Vielseitig verwendbarer Flaschenkürbis

17.08.2021 Haus & Garten

Kalebassen im eigenen Garten anbauen

Der Flaschenkürbis ist eine der ältesten Nutzpflanzen. Im Gegensatz zu anderen Kürbissen wird er kaum in der Küche verwendet, sondern dient vor allem zur Herstellung von Trinkgefäßen, Musikinstrumenten oder anderen Gegenständen.

Der Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria) gehört zwar zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), zählt botanisch aber nicht zu den bei uns bekannteren Gartenkürbissen. Während Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima), Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata) und Gartenkürbis (Cucurbita pepo) ihre Ursprünge in Mittel- und Südamerika haben, stammt der Flaschenkürbis vermutlich aus Afrika. Was die meisten Menschen nicht wissen: Flaschenkürbisse waren in Europa schon lange gebräuchlich, bevor die Gartenkürbisse nach der Entdeckung Amerikas Einzug bei uns hielten. Heute sind sie nicht mehr allzu bekannt, erleben aber gerade einen kleinen Aufschwung.

Herkunft und Beschreibung des Flaschenkürbisses

Die ältesten Funde von Flaschenkürbissen stammen aus Amerika und Asien. Auf diesen Kontinenten wurde die Nutzpflanze schon ungefähr 7000 Jahre v. Chr. verwendet. Spätere Nachweise gibt es auch aus Afrika. Von dort gelangte der Flaschenkürbis ins europäische Mittelmeergebiet, wo er einige Zeit lang als Gemüse angebaut wurde. Meist wird die vielseitige Frucht jedoch zu Trinkgefäßen und anderen Haushaltswaren wie Schüsseln, Löffel oder Kellen, zu Musikinstrumenten, Glücksbringern oder Dekoartikeln weiterverarbeitet. Auf die Verwendung als Gefäß zur Aufbewahrung und zum Transport von Flüssigkeiten weist auch der zweite Name der Kürbisart hin: Als Kalebasse wird nicht nur der flaschenförmige Kürbis selbst bezeichnet, sondern auch seine als Trinkflasche genutzte, ausgehöhlte und getrockneten Hülle.

Da es Flaschenkürbisse in den unterschiedlichsten Größen und Formen gibt, lässt sich eine unendliche Vielfalt an Gegenständen aus ihnen herstellen. Die kleinsten Sorten haben einen Durchmesser von etwa 5 Zentimetern, große Exemplare können bis zu 2 Meter lang werden. Eines der bekanntesten Produkte aus getrockneten Flaschenkürbissen ist die „Bombilla“, aus der in Südamerika der traditionelle Mate-Tee getrunken wird. Und in Afrika werden heimische Biersorten wie Dolo, Merisa oder Pombe traditionell in Kalebassen-Schalen serviert.

Flaschenkürbisse im Garten anbauen

Obwohl der Flaschenkürbis aus tropischen und subtropischen Gebieten stammt, ist er in hiesigen Breitengraden leicht zu kultivieren. Vorausgesetzt, er darf an einem geschützten, sonnigen Standort mit feuchtem und nährstoffreichem Boden wachsen. Bevor der Kürbis nach den Eisheiligen ausgepflanzt wird, sollten die Samen ab Anfang April vorgezogen werden. So werden die Pflanzen kräftig genug, und es ist auch in kühleren Gefilden mit einer rechtzeitigen Ernte zu rechnen. Beim Einpflanzen sollte ein Abstand von etwa 40 Zentimetern zwischen den Pflanzen eingehalten werden.

Da die Kalebasse eine Kletterpflanze ist, braucht sie eine Rankhilfe. Diese sollte stabil sein, da die Pflanze recht hoch werden kann. Ein Zaun oder eine Pergola sind ideal, um den schweren Früchten ausreichend Halt zu geben. Alternativ können auch, wie bei Kletterbohnen, gekreuzte Stangen im Boden verankert werden. Die Triebe müssen regelmäßig hochgebunden werden, da sich Lagenaria siceraria nicht selbst hochranken kann.

Kalebassen richtig pflegen

Wie alle Kürbisse benötigen auch Kalebassen viel Wasser. Daher sollten sie bei trockenem Wetter am besten täglich, aber mäßig gegossen werden, um Staunässe zu vermeiden. Eine Mulchschicht verhindert, dass bei Sonnenschein zu viel Wasser verdunstet. Als Starkzehrer muss der Flaschenkürbis regelmäßig gedüngt werden. Dafür eignen sich zum Beispiel reifer Kompost, Hornspäne oder andere organische Düngemittel.

Etwa ab Mitte Juni beginnt Lagenaria siceraria zu blühen und setzt bei gutem Insektenflug bereits erste Früchte an. Damit sich diese gut entwickeln, sollte der Flaschenkürbis ausgegeizt werden. Das bedeutet, dass nur so viele der weißen Blüten an der Pflanze gelassen werden, wie viele Kürbisse gewünscht sind. So kann sie ihre ganze Kraft in die verbliebenen Früchte stecken.

Beim Hochbinden der Triebe sollten keine scharfen Materialien wie Draht zum Einsatz kommen, da sie die Pflanze verletzen könnten. Alternativ können Kalebassen aber auch kriechend auf dem Boden kultiviert werden. Dann wachsen die Früchte allerdings nicht flaschen- oder birnenförmig nach unten, sondern bilden zum Teil bizarre Formen aus.

Flaschenkürbisse ernten und trocknen

Wer Flaschenkürbisse in der Küche ausprobieren möchte, sollte die jungen Früchte ernten. Diese können weiß, grün oder auch gesprenkelt sein und haben eine weiche, leicht behaarte Schale sowie wie weißes, wässriges Fruchtfleisch. Mit zunehmender Reife wird das Fruchtfleisch papierähnlich und damit ungenießbar. Die Schale des Flaschenkürbisses verfärbt sich dann leicht bräunlich und wird hart wie Holz. Der richtige Zeitpunkt für die Ernte ist gekommen, wenn die Pflanze anfängt zu verwelken und die Temperaturen bereits kühler werden, jedoch vor dem ersten Frost. Die Früchte sollten dann vollreif sein, damit sie bei der anschließenden Trocknung nicht faulen.

Es empfiehlt sich, die Kürbisse mit einem scharfen Messer abzuschneiden, und dabei möglichst einen langen Stiel oder einen Teil der Ranken an den Früchten zu belassen. So können diese an einem trockenen und luftigen Ort aufgehängt werden, bis die innere Fruchtschale verholzt ist. Große und schwere Früchte können in einem stabilen Netz zum Trocknen aufgehängt werden. Etwa nach einem Jahr hat sich das gesamte Fruchtfleisch zurückgebildet, wodurch die Flaschenkürbisse wasserundurchlässig werden. Dass Kalebassen durchgetrocknet sind, ist daran zu erkennen, dass die Samen im Innern laut klappern, wenn sie geschüttelt werden. Meist wird beim Trocknen der Flaschenkürbisse nicht zu verhindern sein, dass sich eine leichte Schimmelschicht bildet. Das tut der weiteren Verwendung jedoch keinen Abbruch.

Verwendung der Kalebassen

Ob an der Pflanze oder getrocknet – Flaschenkürbisse sind ein echter Hingucker in Haus und Garten. Und bei der Weiterverarbeitung ist erlaubt, was gefällt. So lassen sich neben umweltfreundlichen Haushaltsgegenständen zum Beispiel auch Vogelhäuser, Lampen oder Vasen herstellen. Bunt bemalte Kalebassen sind ein ganz besonderer Schmuck für die Terrasse oder den Balkon. Wenn natürliche Farben verwendet werden, sind die Unikate später sogar kompostierbar.