Hanf: Sorte und Verarbeitung machen den Unterschied

Fasern, THC und CBD

Hanfanbau ist in Deutschland unter strengen Auflagen erlaubt. Der Grund dafür sind nicht die hochwertigen Fasern und das Öl der Pflanze. Vielmehr will der Gesetzgeber verhindern, dass Drogen aus den weiblichen Blüten gewonnen werden. Parallel dazu ist die Diskussion um eine weitere Legalisierung von Cannabis-Produkten in vollem Gange.

Unscheinbares Äußeres

Im Vergleich zur hitzigen Diskussion über ihre Verwendung kommt die Hanfpflanze (Cannabis sativa) eher unspektakulär daher. Die einjährige Pflanze mit den langgestielten, tief handförmig eingeschnittenen Blättern entwickelt grünliche Blüten und kann bis zu 3 Meter in die Höhe wachsen. Sie hat keine besonderen Ansprüche an Klima und Standort, sodass sie in Mitteleuropa sehr gut gedeiht.

Grundsätzlich lassen sich zwei unterschiedliche Verwendungszwecke unterscheiden: Die traditionelle Nutzung als Faser- und Öl-Lieferant genießt in der Gesellschaft breite Zustimmung. So freuen sich Landwirte beispielsweise über die guten Fruchtfolgeeffekte, Umweltgruppierungen über die Eignung als nachwachsender Rohstoff und die Wirtschaft über interessante Produkte. Doch im Hanf steckt noch mehr.

CBD und THC

Zum einen ist es das entzündungshemmende und entspannende Cannabidiol (CBD). Es wird für zahlreiche pharmazeutische Zwecke verwendet. So zum Beispiel bei schweren Krebserkrankungen, Aids oder Multipler Sklerose zur Appetitförderung, Stimmungsverbesserung oder zur Schmerzlinderung. Mittlerweile gibt es immer mehr CBD-Produkte ohne ärztliches Rezept. Die Spanne reicht von Tee, über Kosmetika bis zu Kaugummi.

Zum anderen verfügen die Pflanzen über einen sortentypischen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), das psychoaktiv und berauschend wirkt. Aus der Hanf-beziehungsweise Cannabispflanze lassen sich drei THC-Erzeugnisse gewinnen: Marihuana („Gras“, „Pot“) aus weiblichen Blüten und blütennahen Blättern, Haschisch („Shit“, „Dope“) aus dem abgepressten Harz und Haschischöl aus Harz oder Hanföl.

Einstiegsdroge oder harmlos?

Am THC erhitzten und erhitzen sich die Gemüter. Für viele Politiker und Suchtexperten galten THC-haltige Cannabis-Produkte lange Zeit als Einstiegsdroge. Um dem aus dem Weg zu gehen, wurde der Anbau 1982 verboten. Weil die Nachfrage nach Nutzhanf auflebte, wurde der landwirtschaftliche Anbau 1996 unter strengen Vorgaben wieder erlaubt.

Dafür stehen aber ausschließlich Sorten mit einem geringen psychoaktiven THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent zur Verfügung. Landwirte müssen den Anbau bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) anmelden und dokumentieren. Die Ernte kann erst nach vorheriger Probennahme durch die BLE erfolgen. Für die Landwirte ein aufwändiges Verfahren.

Noch deutlich größer ist der Aufwand für Unternehmen, die Cannabis für medizinische Anwendungen anbauen. In Neumünster (Schleswig-Holstein) entstand bis Anfang 2020 eine Hochsicherheitsplantage hinter Stahlbeton, gesichert mit zahlreichen Kameras, Sicherheitsschleusen, Stacheldraht und schusssicherem Glas. Da verwundert es nicht, dass der größte Anteil der von den Apotheken benötigten Produkte aus Holland, Kanada oder Dänemark eingeführt wird.

Immer wieder gibt es Tendenzen, den Konsum als Rauschmittel zu legalisieren. Gestützt wird die Argumentation der Befürworter durch Studien, wonach Cannabis-Drogen nur ein geringes körperliches und geistiges Abhängigkeitspotenzial bewirken, das mit Alkohol und Nikotin vergleichbar sein soll. Der erste Schritt heraus aus der Illegalität ist bereits umgesetzt: In Deutschland können die Staatsanwaltschaften unter besonderen Umständen von einer Strafverfolgung absehen, wenn der Betreffende nur geringe Mengen für den Eigenkonsum mit sich geführt hat.

Seile, Segel und Jeans

Hanf hat eine lange Tradition. In China hat man bereits vor rund 5000 Jahren Seile aus den Fasern der Pflanze gefertigt. In 2500 Jahre alten keltischen Gräbern wurden Kleidungsstücke aus Hanffasern gefunden. Im Spätmittelalter war Hanf neben Flachs die wichtigste Rohstoffpflanze Mitteleuropas. Daraus wurden vor allem Segeltuch, Taue, Säcke und später auch Papier hergestellt. 1873 fertigte Levi Strauss seine erste Jeans aus Hanffasern. Gleichzeitig begann der Niedergang: Textilien wurden zunehmend aus Baumwolle hergestellt, Segel waren wegen der Umstellung auf Dampfschifffahrt kaum noch gefragt und Papier aus Holz war preiswerter.

In den letzten Jahrzehnten erlebt der Nutzhanfanbau wieder einen leichten Aufschwung. Als Verstärkung in Kunststoffen, Dämmstoff im Hausbau oder für Spezialpapiere gibt es eine kleine Nachfrage. Erwähnenswert ist zudem das hochwertige Speiseöl, das aus den Samen gepresst wird. Die Anbaufläche liegt aktuell in Deutschland bei 5362 Hektar (Quelle: BLE).