Kein Indian Summer?
Der Amberbaum Liquidambar styraciflua zeigt häufig eine besonders leuchtend rote Herbstfärbung.
Zeigen Bäume keine Herbstfärbung, kann die Versorgung mit Nährstoffen oder Wasser der Grund sein
In manchen Jahren zeigen Bäume, deren Laub sonst gelb oder rot wird, kaum Herbstfärbung. Das kann unterschiedliche Gründe haben.
Wenn sich im Herbst die Blätter vieler Bäume gelb, orange oder rot färben, kann daraus ein Farbenmeer entstehen. In Nordamerika spricht man, wenn sich ganze Wälder färben, vom "Indian Summer". Ahorne und Amberbäume zeichnen sich dabei besonders aus. In manchen Fällen lässt aber besonders bei jüngeren Pflanzen in Privatgärten die Färbung auf sich warten, das Laub bleibt bis November oder Dezember grünlich und fällt sehr spät ab, ohne Laubfärbung zu zeigen. Besonders auffällig ist das bei Amberbäumen (Liquidambar styraciflua), kann aber auch bei anderen Gehölzen vorkommen. Woran liegt es nun, wenn die Herbstfärbung nicht den Erwartungen entspricht, und was kann man tun, um die Laubfärbung zu fördern?
Sorteneigenschaften
Werden Gehölze durch Samen vermehrt, sind deren Eigenschaften aus genetischen Gründen recht unterschiedlich. So gibt es unter den Sämlingen Pflanzen, die besonders stark ihr Laub färben, aber auch Pflanzen, die wenig dazu neigen. Während beispielsweise bei Ginkgo-Bäumen (Ginkgo biloba) die Unterschiede gering sind, gibt es beim Amberbaum oft Exemplare, die weniger Herbstfärbung zeigen als andere. Am besten kann man dem Risiko, einen solchen Baum zu kaufen, aus dem Weg gehen, indem man veredelte Pflanzen bestimmter Sorten pflanzt, die sicher Herbstfärbung zeigen. Beim Amberbaum sind das zum Beispiel die Sorten 'Burgundy' und 'Oktoberglut' mit besonders intensiver Herbstfärbung, 'Gumball' mit kugelförmiger Krone oder die schlank wüchsige Sorte 'Worplesdon'.
Standort und Düngung
Aber auch bei Pflanzen dieser Sorten kann die Herbstfärbung enttäuschend schwach sein, wenn die Bedingungen ungünstig sind. So ist für eine intensive Herbstfärbung ein sonniger Standort wichtig, denn im Schatten ist sie generell schwächer. Außerdem spielt die Nährstoffversorgung eine wichtige Rolle. Vor allem eine hohe Stickstoffdüngung kann dazu führen, dass die Pflanzen lange wachsen, spät ausreifen und dadurch dann wenig Herbstfärbung zeigen. Zu einer überhöhten Stickstoffversorgung kann beispielsweise eine zu hohe Düngung von Jungbäumen (mit mehr als 5 Gramm Stickstoff pro Quadratmeter Wurzelraum) führen, aber auch hohe Nährstoffgaben auf benachbarten Rasen- und Staudenflächen, die sich im Wurzelraum befinden. Wenn die Pflanzen wenig Laubfärbung zeigen, sollte also überprüft werden, ob die Düngung des Baums selbst oder der benachbarten Flächen zu hoch war, und die Düngung gegebenenfalls zukünftig reduziert werden.
Trockenheit
Ein weiterer Grund für eine ungenügende Herbstfärbung kann eine hohe Wasserversorgung im Spätsommer/Herbst sein. Selbstverständlich benötigen Gehölze vor allem in den ersten drei Anwachsjahren eine ausreichende Wassermenge, und wenn die Versorgung immer bedarfsgerecht ist, stört sie auch die Herbstfärbung nicht. In manchen Fällen reicht das Wasser aber im Früh- und Hochsommer nicht aus oder ist sehr knapp, sodass die Pflanze unter Trockenstress leidet und ihr Wachstum bremst oder sogar ganz einstellt. Wenn das der Fall ist und dann im Spätsommer durch natürliche Regenfälle oder durch Bewässerung wieder genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht, kann es dazu kommen, dass die Pflanze erneut starkes Wachstum zeigt, im Herbst schlecht ausreift und wenig Herbstfärbung zeigt. Das ist hinzunehmen, denn die Hauptsache ist, dass die Pflanze den Trockenstress gut überstanden hat. Wenn sie im folgenden Sommer ausreichend versorgt ist, wird sie wieder die erwartete Herbstfärbung zeigen.
Boden
Eine Besonderheit des Amberbaums ist seine Kalkempfindlichkeit. In vielen Quellen ist zwar zu lesen, dass der Amberbaum saure "bis neutrale" Böden liebt, aber er kann schon bei einem pH-Wert des Bodens knapp über 7,0, den die meisten anderen Gehölze gut ertragen, unter Eisenmangel leiden. Der verursacht eine Gelbfärbung des Laubs (Chlorose) im Hochsommer und kann dazu führen, dass das restliche Laub im Herbst nicht gut ausreift und erst spät Herbstfärbung zeigt oder die pflanze ihr gesamtes Laub abwirft. Vor der Pflanzung eines Amberbaums sollte daher sichergestellt werden, dass der pH-Wert des Bodens deutlich unter 7,0 liegt. Ähnlich kalkempfindlich ist der Rot-Ahorn (Acer rubrum) und noch empfindlicher die Sumpf-Eiche (Quercus palustris), die ebenfalls beide eine schöne Herbstfärbung zeigen.