebende Hundsstern heißt Sirius

Bei Regen und Hundewetter jagt man keinen Hund vor die Tür. An drückend-heißen und schwülen Tagen liegt der Hund faul in der Sonne. Kommt daher vielleicht der Begriff „Hundstage“, wie der Volksmund die Schönwetterperiode zwischen 23. Juli und 23. August bezeichnet?

Was sind eigentlich die Hundstage? So werden die oft heißen Tage ab Ende Juli genannt. Mit unseren Haustieren hat der Begriff aber recht wenig zu tun, er rührt vielmehr von Sternbild „Großer Hund“, lateinisch Canis Major, her. Der Große Hund gehört zu den 48 Sternbildern der griechischen Astronomie. Als Hundstage werden die Tage in Verbindung mit dem Aufgang des Sirius, dem hellsten Stern in diesem Sternbild, bezeichnet. Sirius, auch Hundsstern genannt, ist etwa achteinhalb Lichtjahre von der Erde entfernt. Aufgrund seines geschätzten Alters von 240 Millionen Jahren gehört er noch zu den jungen Sternensystemen.

Sirius hatte bei vielen alten Kulturen eine große Bedeutung. Die alten Griechen glaubten, dass der gleißend helle Sirius die Kraft der Sonne verstärkt und das Land während der heißen Tage versengt und ausdörrt. Für die Ägypter zur Zeit der Pharaonen kündigte Sirius dagegen die jedes Jahr wiederkehrende Nilschwemme an, die für die Fruchtbarkeit der Landwirtschaft sehr bedeutend war, und war damit positiv besetzt. Muliphein und Aludra sind weitere Sterne im Sternbild Großer Hund. Vom Aufgang bis zur Sichtbarkeit des gesamten Sternbilds vergehen 30 bis 31 Tage.

Tage des Großen Hundes gab es schon bei den alten Römern

Die alten Römer bezeichneten den Zeitraum, in dem Sirius am Morgenhimmel sichtbar war, als die „Tage des Großen Hundes“. So entwickelten sich unsere Hundstage daraus. Die Zeitangabe für die Hundstage von Ende Juli bis Ende August stammt auch von den alten Römern. Zu dieser Zeit war der sichtbare Aufgang des Sirius am 26. Juli. Heute hat sich die Sichtbarkeit des Sternbilds durch die Eigenbewegung und die Präzession der Erde (Richtungsänderung der Erdrotationsachse) um etwa vier Wochen verschoben. In Deutschland kann der Aufgang des Sirius erst ab dem 30. August beobachtet werden. Trotzdem werden die heißesten Tage des Jahres nach alter Tradition immer noch als Hundstage bezeichnet.

Die Hundstage sind übrigens immer noch international: Die Franzosen sagen la canicule, die Spanier spanisch la canícula, período canicular oder días de las canículas. Damit bezeichnen sie die sommerliche Hitzewelle allgemein. Für die russischen Kinder sind Kanikuly die Sommerferien.

Wetter hat für die Landwirtschaft große Bedeutung

Mit dem „Altweibersommer“ haben die Hundstage jedenfalls nichts zu tun. Dieser noch einmal warme Abschied des Sommers mit einer stabilen Hochdruckphase findet erst später, meist Ende September statt, bevor er vom „Goldenen Oktober“ abgelöst wird. Hundstage gehören wie die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfer, der Altweibersommer, der Martini-Sommer oder das Weihnachtstauwetter zu den Singularitäten (vom normalen Wetter zu dieser Zeit abweichendes Wetter).

Für die Bauern war und ist das Wetter auch heute noch von entscheidender Bedeutung für Saat und Ernte. Welche Bedeutung haben die Hundstage für das kommende Wetter? Heiße Tage und große Hitze bringen auch die Gefahr von Hagelschlag und starken Sommergewittern. Wie zu allen Wetterbesonderheiten gibt es auch für die Hundstage Bauernregeln für die weitere Entwicklung des Wetters und der Feldfrüchte:

  • Heiße Hundstage prophezeien einen kalten Winter.
  • Hundstage heiß und schwül, braucht der Bauer Hände viel.
  • Was die Hundstage gießen, muss die Traube büßen.
  • Hundstage heiß, Winter lange weiß.
  • Hundstage hell und klar, zeigen ein gutes Jahr.
  • Wie das Wetter, wenn der Hundsstern aufgeht, so wird`s bleiben, bis er untergeht (24.8.).
  • Der Hundsstern aufgeht mit trübem Glanz, bringt allzeit gern Pestilanz. Zeigt er sich aber hell und klar, so ist zu hoffen ein gesundes Jahr.
  • Wie die Hundstage anfangen, so gehen sie aus.

Auch wenn die alten Bauernregeln heute von moderner Wettervorhersage abgelöst wurden, so bleiben doch gewisse Tendenzen bestehen. Die heißen Tage im Hochsommer, die schon vor 2000 Jahren beschrieben wurden, gibt es auch heute noch, auch wenn die moderne Meteorologie herausgefunden hat, dass Sirius keinen Einfluss auf unser Wetter hat und dass es in Mitteleuropa an den Hundstagen häufig unbeständiges Wetter gibt.