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Umwelt & Verbraucher
29.10.2013

Verbraucher kaufen lieber perfekte Lebensmittel

Verbraucher kaufen am liebsten Obst und Gemüse, das auch lecker aussieht. Foto: Fotolia

Auch das Einkaufsverhalten macht Pflanzenschutz unverzichtbar

Zu klein, zu groß, zu krumm, zu fleckig – wenn Obst und Gemüse nicht dem Idealbild entspricht, landet es schnell im Abfall, anstatt im Verkaufsregal. Handel und Verbraucher stellen meist hohe Anforderungen an Aussehen und Qualität von Karotten, Kartoffeln, Äpfeln & Co. In diesem Jahr starteten einige Händler den Versuch, Lebensmittel mit äußeren Mängeln anzubieten. Mal sehen, ob es dreibeinige Karotten, 300 Gramm schwere Kartoffeln und Äpfel mit Schorfflecken in die Einkaufswagen schaffen. In der Regel entscheiden sich die Verbraucher für die Ware, die am schönsten aussieht – denn das Auge kauft und isst mit.

Germany`s next Top-Gemüse

Eigentlich sind Obst und Gemüse Naturprodukte. Was heute in den Verkaufstheken liegt, ist oft erstaunlich gleichmäßig gewachsen. „Einheitsware“ lässt sich besser stapeln, in Kisten verpacken und verschicken. Die Anforderungen an die Qualität der Lebensmittel sind gestiegen. Zwei Beispiele dafür: Kam es vor ein paar Jahren noch vor, dass auf einem Kopfsalat eine Blattlaus herumkrabbelte, tolerieren die Abnehmer das heute keinesfalls. Die meisten Gemüsebauern schützen ihre Pflanzen daher vorsorglich gegen Blattläuse. Und obwohl es nur das Aussehen betrifft, duldet der Handel bei Äpfeln oder Kartoffeln keinerlei Schorfflecken mehr. Also müssen Landwirte ihre Pflanzen vor Pilzen oder Schädlingen schützen. Ohne die Hilfe von Pflanzenschutzmitteln wären makellos aussehende Produkte kaum zu erzeugen. Ihr Einsatz steht folglich in einem direkten Zusammenhang mit dem Einkaufsverhalten des Handels und der Konsumenten.

Vermarktung von Lebensmitteln mit Schönheitsfehlern – ein paar Beispiele:

Ende Juli 2013 hat die Schweizer Lebensmittelkette Coop Aprikosen mit Hagelschäden ins Sortiment aufgenommen. Seit Ende August bietet sie außerdem unter der Marke "Ünique" in gesonderten Regalen und zu einem günstigeren Preis kleine oder unförmige Gemüse- und Obstsorten an. Auch Edeka und seine Discount-Tochter Netto verkaufen im Oktober vier Wochen lang unter dem Motto „Keiner ist perfekt“ in Testmärkten Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern. Der Handelskonzern Rewe verkauft in Österreich seit Anfang Oktober Äpfel, Karotten und Kartoffeln mit „eigenwilligem“ Aussehen unter der Eigenmarke „Wunderlinge“. Drei Studenten für visuelle Kommunikation der Weimarer Bauhaus-Universität haben für ihre Diplomarbeit das Konzept der Lebensmittelkette „Ugly Fruits“ entwickelt. Diese soll nur Obst und Gemüse verkaufen, das normalerweise nicht ins Geschäft gelangen würde. Sollte daraus tatsächlich ein Unternehmen entstehen, sehen es die Studenten als wichtig an, dass in den Geschäften ausschließlich Obst und Gemüse mit optischen Mängeln verkauft wird und keine „schönen“ Lebensmittel daneben liegen. Sie fürchten, dass bei direkter Konkurrenz die nicht ganz so schönen Erzeugnisse neben den einwandfreien minderwertig aussehen würden. Das „hässliche“ Obst bliebe dann wahrscheinlich liegen.

Auf die Ergebnisse der Testverkäufe darf man gespannt sein.

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