Jute: besser als Plastik?
Aus dem Jute-Garn werden vor allem Säcke oder Beutel hergestellt, neuerdings auch Dämmstoffe, Geotextilien oder Verbundwerkstoffe.
Rohstoff für Verpackungen, Verbundwerkstoffe oder Geotextilien
Jute statt Plastik! Mit diesem Slogan warben Entwicklungs- und Umweltorganisationen ab Mitte der 1970er Jahre für fairen Handel und ein Ende der Wegwerfgesellschaft. Welche Stärken hat die Faserpflanze Jute? Ist sie tatsächlich besser als Plastik?
Wissenswertes
Jute-Anbau ist ein wichtiges Standbein für die Landwirtschaft in Bangladesch und Indien. Doch den Sprung in die öffentliche Wahrnehmung schaffte Jute ab 1976 aus einem anderen Grund. Entwicklungspolitische Organisationen und die immer stärker werdende Umweltbewegung entwickelten eine Kampagne, die sich für faire Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des globalen Nordens und des globalen Südens, ein Ende der Wegwerfgesellschaft und die Verwendung Nachwachsender Rohstoffe einsetzte. In diesem Zusammenhang wurde der einprägsame Slogan „Jute statt Plastik“ geprägt und verwendet.
1978 kam die in Bangladesch gefertigte Jutetasche mit dem Aufdruck des Kampagnenslogans in Umlauf. Sie wurde alleine rund fünf Millionen Mal in Deutschland verkauft und diente als Erkennungszeichen für Anhänger der Umweltbewegung. Ihr Kultstatus reichte bis weit in die 1980er Jahre.
Jute-Produkte gibt es in Europa schon deutlich länger. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand im schottischen Dundee ein Zentrum für die Verarbeitung der Pflanzenfaser. Das brachte der Stadt den Beinamen Juteopolis ein. Die erste Jutespinnerei auf dem europäischen Kontinent wurde 1861 in der Nähe von Braunschweig gegründet. Aus dem Garn werden in der Hauptsache Verpackungsmaterialien wie Säcke oder Beutel, Textilien, Teppiche und Spezialpapiere gefertigt. Neuere Einsatzbereiche sind Dämmstoffe, Geotextilien oder Verbundwerkstoffe. In diesen Anwendungen konkurriert Jute mit anderen Faserpflanzen wie Hanf, Flachs oder Nessel.
Produkte aus Jute haben Stärken und Schwächen. Die Naturfasern sind robust, atmungsaktiv, nachwachsend und biologisch abbaubar. Allerdings sind sie bei längerer Nässe fäulnisgefährdet, haben einen Eigengeruch und sind kaum dehnfähig und flexibel. Daher entscheidet der Verwendungszweck über die Eignung. Als Rohstoff für eine Einkaufstasche ist Jute physikalisch sehr gut geeignet. Allerdings sollten die Taschen aus Umweltgründen möglichst oft verwendet werden. Die Mindesthäufigkeit hängt von der Materialstärke sowie von Anbau, Verarbeitung, Produktion und Transport ab. Dabei werden Energie und Wasser benötigt. Ein dünner Polyethylen-Folienbeutel aus fossilen Rohstoffen, wie er heute für Obst und Gemüse erlaubt ist, kann die bessere Variante sein. Jute steht im Wettbewerb mit synthetischen Fasern, die vor allem im Bereich der Textilien ihre Stärken haben.
Jute wird vor allem in Asien und in geringerem Umfang in Afrika und Südamerika kultiviert. Dort dient sie auch als Nahrungspflanze. Aus den jungen Sprossen und Blättern wird ein wohlschmeckendes Gemüse zubereitet. Getrocknete Blätter lassen sich zu Tee verarbeiten.
Herkunft und Standort
Die Herkunft der beiden Jutearten Weiße Jute (Corchorus capsularis) und Tossa-Jute (Corchorus olitorus) ist nicht eindeutig geklärt. Mehrere Quellen nennen Südasien. Für optimales Wachstum benötigt sie tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 27 und 31 Grad Celsius sowie mindestens 1500 Millimeter Jahresniederschlag. Ideal sind tiefgründige Schwemmböden, wie sie zum Beispiel im Ganges-Delta vorhanden sind.
Anbau
Die Bauern in Bangladesch und Indien bringen die Saat von März bis April aus. Einige Wochen nach dem Auflaufen vereinzeln sie die Pflanzen, damit sie für das Wachstum genügend Platz erhalten. Innerhalb von etwa vier Monaten werden die geraden Stängel 3 bis 4 Meter hoch.
Pflanzenschutz
Jute ist grundsätzlich recht robust. Im intensiven Anbau können vor allem Fäulepilze, aber auch Raupen und Milben zum Problem werden. Für gute Fasererträge benötigt die Pflanze genügend Nährstoffe. Auch auf fruchtbaren Böden sind angepasste Düngergaben vorteilhaft.
Ernte und Verarbeitung
Die Ernte beginnt nach der Blüte. Die Pflanzen werden bodennah abgeschnitten und anschließend zum Rösten in Wasser gelegt. Dabei lösen Mikroorganismen die Fasern vom übrigen Gewebe. Nachfolgend werden die Fasern gereinigt, getrocknet, sortiert und zu Garn versponnen. Die Ernte und Gewinnung der Fasern erfolgen überwiegend in kleinbäuerlichen Strukturen in Handarbeit, die Verarbeitung hingegen im industriellen Maßstab.
Zahlen
2024 wurden weltweit 3,7 Millionen Tonnen Jute-Rohfasern erzeugt. Davon entfallen auf die bedeutendsten Produktionsländer Bangladesch 2,1 Millionen Tonnen, Indien 1,4 Millionen Tonnen und Kambodscha 0,2 Millionen Tonnen. Der mittlere Ertrag liegt bei 2,5 Tonnen pro Hektar (Zahlen: FAO). In einer Statistik des Cotton Advisory Committees war Jute 2024 mit 2,8 Millionen Tonnen weltweit nach Baumwolle (26,1 Millionen Tonnen) die zweitwichtigste Faserpflanze.