16.01.2026

Bambus: Zier- und Nutzpflanze mit verblüffenden Eigenschaften

Bambus wird bei uns als Zierpflanze immer beliebter. In seiner Heimat dient er vor allem als Baustoff. In Kübeln können ausläuferbildende Arten in ihrem Ausbreitungsdrang gestoppt werden. Foto: iStock

Starken Ausbreitungsdrang beachten

Bambus wird als Zierpflanze immer beliebter. Er verleiht Gärten ein asiatisches Flair. Doch das Süßgras kann sehr viel mehr. In seiner Heimat wird er vor allem als Baustoff verwendet, der Holz in vielen Eigenschaften überlegen ist. Die Pflanze ist sehr konkurrenzstark, doch die kleine Bambusmilbe kann ihr zusetzen.

Wissenswertes

War der Bambus früher ein Exot in unseren Gärten, so findet man ihn heute immer häufiger. Als Hecke, Kübelpflanze oder sogar Bodendecker ist das immergrüne Gras ein dekorativer Blickfang. Bambus-Einsteiger sind jedoch oft ratlos, wenn es um die richtige Bambus-Art geht. Grundsätzlich gilt es zwischen den beiden bei uns am häufigsten gepflanzten Gattungen Schirmbambus (Fargesia murielae) und Flachrohrbambus (Phyllostachys) zu unterscheiden.

Die Arten des Schirmbambus entwickeln unterirdische Rhizome, treiben aber keine Ausläufer zu den Seiten. Deswegen wachsen sie in Horsten. Im Gegensatz dazu treiben die Flachbambusarten Ausläufer, die kaum zu bremsen sind. Deshalb müssen vor der Pflanzung Wurzelsperren aus mindestens 2 Millimeter starken, hochverdichteten Polyethylenfolien errichtet werden. Kleine Schwachstellen werden problemlos durchdrungen, selbst Mauerwerk und Fundamente halten den Ausläufern nicht stand.

Flachrohrbambus ist daran zu erkennen, dass der Halm nicht rund, sondern an einer Seite abgeflacht ist. Der Halm wird bei einigen Arten bis zu 10 Meter hoch und 7 Zentimeter dick. Der Schirmbambus wird etwa 2 bis 3 Meter hoch. Eine Besonderheit ist, dass er erst nach 60 bis 130 Jahren blüht, aus bisher noch nicht geklärten Gründen dann großflächig. Zuletzt war das Anfang der 1990er Jahre der Fall. Nach Blüte und Samenbildung ist der Schirmbambus so geschwächt, dass er meistens abstirbt.

Als Stammgattung gilt der in den Tropen und Subtropen wachsende, nicht winterharte Echte Bambus (Bambusa). Er erreicht eine Höhe von über 30 Metern und einen Halmdurchmesser von bis zu 30 Zentimetern. Wie bei allen anderen Bambusarten wird der hohle Halm in regelmäßigen Abständen durch Knoten stabilisiert. Dadurch ist der verholzte Bambus leicht und elastisch, gleichzeitig aber härter als Eichenholz und zweieinhalb Mal zugfester als Stahl. In der Bionik dient er als Beispiel für stabilen Leichtbau.

In asiatischen Ländern ist er daher in erster Linie eine Nutzpflanze. Die Spannbreite der Erzeugnisse ist riesengroß: Häuser, Brücken, Gerüste, Möbel, Zäune, Wasserleitungen, Bodenbeläge, Holzkohle, LKW-Beplankungen, Gefäße, Musikinstrumente, Einwegspieße, Geschirr oder sogar Fahrräder. Im Vietnamkrieg erlangten Fallen mit angespitztem Bambus traurige Berühmtheit. Die Zellulose der Bambusfasern wird zu Textilfasern verarbeitet. Zwei weitere Produkte sind selbst bei uns bekannt: besonders langlebige verleimte OSB-Platten für den Baubereich und spargelähnliche Bambussprossen für die Küche.

Bambus schmeckt aber auch Pandas. Und zwar so gut, dass sie sich fast ausschließlich davon ernähren. Dabei enthält Bambus besonders in Samen und Sprossen das giftige Blausäureglykosid. Das ist für Pandas aber ungefährlich. Sie fressen nämlich selektiv junge Blätter und Triebe mit geringen Gehalten und können über Enzyme und Darmbakterien einen Großteil des Blausäureglykosids abbauen. Wenn wir Sprossen verzehren wollen, müssen diese vorher gekocht werden, um die Verbindung unschädlich zu machen.

Herkunft und Standort 

Bambus ist ursprünglich in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Australiens, Afrikas und Amerikas beheimatet. Frostverträgliche Sorten können aber gelegentliche Temperaturen von minus15 bis minus 20 Grad Celsius überstehen. Die Pflanze toleriert viele verschiedene Böden, jedoch keine besonders trockenen oder nassen Standorte. Sie mag Sonne, wächst aber auch im Halbschatten.

Anbau

Die Arten für den Ziergarten unterscheiden sich nicht nur im Ausbreitungsdrang, sondern außerdem in der Frosthärte, Blatt- und Stängelfarbe oder Wuchshöhe. Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr. Die Wurzelsperren für Flachrohrbambusse müssen 5 bis 10 Zentimeter aus dem Boden ragen, damit die Ausläufer sie nicht überwinden können. Wird eine Hecke auf die gewünschte Höhe zurückgeschnitten, wachsen die Halme nicht nach. Lediglich die nachtreibenden neuen Halme müssen wieder geschnitten werden. Mit der Zeit wird die immergrüne Hecke dann blickdicht. Als Bodendecker geeignete Arten können Rasen ersetzen.

Pflanzenschutz und Düngung

Lange Zeit gab es bei uns keine Schädlinge, die den in den Tropen und Subtropen beheimateten Süßgräsern hätten gefährlich werden können. Durch den weltweiten Handel sind jedoch die äußerst anpassungsfähigen Bambusmilben ihren Wirtspflanzen in die europäischen Gartencenter gefolgt. Besonders im milden Rhein-Main-Gebiet können sie die ansonsten robusten Gräser ernsthaft schädigen. Darüber hinaus sind die Pflanzen willkommene Wirte für verschiedene Lausarten. Bambus hat einen hohen Bedarf an Stickstoff, der im Frühjahr verabreicht werden sollte.

Zahlen

Bambus wächst weltweit auf etwa 35 Millionen Hektar. Zum Vergleich: Die Gesamtwaldfläche beträgt 4,1 Milliarden Hektar (FAO, 2020). Pro Jahr werden nach verschiedenen Schätzungen über 50 Millionen Tonnen Bambus verarbeitet, schwerpunktmäßig in China und Indien.

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