Weiden – insektenfreundlich, nützlich, attraktiv
Die männliche Salweide Salix caprea bildet silbrige Blütenkätzchen, aus denen sich gelbe Staubgefäße entwickeln.
Weiden – insektenfreundlich, nützlich, attraktiv
Das Arten- und Sortenspektrum von Weiden besticht durch Variationsbreite
Die Gattung der Weiden (Salix) umfasst mit etwa 450 Arten eine ungeheure Vielfalt an Gehölzen, die von zwergig wachsenden Kleinsträuchern bis zu mächtigen, über 30 Meter hohen Bäumen reicht. Mehr als 60 Arten davon sind bei uns heimisch.
Eine Besonderheit von Weiden ist, dass sie zweihäusig sind, es also männliche Pflanzen gibt, deren Blütenstände ("Kätzchen") Staubgefäße mit Pollen bilden, und weibliche, deren Stempel den Pollen aufnehmen, und die später Früchte mit Samen bilden. Der Pollen ist für bestimmte Wildbienenarten sehr wichtig, die auf Weiden spezialisiert sind (oligolektisch) und zu denen mehrere Arten der Sandbiene (Andrena) zählen. Aber auch andere (polylektische) Wildbienen und Honigbienen sowie Schmetterlinge nehmen Pollen und Nektar der meist relativ früh blühenden Weiden nach der Überwinterung gerne an. Ihre Blätter sind außerdem eine Nahrungsgrundlage für die Raupen von Schmetterlingen sowie für Käfer, Wanzen und Blattwespen.
Manche Weidenarten sind auch beliebte Nutzpflanzen und werden zur Ufer- und Hangbefestigung gepflanzt, da einige von ihnen feuchte Böden gut vertragen. Eine eigene Tradition besitzen beispielsweise die Kopfweiden, die nach starkem Rückschnitt lange Ruten bilden, die zur Korbmacherei genutzt werden und die man früher auch als Viehfutter verwendete. Das relativ weiche Holz der Weiden aus Kurzumtriebsplantagen wird für industrielle Zwecke genutzt und ihre Rinde wegen des in ihr enthaltenen Wirkstoffs Salicin als "pflanzliches Aspirin" in der Naturheilkunde eingesetzt.
In Hausgärten finden sich einige beliebte Ziersorten der Weiden. Manche von ihnen bestechen durch ihre Wuchsformen wie die Hänge-Kätzchenweide Salix caprea 'Pendula', die Drachenweide Salix sachalinensis 'Sekka' mit ihren verbänderten, bizarren Trieben oder die Korkenzieherweide Salix matsudana 'Tortuosa' mit gedrehten, feinen Zweigen.
Andere Weiden-Arten fallen durch ihre schönen Blütenkätzchen auf. Am bekanntesten ist wohl die männliche Form der Salweide Salix caprea 'Mas'. Sie bildet reichlich große Kätzchen, die zunächst silbrig sind und später gelb aufblühen. Rosarote, samtige Kätzchen hat die Salix gracilistyla 'Mount Aso', die auch unter dem Markennamen "Rotkätzchen" angeboten wird. Weniger bekannt ist die "Schwarzkätzchen-Weide" Salix melanostachys 'Kurome' mit einzigartigen schwarz-roten Kätzchen.
Es gibt auch mehrere Arten und Sorten, die attraktive Blätter haben. So besitzt die Rosmarinweide Salix rosmarinifolia sehr filigrane, besonders schmale Blätter und die Silber-Kriechweide Salix repens ssp. argentea silbriges Laub. Besonders auffällig und sehr beliebt ist die Harlekinweide Salix integra 'Hakuro-Nishiki' mit ihren weiß-rosa Blättern.
Die verschiedenen Arten und Sorten der Weiden wachsen unterschiedlich stark, was man beim Pflanzen im Garten beachten sollte. So kann die Korkenzieherweide beispielsweise etwa 8 Meter hoch werden. Durch Schnitt kann man sie zwar kleiner halten, aber wie bei den meisten Weiden fault ihr Holz relativ leicht, und bei starkem Schnitt ist sie nicht sehr langlebig.
Die meisten Weiden-Arten wachsen am besten auf Gartenböden mit normaler Feuchte und brauchen daher nicht unbedingt nasse Standorte. Manche, wie die Silber-Kriechweide, sind recht trockenheitsverträglich, aber viele andere leiden schnell unter besonders heißem, trockenem Sommerwetter.
Einige Pilzkrankheiten wie der Rindenbrand Glomerella cingulata, der Weiden-Rost Melampsora salicina und viele Insekten wie der Weiden-Bohrer Cossus cossus sowie verschiedene Gattungen von Weidenblattkäfern ernähren sich von den Blättern, der Rinde oder dem Holz. Allgemein sind Weiden aber recht regenrationsfähig, sodass sie selten übermäßig stark unter dem Befall leiden.
Allerdings sollte beachtet werden, dass Weiden bruchgefährdet sind, das heißt bei Sturm nicht selten Zweige oder Äste brechen und gelegentlich auch ganze Bäume umfallen können. Das ist hinsichtlich der Verkehrssicherheit zu beachten. Daher sollten baumartig wachsende Weiden so gepflanzt werden, dass Personen, Gebäude und Fahrzeuge nicht gefährdet werden. Außerdem neigen Weiden dazu, schon im Sommer mit dem Laubfall zu beginnen, können also zur "Verschmutzung" von Pflasterflächen führen. Ab Ende April entlassen weibliche Weiden ihre Samen, die an Wollfäden wie feine Watte hängen und in Gärten zur Plage werden können. Die wichtigsten Gartenformen sind allerdings männlich, sodass sie sich nicht aussamen.