Ein Apfelbaum erzählt: Nur die schönsten Äpfel bleiben dran

10.07.2007 Schule & Wissen

Der „Apfelblog“ (3)

„Habt ihr mich wiedererkannt? Ich bin ein paar Pfunde losgeworden. Seht ihr die kleinen Äpfel auf dem Boden, die ich jetzt nicht mehr tragen muss?

Ausdünnen nennt man das. Jeweils zwei Pflücker nehmen sich einen von uns Apfelbäumen vor und zwicken die überflüssigen Äpfel ab. Das ist wichtig, damit sich meine übrigen Früchte optimal entwickeln können. Etwa 80 bis 100 Äpfel sind für meine Größe ideal.

Apropos Statur: Die besten Pflückerteams sind mit einer großen und einer kleinen Person besetzt. Da geht die Arbeit oben und unten besonders leicht von der Hand.

Das Ausdünnen ist eine Kunst für sich: Manchmal lässt man nur einen Apfel pro Trieb hängen, manchmal zwei, drei oder vier. Wichtig ist, dass die Früchte unverletzt und gut genährt sind, denn dann werden sie sich weiterhin prächtig entwickeln.

Aber auch der Stiel spielt eine Rolle: Weil an unseren Apfeltrieben immer fünf Blüten eng zusammenstehen, haben bei Sorten mit kurzen Stielen maximal zwei Äpfel genug Platz, wie zum Beispiel beim Berlepsch. Seine Stiele sind so dick und fest, dass sie bei der Lagerung sogar andere Äpfel verletzen können. Bei Jonagold und Pinova sind sie dagegen lang und geschmeidig. Und meine liegen dazwischen.

Beim Ausdünnen wird der Apfel möglichst so abgezwickt, dass der Stiel am Baum bleibt. Dadurch werden Verletzungen am Trieb vermieden. Die sind gefährlich, weil Schaderreger eindringen und die Nachbaräpfel schädigen können. Ihr seht, die Pflücker müssen sorgsam auf vieles achten, und das alles bei den Regengüssen in den letzten Tagen! Für mich war das nach der Hitze eine Wohltat. Für die Rote Spinne und den Apfelwickler ist die Nässe ein echtes Drama. Die Apfelwicklerweibchen verstecken sich jetzt unter unseren Blättern und warten auf Sonne, um ihre Eier abzulegen. Wenn die bald kommt, gibt’s hier wieder Alarm. Denn der warme April hat uns jetzt schon die zweite Faltergeneration beschert…

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