Der Warzenbeißer ist Insekt des Jahres 2026
Das Insekt des Jahres 2026: Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus).
Der Warzenbeißer ist Insekt des Jahres 2026
Langfühlerheuschrecke steht exemplarisch für bedrohte Artenvielfalt
Der Warzenbeißer wurde als „Insekt des Jahres 2026“ ausgerufen. Mit seiner Wahl soll nicht nur auf den Rückgang dieses Insekts in der Natur aufmerksam gemacht werden, sondern auch auf die Bedeutung von Magerrasen und extensiv genutzten Wiesen.
Der Warzenbeißer ist in Asien und ganz Europa verbreitet. In Deutschland findet man ihn im gesamten Bundesgebiet. Jedoch führt der Wandel in der Landschaft zu einem Rückgang des Warzenbeißers: „Die intensivere Landwirtschaft, Drainage und Aufforstung zerstören seine Lebensräume – offene, halbtrockene Magerrasen, die für die Art so wichtig sind, verschwinden immer mehr“, mahnt Professor Dr. Martin Husemann, Direktor am Naturkundemuseum Karlsruhe und diesjähriger Schirmherr.
Beschreibung des Warzenbeißers
Die Langfühlerheuschrecke mit dem lateinischen Namen Decticus verrucivorus ist bis zu 4 Zentimeter groß und hat einen bulligen Körper. Besonders charakteristisch ist das würfelförmige Muster auf seinen kurzen Vorderflügeln, wodurch eine Verwechslung praktisch ausgeschlossen werden kann. Seine Farben reichen von leuchtendem Grün bis zu erdigen Brauntönen. Diese Variabilität macht den Warzenbeißer sehr anpassungsfähig an verschiedenste Habitate. Denn so kann er sich in verschiedenen Lebensräumen optimal vor Fressfeinden – vor allem Vögeln –tarnen. Zusätzlich hilft ihm seine Strategie des Versteckens: „Männchen klettern auf Pflanzen, um von dort mit ihrem Gesang Weibchen anzulocken – bei Gefahr verstummen sie aber und lassen sich leise zu Boden fallen. Damit entgehen sie vielen Feinden“, so Professor Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts. In historischen Berichten ist sogar von regelrechten Kämpfen mit Vögeln zu lesen, bei denen die Heuschrecken ihren Verdauungssaft verspritzten. Diesem „scharfem Saft“ verdankt das Insekt auch teilweise seinen Namen. Denn nach altem Volksglauben waren die Menschen überzeugt, dass der Saft und ein kräftiger Biss des Insekts Warzen heilen könnten.
Lebenszyklus der Warzenbeißer
Erwachsene Warzenbeißer sind von Juni bis Oktober aktiv, am häufigsten im August. Sie fressen zwar auch Pflanzliches, sind aber vor allem räuberisch unterwegs und jagen andere Insekten. Obwohl die Heuschrecke flugfähig ist, bewegt sie sich vor allem mit kräftigen Sprüngen. Mit ihren markanten Lauten, die dem Motor eines alten Traktors ähneln sollen, vertreiben die Warzenbeißer-Männchen Rivalen und locken Weibchen an. Der langsam beginnende und dann immer schneller werdende Gesang ist bei Sonnenschein ab etwa 23 Grad Celsius zu hören. Die Weibchen legen im Spätsommer und im Herbst 200 bis 300 Eier ab. Manche davon überdauern bis zu sieben Jahre im Boden. Dabei handelt es sich um eine biologische Absicherung, falls die Bedingungen für den Schlupf im folgenden Frühjahr ungünstig sein sollten. Egal ob Spätzünder oder nicht – die sogenannten Nymphen schlüpfen im Mai oder Juni und sehen schon wie kleine Warzenbeißer aus, haben allerdings noch keine Flügel. Nach mehreren Häutungen sind sie ab Juli ausgewachsen und beginnen selbst mit der Fortpflanzung.
Botschafter für gefährdete Lebensraumtypen
Das Kuratorium wählte den Warzenbeißer auch als Insekt des Jahres aus, um die Aufmerksamkeit auf den Erhalt ihrer Lebensräume zu lenken. Denn größere Populationen des Insekts sind nur dann anzutreffen, wenn ausreichend große Flächen zur Verfügung stehen. Besonders problematisch ist die Isolierung kleiner Populationen. Denn wenn natürliche Korridore fehlen, wird genetischer Austausch erschwert. Natürliche Korridore sind Verbindungsflächen zwischen Lebensräumen, zum Beispiel breite Wiesenstreifen, ungemähte Randbereiche, Hecken oder Säume. Durch diese Verbindungen können sich Tiere aus verschiedenen Populationen miteinander paaren. Das sorgt für größere genetische Vielfalt und bessere Anpassungsfähigkeit der Insekten, und damit letztendlich auch für ihr Überleben.
Das Insekt des Jahres wird seit 1999 jährlich von einem unabhängigen internationalen Kuratorium gewählt und meist im November für das darauffolgende Jahr auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Dem Expertengremium gehören namhafte Vertreter aus Insektenkunde, wissenschaftlichen Gesellschaften und Einrichtungen an. Die Idee für die Wahl stammt vom Professor Dr. Holger Dathe, dem damaligen Leiter des Deutschen Entomologischen Instituts in Eberswalde. Wie die bisherige Erfahrung zeigt, trägt die öffentlichkeitswirksame Aktion dazu bei, die Bevölkerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz breit über die ökologisch außerordentlich bedeutungsvollen, aber oft unterschätzten Insekten zu informieren und Vorurteile abzubauen.
Weitere Informationen
Pressemeldung zur Wahl des Insekts des Jahres 2026 der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung vom 3. Dezember 2025