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Haus & Garten
20.07.2022

Unkrautbekämpfung: Finger weg von Steinreinigern und Streusalz!

Der Einsatz von Heißwasser oder -schaum ist sicherer als Abflammen, aber erheblich aufwändiger. Foto: Heinrich Beltz

Kein Einsatz chemischer Produkte, die nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind

Im Frühjahr beginnt die Zeit, in der die Pflanzen wachsen – allerdings leider nicht nur dort, wo sie gewünscht sind, sondern auch an Stellen, wo man sie nicht haben möchte. Dann bezeichnet man sie als "Unkraut" und versucht, sie auf die eine oder andere Weise zu entfernen.

Vorzugsweise reißt man das Unkraut mit der Hand aus dem Boden. Aber wo das zu mühsam oder nicht möglich ist, denkt man über Unkrautbekämpfungsmittel nach, sogenannte Herbizide. Ihr Einsatz unterliegt strengen Auflagen. So dürfen sie zum Beispiel nur auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen eingesetzt werden, zu denen Wege, Parkplätze und Einfahrten definitiv nicht gehören. Gelegentlich werden per Mundpropaganda und in zweifelhaften Internetquellen sogenannte "Hausmittel" wie Steinreiniger oder Streusalz empfohlen, um Unkräutern auf Wegen und Pflasterflächen den Garaus zu machen. Das ist allerdings nicht erlaubt, denn Chemikalien, die zur Unkrautbekämpfung eingesetzt werden sollen, sind laut Pflanzenschutzgesetz Herbizide und benötigen für ihren Einsatz eine Zulassung. Wie umweltfreundlich ein Stoff sein mag, ist dabei nicht entscheidend.

Wer Streusalz, Steinreiniger und andere für diesen Zweck nicht zugelassene Produkte zur Unkrautbekämpfung einsetzt, riskiert ein empfindliches Bußgeld Davon abgesehen können solche "Hausmittelchen" Schäden an den Pflastersteinen oder der Bepflanzung verursachen, zum Beispiel reagieren viele Gehölze sehr empfindlich auf Streusalz. Eine Änderung gab es beim Einsatz von Essig. Der darf seit Kurzem als "Grundstoff" gegen Unkraut auf Wegen und Plätzen eingesetzt werden, allerdings unter strengen Auflagen. Essig darf maximal zwei Mal jährlich in 6-prozentiger Konzentration mit einer Gesamtmenge von lediglich 1 Liter pro 100 Quadratmeter als Punktbehandlung gegen vorhandene Unkräuter angewendet werden.

Alternativen

Was aber tun gegen Unkraut, abgesehen vom Jäten? Unter Sträuchern und hohen Stauden kann der offene Boden gehackt oder gegrubbert werden. Wenn das Wetter trocken genug ist, stirbt das Unkraut dann ab. Am besten ist es aber, den Boden nicht zu lockern, sondern mit einer etwa 5 bis 10 Zentimeter hohen Mulchschicht zu bedecken, in der kein Unkraut keimen kann. Das geschieht am einfachsten mit Laub aus dem Garten oder mit Rindenmulch, Holzchips oder Holzfasern, die man im Handel kaufen kann. Kompost ist weniger gut zum Mulchen geeignet, da er sehr nährstoffhaltig ist und bald nach dem Ausspülen eines Teils der Nährstoffe durch den Regen schnell von Unkräutern besiedelt wird. Kompost ist also ein wertvoller organischer Dünger, aber zum Mulchen nicht empfehlenswert.

Schwieriger ist die Situation, wenn Unkraut in den Fugen gepflasterter Flächen wächst. Es gibt Fugenkratzer in verschiedenen Formen, mit denen die unerwünschten Pflanzen mehr oder weniger erfolgreich herausgekratzt werden können. Einfacher geht es mit thermischen Geräten, mit denen auch viele Kommunen ihre Wege sauber halten. Am sichersten, aber technisch auch am aufwändigsten sind Apparaturen, die mit Heißwasser, -schaum oder -dampf das Unkraut abtöten. Einfacher, billiger und meist auch energiesparender sind Produkte, die die Pflanzen mit direkter Flamme abbrennen. Aber Vorsicht: Wenn Papier, Stroh oder trockenes Laub von der Flamme erfasst werden, können sie schnell Feuer fangen. Manche, innen trockene Hecken sind schon solchen Abflammgeräten zum Opfer gefallen. Und umweltfreundlich ist die thermische Unkrautbekämpfung wegen ihrer Emissionen an klimaschädlichem CO2 sowie and Stickoxiden und anderen Luftschadstoffen auch nicht, aber auf Pflasterflächen oft die einzige legale und praktikable Möglichkeit, Unkraut im Griff zu halten.

Und Wurzelunkräuter?

Alle Unkräuter haben Wurzeln, aber als "Wurzelunkräuter" werden diejenigen bezeichnet, deren unterirdischen Organe, meist die Wurzeln, besonders dauerhaft sind. Pflanzen wie die Zaunwinde, der Schachtelhalm oder der Giersch gehören in diese Gruppe. Sie sind durch Jäten, durch thermische Unkrautbekämpfung und sogar durch viele der zugelassenen Herbizide nicht nachhaltig zu bekämpfen, da sie immer wieder aus dem Boden austreiben. Das Erfolgsrezept gegen sie heißt "dranbleiben" und durch dauerndes Entfernen der Blätter und Triebe die Assimilatversorgung der Wurzeln so stark verringern, dass die Pflanzen sich erschöpfen. Das bedeutet, dass das aus dem Boden erscheinende Grün so schnell wie möglich entfernt wird, je nach Wetter in einem Abstand von etwa zwei Wochen.

Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen

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