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Schule & Wissen
04.09.2012

Nummer eins in Deutschland, weltweit Rang drei (Teil 2)

Weizen wird im Juli und August geerntet, wenn die Körner hart und trocken sind. Foto: Bayer CropScience

Ein Portrait der bedeutenden Kulturpflanze Weizen in zwei Teilen: Teil 2: Pflanzenschutz, Düngung und Ernte

Wenn im Hochsommer die Mähdrescher über die Äcker rollen, ist der Weizen reif. Das vielseitige Getreide ist in Deutschland die flächenmäßig bedeutendste Kultur und eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Er wird als Winter- und als Sommerweizen angebaut. In den letzten 100 Jahren haben sich die Weizenerträge in Deutschland verfünffacht – dank moderner Technik und intensiver Anbaumethoden mit integriertem Pflanzenschutz und bedarfsgerechter Düngung.

Die Weizenpflanze durchläuft verschiedene Wachstumsstadien, neun Makro- und neun Mikrostadien, die in einem so genannten BBCH-Code* beschrieben sind. Die Unterscheidung in Wachstums- und Entwicklungsstadien ist von praktischer Bedeutung. Sie ermöglicht einen gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Stickstoff, oder Wachstumsreglern. 

Pflanzenschutz:

Die Beizung ist die erste und wichtigste Pflanzenschutzmaßnahme. Sie wirkt gegen gefürchtete samenbürtige Krankheiten wie Stein- und Flugbrand und hat den großen Vorteil, dass der Wirkstoff genau da aufgebracht wird, wo er wirken soll – nämlich direkt am Korn und an der jungen Pflanze, die sich daraus entwickelt. Es gibt Beizmittel, die zusätzlich tierische Schaderreger wie Blattläuse, Brachfliegen oder Drahtwürmer fernhalten. 

Mit der Weizenpflanze konkurrieren auch andere Gräser und Kräuter um Wasser, Nährstoffe, Licht und Platz. Um Höchsterträge zu erzielen, müssen diese im Herbst kurz nach der Saat oder im Verlauf der Vegetation bekämpft werden. Dazu zählen Gräser wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm und Kräuter wie Klettenlabkraut, Kamille, Ackerkratzdistel, Ehrenpreis, Stiefmütterchen, Vogelmiere, Storchschnabel und viele andere. Auch hier muss der Landwirt mit Bedacht aus der Palette zugelassener Herbizide das Mittel auswählen, das die Begleitflora an seinem Standort am besten erfasst. 

Ab April haben Landwirte vor allem die Pilzkrankheiten im Blick. Unter anderem müssen Mehltau, Septoria, Braun- und Gelbrost sowie Fusarium sicher bekämpft werden. Sonst drohen Ertrags- und Qualitätsverluste, bei starkem Fusariumbefall sogar Totalverlust.

Tierische Schaderreger gefährden die Ernten in Mitteleuropa meist weniger. Zu beachten sind Feldmäuse, die rund um ihre Bauten die Getreidepflanzen abfressen. Schäden können auch Läuse und die Larven des Getreidehähnchens verursachen, wenn sie die Pflanzen im Frühsommer bei warmer und trockener Witterung massenhaft befallen und nicht bekämpft werden.  

Düngung:

Weizen braucht genügend Nährstoffe, wenn er Höchstleistungen bringen soll. Landwirte wissen das und düngen „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Die gezielte Düngung richtet sich nach der Nährstoffbilanz. Regelmäßige Bodenuntersuchungen geben Aufschluss über die Gehalte an Grundnährstoffen wie Kalium, Phosphor und Magnesium sowie über den pH-Wert des Bodens. Dabei sind auch der Nährstoffentzug durch die Pflanze und die Rücklieferung über Ernterückstände in die Bedarfsberechnung einzubeziehen. So weiß der Landwirt, wieviel er nachdüngen sollte.

Stickstoff wird während des Wachstums in mehreren Gaben ausgebracht. Die absolute Menge richtet sich unter anderem auch nach der Ertragserwartung und dem Qualitätsziel. Bei hohen Erträgen und Proteingehalten muss mehr gedüngt werden. Über die zeitliche Verteilung kann der Landwirt das Wachstum beeinflussen. So fördert eine frühe und erhöhte Stickstoffgabe im Februar oder Anfang März die Bildung und Erhaltung der Seitentriebe. Eine erhöhte Spätdüngung Ende Mai oder Anfang Juni fördert hingegen hohe Eiweißgehalte in den Körnern, was wiederum die Backeigenschaften verbessert.

Neuerdings müssen Landwirte immer häufiger zum Schwefel greifen. Seit Rauchgasentschwefelung Standard ist, liefern Kohlekraftwerke diesen Nährstoff nicht mehr wie zuvor automatisch „auf dem Luftwege“ zu. Spurennährstoffe wie Mangan, Bor, Zink und Kupfer helfen den Pflanzen in Stresssituationen, das Ertragspotential voll auszuschöpfen.  

Ernte:

Die Abreife des Korns wird in die Stadien Milchreife, Teigreife, Gelbreife, Vollreife und Totreife unterteilt. Geerntet wird im Juli und August, wenn die Körner hart und trocken sind. Sie sollten möglichst weniger als 15 Prozent Wasser enthalten (Totreife). Feuchtes Getreide würde andernfalls im Lager Schimmelpilze anziehen. Die Ernteerträge in Deutschland lagen bei Winterweizen in den letzten Jahren im Mittel bei rund 7,5, bei Sommerweizen bei 5,5 Tonnen pro Hektar. Bei gutem Wetter, fruchtbarem Boden und gekonnter Bestandsführung sind bis zu zwölf Tonnen möglich. Der Ertrag setzt sich aus der Zahl der Ähren pro Quadratmeter, der Zahl der Körner pro Ähre und dem Gewicht der Körner zusammen.  

Weltweit kalkulieren Experten mit Durchschnittswerten um drei Tonnen. In den letzten 100 Jahren haben sich die Erträge in Deutschland verfünffacht. Dieser Erfolg wurde möglich, weil die Landwirte heute über moderne Technik und leistungsfähigere Sorten, die sie effizienter vor Schaderregern schützen und bedarfsgerecht ernähren können, verfügen.

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