Getreideernte 2018: Zwischen Durchschnitt und Desaster

Witterungsextreme machten vielerorts die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte

Früh, schnell und unterdurchschnittlich, aber regional sehr verschieden – so kann man kurz und knapp die diesjährige Getreideernte beschreiben. Statt voller, runder Körner ernteten die Landwirte verbreitet nur schrumpeliges Schmachtkorn.

Rund zwei Wochen früher als in normalen Jahren begannen die Mähdrescher mit der Ernte. So schnell wie die Maschinen erschienen waren, so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Denn kaum ein Regenschauer unterbrach die Erntearbeiten. So weit, so gut.

Im Korntank der Mähdrescher befand sich mit 34,5 Millionen Tonnen allerdings die kleinste Getreideernte seit 24 Jahren. Damit wurde das Ertragsmittel aus den Jahren 2015 bis 2017 um knapp 19 Prozent unterboten. Die Erträge der wichtigsten Getreidekultur Winterweizen lagen bei 6,6 Tonnen pro Hektar, die der zweitwichtigsten Kultur Wintergerste bei 6,1 Tonnen. Zum Vergleich: Die Ertragsmittel aus den Jahren 2015 bis 2017 betrugen 7,9 und 6,9 Tonnen (Zahlen: BMEL).

Norden und Osten besonders betroffen

Gegenüber den schwachen bundesweiten Erträgen gab es regional deutliche Ausschläge nach oben und unten. Während im April die meisten Landwirte noch stolz auf ihre Getreidefelder waren, so hatte sich bis Juli die Situation grundlegend gewandelt. Wer auf guten Böden genügend Regen bekommen hatte, war mit den Erträgen durchaus zufrieden. Mehrheitlich überwog aber die Enttäuschung. Besonders im Norden und Osten hat es verbreitet von April bis Juli kaum geregnet. Das ist besonders bitter für die Landwirte, die das zweite Jahr in Folge von einer Missernte betroffen sind. Da helfen auch die durch die schlechte Ernte gestiegenen Verkaufspreise für Getreide nur bedingt weiter. Besonders schwierig ist die Situation für Viehbetriebe, die eigenen Weizen oder Gerste verfüttern und jetzt teures Getreide zukaufen müssen.

Höchste Monatsmitteltemperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen

Wenig Regen ist die eine Ursache für die schlechten Ergebnisse, hohe Temperaturen eine zweite. Der April und der Mai 2018 waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Der Juni 2018 war nach dem Juni 2003 der zweitwärmste der letzten 30 Jahre. Je wärmer es ist, desto schneller sind die Bodenwasserreserven aus dem Winter aufgebraucht. Wassermangel führt dazu, dass die Getreidepflanze statt voller Körner nur verschrumpeltes Schmachtkorn bildet.

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