Ein Apfelbaum erzählt: Jagd auf die Rote Spinne

21.06.2007 Schule & Wissen

Äpfel sind laut einer CMA-Statistik aus dem Jahr 2006 in Deutschland das beliebteste Obst. Gut so, denn sie sind sehr gesund! Wie Äpfel sich entwickeln und welche Pflege dazugehört, bis sie duftend, glänzend und lecker im Obstkorb landen, erzählt in diesem Sommer unser "Elstar-Apfelbaum" vom Obsthof Schmitz-Hübsch in Bornheim. "Elstar" berichtet in unregelmäßigen Abständen bei Profil Online über den jeweils aktuellen Stand der Entwicklung seiner Äpfel.

„Hallo, ich bin’s wieder - Elstar, der Apfelbaum! Hier in Bornheim-Merten ist es schon seit Tagen super heiß. Temperaturen bis zu 30 Grad, und dabei ist es wie häufig im Rheinland richtig schwül. Zum Glück wird das Wasser für uns 10 000 Apfelbäume noch nicht knapp. Aber dafür läuft jetzt die Fahndung nach der Roten Spinne in unserer Plantage auf Hochtouren. Diese winzig kleine Obstbaumspinnmilbe liebt die Hitze und vermehrt sich bei Wärme rasend schnell. Sie sticht unsere Blätter an und ernährt sich vom Saft. Bei starkem Befall kann man unter den Blättern und an den Stängeln ihre feinen Gespinste sehen. Die Blätter verfärben sich rot-bräunlich, wölben sich, vertrocknen und fallen ab. Dann können unsere Früchte nicht mehr ausreifen.

Um das Ausbreiten zu verhindern, inspizieren die Obstbaumspezialisten stichprobenartig unsere Pflanzung. Dazu nehmen sie von etwa 25 Bäumen je zwei bis vier Blätter „unter die Lupe“. Bei mir gab’s zum Glück keine Rote Spinne! Aber auf einigen meiner Kollegen hatte sie sich tatsächlich schon richtig ausgebreitet. Wenn dann auf den Blättern nur die roten Winzlinge und keine oder zu wenige natürlichen Feinde gefunden werden, muss der Landwirt die befallenen Bäume mit einem Akarizid behandeln. Das war jetzt an verschiedenen Stellen in unserer Plantage notwendig. Natürliche Feinde sind zum Beispiel Raubmilben. Sie machen Jagd auf die Rote Spinne und saugen sie aus. Da aber nie alle Schädlinge erwischt werden, ist die Gefahr für diesen Sommer noch nicht gebannt...

Bei Krankheiten wie Mehltau und Schorf wartet der Obstbauer nicht, bis die Krankheitszeichen zu sehen sind. Denn hat sich der typische, grauweiße oder bräunliche Pilzbelag erst einmal auf unseren Blättern ausgebreitet, bringt eine Bekämpfung lange nicht mehr den gewünschten Erfolg. Besonders gefährdet sind unsere Triebe mit den sehr zarten Blättern. Hättet ihr gedacht, dass sie noch empfindlicher sind als die anfälligen Rosenblätter? Deshalb werde ich vom Zeitpunkt der Blüte an solange vorbeugend behandelt, bis meine Blätter den Schadpilzen trotzen können. Meine seitlichen Triebe sind übrigens jetzt schon „ausgewachsen“, nur die senkrechten strecken sich noch der Sonne entgegen.“

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