Tabak: Anbau in Deutschland auf harten Kern geschrumpft
Tabak wächst an milden Standorten auch in Deutschland. Er erreicht in drei Monaten eine Höhe von etwa 2 Metern.
Tabak: Anbau in Deutschland auf harten Kern geschrumpft
Nikotin in den Blättern schützt vor Schädlingen
Wer bei Tabak-Anbau ausschließlich an Kuba denkt, liegt falsch. Auch in Deutschland wächst die nikotinhaltige Pflanze. Der heimische Anbau wird durch die hohen Arbeitskosten geprägt. Darüber hinaus beeinflusst die gesellschaftliche Diskussion um die gesundheitlichen Folgen des Rauchens die Rahmenbedingungen für die Tabakbauern.
Wissenswertes
Ab dem 16. Jahrhundert durchforsteten europäische Seefahrer die Pflanzenwelt des amerikanischen Kontinents nach interessanten Nutzpflanzen. Neben Kakao, Mais, Bohnen, Kartoffeln oder Paprika stießen sie auch auf Tabak. Dieser wurde bereits damals von den indigenen Völkern zu Zigarren verarbeitet und geraucht, als Heilmittel eingesetzt oder für zeremonielle Zwecke verwendet. Um 1560 kam der Tabak nach Europa. Er diente zunächst als Zierpflanze. Jahre später kam er als Genussmittel in Mode.
Mit der steigenden Nachfrage startete auch der Tabak-Anbau in Europa. Die ersten Pflanzen sollen 1573 in einem Pfarrgarten in Hatzenbühl bei Speyer (Rheinland-Pfalz) gestanden haben. Von dort dehnte sich der Anbau in viele Regionen Deutschlands aus, die mit mildem Klima gute Wachstumsbedingungen bieten. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Anbaufläche auf über 30 000 Hektar angewachsen. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Anbauer und die Fläche jedoch stark geschrumpft. Spätestens nach dem Wegfall der EU-Unterstützung 2009 ist nur noch ein harter Kern übriggeblieben. 2025 waren es nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Tabakpflanzer rund 80 Betriebe, die auf 1300 Hektar den sehr arbeitsintensiven Tabak kultivierten. Die Anbauschwerpunkte befinden sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Pro Hektar Tabak müssen 370 bis 420 Stunden eingesetzt werden (Quelle: KTBL). Zum Vergleich: Für Getreide sind je nach Bedingungen gut fünf Stunden pro Hektar erforderlich.
Der in Deutschland erzeugte Tabak wird aktuell nach Informationen des Bundesverbands Deutscher Tabakpflanzer zu 90 Prozent für Wasserpfeifen verwendet. Nur 10 Prozent wird zu Zigaretten verarbeitet. Wegen der hohen Arbeitskosten setzen die Anbauer auf ein besonders hohes Qualitätsniveau. Das bedeutet niedriger Nikotingehalt, Schwermetallfreiheit oder Farbstabilität bei der Verarbeitung.
Die Risiken des Tabakkonsums sind hinlänglich bekannt. Neben Nikotinabhängigkeit können die Auswirkungen auf Atemwege, Lunge, Herz-Kreislauf-System, Fruchtbarkeit oder Immunsystem gravierend sein. Verantwortlich dafür ist der Cocktail aus mehreren tausend chemischen Verbindungen, der über den Rauch eingeatmet wird. Dieses Wissen trägt ebenso wie Werbeverbote, Rauchverbote an öffentlichen Orten oder hohe Preise dazu bei, dass die Zahl der Raucher weltweit sinkt. Der Anteil der rauchenden Bevölkerung lag 2024 weltweit noch bei 19 Prozent (WHO). In Deutschland stieg der Absatz von Zigaretten 2024 jedoch wieder leicht an.
Der Inhaltsstoff Nikotin schützt die Tabakpflanze vor Schädlingen. Das Alkaloid wird in den Pflanzenwurzeln gebildet. Von dort verteilt es sich über die gesamte Pflanze. Konzentrierte Nikotinpräparate dienten bis in die 1970er Jahre in Deutschland im ökologischen Landbau als Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse, Weiße Fliege und andere saugenden Insekten. Die Zulassung wurde 2008 EU-weit wegen der Giftigkeit zurückgezogen.
Herkunft und Standort
Der Tabak (Nicotiana tabacum, Nicotiana rustica) stammt vermutlich aus Südamerika. Er zählt ebenso wie Kartoffel oder Tomate zu den Nachtschattengewächsen. Die Pflanze liebt sandige Böden und benötigt viel Wärme (25 bis 35 Grad Celsius). Ebenso unerlässlich sind reichlich Niederschläge. Eine Bewässerungsmöglichkeit ist Voraussetzung für den Anbau in Mitteleuropa.
Anbau
Die Jungpflanzen werden bis zu zwei Monate in Folientunneln oder Gewächshäusern vorgezogen. Sobald kein Nachtfrost mehr droht, pflanzen Anbauer rund 32 000 Setzlinge pro Hektar aus. Der einjährige Tabak wächst bei hohen Temperaturen recht schnell und erreicht eine Höhe von 2 Metern. Ab Juli beginnt die Blüte. Dann muss der Blütenstand abgeschnitten werden, damit die Energie der Pflanze ausschließlich in die Entwicklung großer und kräftiger Blätter fließt.
Pflanzenschutz und Düngung
Tabak ist anfällig für Wurzel- und Stängelkrankheiten wie beispielsweise Weißstängeligkeit. Die ersten Gegenmaßnahmen sind bereits bei der Setzlingsanzucht erforderlich. Blauschimmel befällt vor allem die Blätter und muss unbedingt unterbunden werden. Herbizide zur Unkrautbekämpfung sind in konventionellen Betrieben Standard. Kartoffeln als Vorfrucht sind nicht zu empfehlen, weil Durchwuchskartoffeln das Potato-Virus Y übertragen können. Tabak ist selbstverträglich. Er kann mehrere Jahre auf derselben Fläche angebaut werden. Anbauer müssen berücksichtigen, dass Tabak nur einen geringen Stickstoffbedarf hat. Auf Flächen mit hoher Stickstoffnachlieferung aus der Vorkultur oder organischen Düngern können Qualitätsprobleme resultieren.
Ernte und Lagerung
Je nach Pflanztermin und Witterung beginnt die Ernte ab Ende Juli und zieht sich bis in den September. Zunächst werden die zuerst abreifenden bodennahen Blätter geerntet. Danach folgen weitere drei bis fünf Pflückdurchgänge von Hand, bei denen jeweils drei bis fünf Blätter geerntet werden. Ein homogenes Erntegut ist Grundvoraussetzung für eine hohe Qualität, für die eine punktgenaue Trocknung die Basis ist.
Zahlen
2021 wurden weltweit auf 3,1 Millionen Hektar rund 5,9 Millionen Tonnen Tabak erzeugt (Quelle: FAO). Die größten Anbauer sind China (0,9 Millionen Hektar / 2,1 Millionen Tonnen), Indien (0,4 Millionen Hektar / 0,8 Millionen Tonnen) und Brasilien (0,3 Millionen Hektar / 0,7 Millionen Tonnen). In Deutschland umfasste der Anbau 2025 rund 1300 Hektar, die Erntemenge lag bei 3500 Tonnen (Quelle: Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer).