Kürbis: Klopfprobe verrät Reife

25.10.2018 Schule & Wissen

Von tomatengroß bis tonnenschwer

Herbstzeit ist Kürbiszeit. Direktvermarkter und der Lebensmittelhandel nutzen Speisekürbisse mit auffälligen Farben und Formen gerne als Blickfang. Von bitteren Exemplaren sollte man allerdings die Finger lassen. Sie eignen sich nur für Deko-Zwecke. Eine Spezialität ist das hochwertige Kürbiskernöl. Für eine gute Ernte benötigt die Pflanze vor allem Nährstoffe, Wärme und Wasser.

Wissenswert

Im Herbst sind die leuchtend orangeroten Kürbisse der Sorte Hokkaido in den Verkaufsregalen nicht zu übersehen. Seit rund 20 Jahren verschafft die leckere japanische Sorte mit der dünnen Schale dem gesunden Gemüse einen enormen Popularitätsschub. Bei vielen anderen Sorten wird die Schale im reifen Zustand hart und ledrig. Der Botaniker spricht deshalb sehr treffend von Panzerbeeren. Vor dem Genuss ist Arbeit angesagt: Diese Kürbisse sollten mit einem Beil oder einem Elektromesser zerteilt und die ungenießbare Schale mit einem scharfen Messer entfernt werden.

Es gibt insgesamt rund 800 verschiedene Sorten in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen. Die überwiegende Zahl ist durch hohe Bitterstoffgehalte ungenießbar. Kleine Verzehrsmengen führen zu Übelkeit, größere sind lebensgefährlich. Sie taugen deshalb lediglich als Zierkürbisse. Gewaltige Unterschiede gibt es auch in der Größe. Während einige Zierkürbisse nur so groß wie Tomaten werden, können Sorten wie Atlantic Giant mehr. 2016 züchtete der Belgier Mathias Willemijns daraus einen 1190,5 Kilogramm schweren Koloss. Er übertraf damit den alten Weltrekord gleich um 150 Kilogramm.

Kürbisse werden als Fruchtgemüse bezeichnet. Laut Lebensmitteldefinition gehören sie zum Gemüse, weil die Pflanze nur einjährig tragend ist. Botanisch gesehen handelt es sich jedoch um ein Obst, weil sich der Kürbis aus einer bestäubten Blüte entwickelt. Egal ob Gemüse oder Obst – der Kürbis bereichert unsere Küche. Als nussig schmeckende Suppe und Gemüsebeilage ist er sehr beliebt. Lecker sind auch mit Hackfleisch, Gemüse oder Käse gefüllte Kürbisse oder im Ofen gebackene Kürbisspalten.

Eine besondere Delikatesse ist Kürbiskernöl. Es wird vor allem in der österreichischen Steiermark hergestellt und verleiht Kürbissuppen, Salaten, Eiergerichten, aber auch Süßspeisen einen unnachahmlichen Geschmack. Das dunkelgrüne Öl ist aufgrund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E besonders wertvoll. Das Kürbisfleisch punktet hingegen durch den geringen Energiegehalt (26 kcal pro 100 Gramm) und die hohen Gehalte an Vitamin A und Kalium, das den Flüssigkeitshaushalt des Körpers reguliert. Für die orangene Färbung ist Beta-Carotin verantwortlich, das die Augenfunktion unterstützt.

Herkunft und Ansprüche

Der Kürbis (Gattungsname Cucurbita) ist mit Seefahrern im 16. Jahrhundert von Amerika nach Europa gekommen. Die amerikanischen Ureinwohner haben das Fruchtgemüse vermutlich schon um 10 000 v. Chr. angebaut, nutzten aber ursprünglich nur die fett- und eiweißreichen Kerne. Die Pflanzen wachsen besonders gut, wenn ihnen reichlich Nährstoffe, Wasser und Wärme zur Verfügung stehen. Auch ihr Platzbedarf ist beträchtlich. Eine Pflanze breitet sich schnell mit ihren Ranken und großen Blättern über eine Fläche von 1 bis 3 Quadratmetern aus.

Anbau

Ab Anfang Mai säen Gärtner die Samen aus. Drohen nach der Keimung kalte Nächte unter 5 Grad Celsius, sollte Vlies aufgelegt werden. Frost können die Pflanzen überhaupt nicht vertragen. Alternativ können Jungpflanzen im Wintergarten oder Gewächshaus in kleinen Töpfen angezogen und mit sechs bis acht Blättern nach den Eisheiligen ausgepflanzt werden. Der Vorteil: Die vorgezogenen Kürbisse sind früher erntereif.

Pflanzenschutz und Düngung

Junge Kürbisblätter sind für Schnecken ein gefundenes Fressen. Dagegen helfen das Absammeln der Schädlinge oder Schneckenkorn. Wer gute Ernten erzielen will, sollte auf Unkrautkonkurrenz sowie Pilzkrankheiten wie Echter Mehltau, Gurkenkrätze oder Fusarium-Welke achten. Der Kürbis gilt wie beispielsweise Kohl zu den Starkzehrern. Er benötigt – abgestimmt auf die Nährstoffvorräte im Boden – relativ hohe Kompost- oder Mineraldüngergaben.

Ernte und Lagerung

Die Erntezeit reicht von August bis November. Sogenannte Sommerkürbisse werden frühzeitig im unreifen Zustand geerntet. Die Schale ist noch dünn und kann mitverzehrt werden. Die Kürbisse halten sich aber nur etwa eine bis drei Wochen. Winter- oder Lagerkürbisse schmecken hingegen kräftiger, weisen den typischen hohlen Klopfton und einen verholzten Stängel auf und halten sich mehrere Monate. Am besten geeignet ist ein gut belüfteter, 10 bis 12 Grad Celsius kühler und trockener Lagerraum.

Zahlen

Der Speisekürbis-Anbau in Deutschland stieg von 1640 Hektar im Jahr 2008 auf 4478 Hektar im Jahr 2017. Der Ertrag pro Hektar lag 2017 bei 20,6 Tonnen, die Gesamterntemenge bei 92 219 Tonnen (Zahlen: destatis). Zum Vergleich produzierte der größte europäische Anbauer Italien im Jahr 2016 mit 590 188 Tonnen und China als weltgrößter Produzent mit 7 789 427 Tonnen deutlich mehr (Zahlen: FAO).