Traubenduft gegen den Traubenwickler

28.04.2020 Forschung & Technik

Moderne Schädlingsbekämpfung mit dem Smartphone

Das Smartphone zur Schädlingsbekämpfung nutzen? Das funktioniert, sagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dossenheim/Siebeldingen. Das Smartphone dient dabei als technisches Hilfsmittel, mit dessen Hilfe sich das Auftreten des Weinschädlings besser vorhersagen lässt.

Die Forscherinnen und Forscher des JKI in Dossenheim wollen eine Eiablage-Karte entwickeln, die das Vorkommen von Traubenwicklern prognostiziert. Damit können die Schädlinge gezielt bekämpft werden, und Pflanzenschutzmittel werden eingespart.

Gefürchteter Traubenschädling

Die weiblichen Falter des Traubwicklers legen ihre Eier an die Rebstöcke und Trauben. Nach dem Schlüpfen der Larven kommt es zu Fraßschäden und in Folge dieser zu Schimmelbefall. Mitte Juli schlüpft die zweite Wickler-Generation, die den Hauptschaden verursacht. Die Weibchen legen dabei ihre Eier auf die Beerenhaut, die schlüpfenden Larven fressen sich in die Beeren hinein. Im Juli/August sind auf den Beeren dunkler gefärbte Stellen um ein Einbohrloch erkennbar. Später werden benachbarte Beeren regelrecht zusammen gesponnen und von innen ausgehöhlt. Diese Befallsnester können Ausgangspunkt für Fäulnis wie Grauschimmel (Botrytis) sein.

Eiablage-Karte, die besonders gut riecht

Zu wissen, wann und wohin die Weibchen fliegen, kann also die Bekämpfung der Larven enorm verbessern. Denn die jungen Larven müssen erwischt werden, bevor sie in die Beeren eindringen. Mit der Smartphone-App sollen die Winzer zukünftig den Zeitpunkt des Auftretens und die Schwere des Schädlingsbefalls leichter und genauer als bisher bestimmen können. Bislang müssen die Winzer nämlich circa 100 Weintrauben auf die winzigen Eigelege untersuchen, um den Schädlingsbefall zu bestimmen, was mit bloßem Auge fast unmöglich ist. „Wir müssen die Karte für das Eiablage-Monitoring so attraktiv gestalten, dass die weiblichen Traubenwickler bevorzugt dort ihre Eier ablegen wollen“, berichtet Dr. Margit Rid vom JKI-Standort Dossenheim. Die Wissenschaftlerin hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersucht, an welchen Geruchsreizen sich die Traubenwickler-Weibchen orientieren und welche Oberflächen sie für die Eiablage attraktiv finden. „Wir konnten in Verhaltensexperimenten zeigen, dass die Eiablage-Rate der Weibchen am höchsten ist, wenn Optik, Oberfläche und Geruch stimmen“, fasst Rid die Erkenntnisse zusammen.

Als besonders entscheidend erwies sich jedoch die Wachsschicht auf der Beerenoberfläche mit ihrer Hauptsubstanz Oleanolsäure. Für die Eiablage scheint es für die Traubenwickler-Weibchen also wichtig zu sein, dass es nach Weinbeere riecht. Es wurden vier verschiedene Rebsorten im Versuch eingesetzt. Die Doktorandin Anna Markheiser erforschte am JKI-Standort Siebeldingen, welche Form und Farbe die ideale Eiablage-Karte haben sollte, und untersuchte die Attraktivität weiterer einzelner Duftstoffkomponenten. Mit der Eiablage-Karte und der App ließe sich der Ei-Besatz auf der Karte mit der tatsächlichen Ei-Dichte im Weinberg genau korrelieren. So könnte eine Überschreitung der Schadschwelle festgestellt und dann der Einsatz der Schutzmaßnahmen exakt geplant werden.

Quelle: JKI