Was haben Tomate und Heidekraut gemeinsam?

06.10.2020 Forschung & Technik

Studie beleuchtet Verwandtschaftsverhältnisse der Asteriden

Wenn in der Pflanzenkunde von Asteriden die Rede ist, dann ist das kein Verschreiber von Asteroiden, den Kleinplaneten in unserem Sonnensystem. Mit Asteriden ist vielmehr eine große Gruppe von Blütenpflanzen gemeint, die vom Hartriegel über die Heidekrautgewächse bis zur Tomate geht. Ihr Verwandtschaftsverhältnis haben jetzt Wissenschaftler der Universität Bonn gemeinsam mit nordamerikanischen und chinesischen Kolleginnen und Kollegen näher untersucht.

Wenn Wissenschaftler die Erbanlagen von verschiedenen Arten vergleichen, können sie daraus einen Stammbaum erstellen. In einem internationalen Forschungsprojekt haben Wissenschaftler der Universität Bonn die bisher genaueste Stammbaum-Analyse für Asteriden erstellt. Die Gruppe der Asteriden ist mit 100 000 Arten sehr groß. Sie umfasst fast ein Viertel der Blütenpflanzen weltweit. Darunter fallen sehr unterschiedliche Pflanzen, wie beispielsweise Kaffee, genauso wie Heidekraut, die Nutzpflanzen Kartoffel, Kiwi und Tomate oder die in Madagaskar vorkommende Wasserähre, die einem Schwimmfarn ähnelt.

Fehlende Mosaiksteine richtig eingefügt

„Wir haben für insgesamt 213 verschiedene Arten im Schnitt jeweils über 1000 Gene analysiert, die in diesen Pflanzen aktiv sind“, erklärt Professor Dr. Maximilian Weigend vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn. „Unsere Studie ist damit für die Gruppe der Asteriden die bislang größte weltweit“.

Die Gruppe gliedert sich in eine Reihe von Ordnungen, von denen sich jede wiederum in verschiedene Pflanzenfamilien aufspaltet. Für viele dieser Untergruppierungen war ihre Stellung im Stammbaum bisher umstritten. Die Studie hat die Verwandtschaftsverhältnisse jetzt weiter aufgeklärt. „Wir haben die untersuchten Arten so gewählt, dass sie alle Pflanzen-Ordnungen und fast sämtliche Familien der Asteriden abdecken“, erläutert Weigend. „Gerade Untergruppierungen, deren Abstammung noch unklar ist, waren dabei besonders gut repräsentiert“. Für die Untersuchung wurden 201 verschiedene Pflanzen untersucht; 99 davon stammten aus dem Botanischen Garten der Universität Bonn. „Um die untersuchten Arten in der freien Wildbahn zu sammeln, müsste man in mehr als 40 verschiedene Länder reisen und wäre damit wohl über Jahre beschäftigt“, verdeutlicht der Wissenschaftler.

Grundlagenforschung mit praktischem Nutzen

Die Ergebnisse der Studie ermöglichen es, die Evolution der Blütenpflanzen genauer als bisher nachzuvollziehen, erklärt Weigend. Diese Grundlagenforschung ermöglicht ein besseres Verständnis, wie Pflanzen in der Vergangenheit auf Klimaveränderungen reagiert haben, und erleichtert Prognosen für zukünftige Veränderungen.

Quelle: Gabot.de / Uni Bonn