<p>Die Blüten der Feigen stehen im Inneren des Fruchtstands und sind von außen nicht erkennbar.</p>
© Heinrich Beltz
12.08.2026
Ertrag bei Feigen ist von Befruchtung abhängig

Befruchtungsbiologie von Feigenbäumen ist äußerst kompliziert

Echte Feigenbäume (Ficus carica) sind mediterrane Obstgehölze, die leckere Früchte tragen können. Wer Pflanzen oder Vermehrungsmaterial als Souvenir aus dem Mittelmeerraum mitbringt, ist aber oft enttäuscht, da diese keine Früchte tragen. Das hängt mit ihrer komplizierten Befruchtungsbiologie zusammen.

Das, was wir als Feigenfrucht ansehen, ist botanisch ein ganzer Fruchtstand, der aus vielen kleinen, nach innen gekehrten Blüten besteht. In den unscheinbaren, wie kleine Früchte aussehenden Blütenständen stehen weibliche oder weibliche und männliche Blüten nebeneinander, die man von außen nicht sehen kann. Die Blüten werden ausschließlich durch die Feigengallwespe (Blastophaga psenes) bestäubt, ein winziges, nur 2 Millimeter großes, schwarzes Insekt aus der Familie der Feigenwespen (Agaonidae), die in Symbiose mit den Feigenbäumen lebt. Sie kommt vor allem im Mittelmeerraum vor, aber kaum nördlich der Alpen.

Bocksfeigen

Die Feigengallwespen sind zum Überleben auf die so genannten Bocks- oder Caprifeigen (Ficus carica var. caprificus) angewiesen, deren Früchte ungenießbar sind, die aber den Pollen für die Smyrna-Feigen liefern. Im Frühjahr fliegen die weiblichen Gallwespen aus den Gall-Früchten (Mamme) der Bocksfeige in die erste neue Generation der Bocksfeigenblüten ("Profichi") mit kurzgriffeligen weiblichen Blüten und legen dort Eier ab, aus denen Männchen sowie Weibchen schlüpfen, die beim Verlassen der Profichi deren Staubgefäße streifen (die nur die Profichi bilden) und Pollen mitnehmen.

Ein Teil von ihnen fliegt zu den langgriffeligen weiblichen Blütenständen der Smyrna-Feigen, bestäubt sie, kann dort aber keine Eier ablegen. Der andere Teil fliegt zu der zweiten Generation der Blütenstände der Bocksfeigen ("Fichi"), die sie bestäubt und aus denen sich Feigensamen bilden können, aber in denen die Tiere wegen der langen Griffel ebenfalls keine Eier ablegen können. Dann fliegen die Weibchen weiter auf die dritte Generation Blütenstände der Bocksfeigen ("Mamme") mit kurzgriffeligen weiblichen Blüten, in die sie ihre Eier ablegen können, und aus denen sich über Winter in Gallen Tiere beider Geschlechter entwickeln. Die weiblichen Tiere fliegen dann nach der Befruchtung durch die Männchen zu den Profichi, legt dort ihre Eier ab, und der Zyklus beginnt von vorn.

Haus- oder Herbstfeigen

Die Haus- oder Herbstfeigen (Ficus carica L. var. domestica), deren Früchte wir ernten, besitzen keine Staubgefäße. Herbstfeigen (Unifera) tragen nur einmal im Jahr, Hausfeigen (Bifera) zweimal pro Jahr. Die Blühfeigenfrüchte (Vorfeigen, Sommerfeigen, Breva, Breba) sind die erste Generation von Früchten, die im Sommer reift und je nach Sorte und Standort oft geringer ist, aber größer und aromatischer wird. Die Blütenknospen werden im Vorjahr angelegt, die Blütenstände erscheinen aber erst im Frühjahr an den Triebspitzen der verholzten Zweige, wenn darüber die belaubten Triebknospen austreiben.

Herbstfeigenfrüchte bilden sich an den im Sommer wachsenden Trieben, reifen von September bis November, sind aber kleiner und zahlreicher als die Blühfeigen. Die zuletzt gebildeten Früchte können im Herbst nicht mehr ausreifen, sondern erfrieren oder verfaulen an den Trieben vor der Reife. Nur einzelne unreife Früchte überstehen unter Umständen den Winter und reifen im Sommer danach.

Smyrna-Feigen benötigen zur Fruchtbildung den Pollen der Bocksfeigen, der von den Gallwespen übertragen werden muss. In den Anbaugebieten werden dafür Zweige der Bocksfeige in die Sträucher gehängt (Kaprifikation). Wegen ihrer herausragenden Qualität werden für den Erwerbsanbau ausschließlich Smyrna-Feigen verwendet. Wer aus dem Urlaub Smyrna- oder Bocksfeigen mitbringt oder aussät, kann mangels Gallwespen nördlich der Alpen normalerweise keine Früchte ernten, obwohl die Sträucher kräftig wachsen.

San Pedro Feigen wie die Sorte 'Desert King' tragen nördlich der Alpen nur im Sommer jungfernfrüchtige (parthenokarpe), sehr aromatische Früchte, da die späteren Blüten an den Fruchtständen am Neuaustrieb (Herbstfeigen) auf Bestäubung durch die Feigengallwespen angewiesen sind und daher nicht ausreifen, sondern abfallen. Starke Fröste, bei denen im Winter die Blütenstände für die Sommerfeigen erfrieren, können allerdings zu vollständigem Ernteausfall führen.

Adria-Feigen (Hausfeigen, Kulturfeigen): In Mittel- und Nordeuropa werden wegen der fehlenden Gallwespen meist parthenokarpe Sorten wie 'Brown Turkey', 'Bayernfeige Violetta' oder 'Firoma' gepflanzt, die auch ohne Bestäubung Früchte ansetzen. Normalerweise bilden sie zwei Generationen von Früchten (Sommer- und Herbstfeigen), nach starken Winterfrösten zumindest Herbstfeigen.

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