Die Knoblauchsrauke
Die Blätter der Knoblauchsrauke riechen nach Knoblauch, wenn man sie mit dem Finger verreibt.
Die Knoblauchsrauke
Scharf, pfeffrig und würzig
Was wächst am Waldrand, riecht nach Knoblauch, ist aber keiner? Genau: Die Knoblauchsrauke. Mit diesem Wissen kann man vielleicht nichts gewinnen, aber nützlich ist es trotzdem. Denn die Knoblauchsrauke kann unseren Speiseplan genauso wie Bärlauch oder das Franzosenkraut um ein paar wertvolle Wildkräuter erweitern. Zu finden ist die Würz- und Heilpflanze an schattigen Wegrändern im Wald und neben Gebüschen oder Hecken.
Ihre Blätter riechen beim Zerreiben nach würzigem Knoblauch und scharfem Pfeffer, aber die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) ist weder mit Knoblauch noch mit dem Pfefferstrauch verwandt, sondern gehört vielmehr zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae). Ihr Name kommt vielmehr daher, weil die Blätter nach Knoblauch riechen, wenn man sie mit dem Finger verreibt. Die Knoblauchsrauke wächst an Waldrändern, entlang von Waldwegen, Gebüschen und Hecken, oft vergesellschaftet mit Giersch, Gundermann und Brennnesseln. Die Blätter sehen unterschiedlich aus: Während die Grundblätter eher rundlich-nierenförmig sind und einen langen Stiel haben, sind die an Brennnesselblätter erinnernden Stängelblätter weiter oben dreieckig und spitz und haben einen kurzen Stiel. Die aufrechte Staude ist ein- bis zweijährig, hat eine Wuchshöhe zwischen 20 bis 100 Zentimetern und ist horstbildend beziehungsweise wächst buschig.
Knoblauchsrauken wachsen auf sandigem und lehmigem Untergrund. Sie mögen frische und feuchte Böden und halbschattige Standorte, zum Beispiel unter Hecken, Sträuchern und Laubgehölzen. Bei Insekten ist die Knoblauchsrauke ebenfalls beliebt und viele Wildbestäuber fliegen die Pflanze in der Blüte an.
Nicht mit anderen Wildpflanzen verwechseln!
Als ganz junge Pflanze kurz nach dem Austrieb könnte man die Knoblauchsrauke mit Gundermann verwechseln, der ebenfalls rundliche Blätter hat, doch der „Zerreibetest“ bringt schnell Gewissheit, falls es nicht nach Knoblauch riecht. Auch ein junges Scharbockskraut sieht ähnlich aus, allerdings glänzen seine Blätter und man sieht kein Adernetz wie bei der Knoblauchsrauke. Wer Wildpflanzen und -kräuter sammeln will, sollte dies also nur tun, wenn er die Pflanzen genau kennt und von anderen Wildpflanzen unterscheiden kann, um nicht Gefahr zu laufen, auch mal eine giftige Pflanze zu erwischen.
Im Mittelalter sehr bekannt, danach fast vergessen
Die Heil- und Würzpflanze ist seit langem bekannt. Als Heilpflanze wurde die Knoblauchsrauke im Mittelalter eingesetzt als Schleimlöser bei Husten, als Wundauflage oder als Wurmmittel. Zu dieser Zeit bereicherte sie auch bereits ab März den Speiseplan mit frischem Grün, die Blätter als Gemüse und den Samen als Gewürz. Doch als mehr und mehr exotische Gewürze nach Europa importiert wurden, geriet sie in Vergessenheit. Die Knoblauchsrauke schmeckt knoblauchartig scharf, pfeffrig, gleichzeitig aber auch, ähnlich wie Bärlauch, süßer und milder als Knoblauch und mit einer kleinen bitteren Note. Wer die Knoblauchsrauke selbst anbaut, der sollte möglichst früh, schon ab März bis in den Mai, die kleinen Grundblätter, die am Boden in einer Rosette stehen, abzupfen. Sie schmecken sehr mild.
Je älter die Pflanze wird und je mehr sie auf die Blüte und Samenreife zugeht, umso bitterer schmecken die Blätter. Man kann die Blätter pur auf ein Brot mit Butter, Frischkäse oder Quark streuen, oder aber zum Blattsalat dazugeben. Außerdem kann man mit den Blättern der Knoblauchsrauke auch gut einen aromatisierten Essig herstellen. Möchte man Suppen oder heiße Soßen mit der Knoblauchsrauke würzen, dann sollte man die kleingeschnittenen Blätter erst am Ende dazu geben und nicht mitkochen. Auch die Wurzel kann verwendet werden. Sie erinnert ein wenig an Meerrettich. Wenn man dies möchte, sollte man sie aber ebenfalls früh ernten, da sie ab Mai verholzt.
Aus kleinen weißen Blüten entstehen dünne grüne Schoten
Die Knoblauchsrauke blüht Ende April/Anfang Mai mit einer Traube aus kleinen weißen Blüten, aus denen dann zierliche grüne Schoten entstehen, die später schwarzbraun werden, wenn sie reif sind. Die Schoten enthalten jeweils nur sechs bis acht winzig kleine Samen. Nach der Samenreife sterben die Pflanzen im Juni ab. Im Mittelalter wurde aus den Samen ein würzender Senf hergestellt, heute macht sich vermutlich kaum einer mehr die Mühe, aus den winzigen Körnchen in Handarbeit eine Würzpaste herzustellen. Direkt verwenden lassen sich die Körner, wenn sie kurz angeröstet und dann gemahlen oder mit einem Mörser zerrieben werden.
Nutzung als Heilpflanze
Die in der Knoblauchsrauke enthaltenen Senfölglykoside und anderen Schwefelverbindungen wirken antibakteriell. Die Blätter enthalten viele Mineralien und Vitamine, vor allem Vitamin A und Vitamin C. Sie wirken harntreibend und stoffwechselanregend, also genau das Richtige für eine Frühjahrskur oder zum Fasten. Vor einer Einnahme der Knoblauchsrauke als Heilpflanze sollte aber vorher – ie bei allen Heilpflanzen – eine kundige Person konsultiert werden oder sich selbst die nötige Fachkenntnis angeeignet werden.