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Schule & Wissen
19.10.2021

Popcorn ist nur die Spitze des „Maisbergs“

Mais ist die wichtigste Getreidekultur weltweit. Foto: Fotolia

Mais ist die wichtigste Getreidekultur weltweit

Ein Kinobesuch wird für viele erst mit einer Tüte Popcorn zu einem runden Erlebnis. Für einen Filmabend zuhause kann man aber selbst mit Pfanne oder Mikrowelle den fluffigen Snack zubereiten. Wichtig dafür ist Popcornmais. Die meisten hierzulande angebauten Maissorten sind dafür ungeeignet. Über die Sortenvielfalt und Verwendungsmöglichkeiten der wichtigen Pflanze könnte man viele Bücher füllen.

Wissenswert

Ebenso wie der bei uns in Konserven erhältliche Gemüsemais, auch Zucker- oder Süßmais genannt, ist der Popcornmais auf ein besonders mildes Klima angewiesen. Dort kann er auf Feldern und in Gärten von Ende April bis in den Oktober angebaut werden. Die geernteten Kolben müssen vor der Popcornzubereitung getrocknet werden. Während des Erhitzens wird aus dem Restwasser im Innern der Körner Wasserdampf, der das harte Korn ab einer Temperatur von etwa 170 Grad Celsius zum Explodieren bringt. Dabei dehnt sich die durch Hitze und Druck verflüssigte Stärke schlagartig aus, kühlt dann aber schnell ab und bildet die Popcornflocke. Popcornmais, auch Puffmais genannt, platzt im Gegensatz zu anderen Maissorten vollständig auf.

Der weitaus größte Teil der in Deutschland angebauten Maissorten sind aber Zahn- und Hartmaissorten. Mit nicht zu übersehenden 3 Meter hohen Stängeln prägen sie das Bild in vielen landwirtschaftlichen Regionen. Diese werden zu rund 20 Prozent als Körnermais verwertet. Geerntet wird dann nur der Kolben, die übrige Pflanze ist im Normalfall bereits komplett vertrocknet. Aus den Körnern entstehen Maismehl, Maisgries, Maisstärke oder Viehfutter.

Wenn die Pflanzen ein paar Wochen früher geerntet werden, steht die Nutzung als Silage im Vordergrund. Mit den kleingehäckselten, durch Milchsäuregärung konservierten Maispflanzen füttern Landwirte ihre Rinder oder Biogasanlagen. In den großen runden Fermentern werden aus einem Hektar Mais etwa 5000 Kubikmeter Methangas. Das deckt etwa den Energiebedarf von drei durchschnittlichen 4-Personen-Haushalten für Heizung und Warmwasser.

Anders als in Europa ist Mais in anderen Kontinenten, besonders in Lateinamerika und Afrika, ein wichtiges Grundnahrungsmittel für die menschliche Ernährung. Maismehl eignet sich zur Herstellung von Teigen, Brot und Tortillas. Maisgrieß ist das Ausgangsprodukt für Polenta. Eine Besonderheit ist Babymais: Das sind die knapp 10 Zentimeter langen Kolben des Gemüsemais, die unreif gepflückt und in Gemüse- und Grillgerichten verwendet wird. Ebenso stecken sie als Mixed Pickles in Sauerkonserven.

Im Vergleich zu anderen Gemüsearten, die oft nur 20 Kilokalorien pro 100 Gramm aufweisen, ist Mais mit etwa 90 Kilokalorien relativ energiereich. Er ist glutenfrei, enthält aber erwähnenswerte Mengen an Beta-Carotin und Folsäure, die wichtig für das Sehen beziehungsweise für Wachstumsprozessen, Zellteilung wie auch für die Blutbildung sind. Mais ist das Gemüse des Jahres 2021/2022. Damit will der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt auf die sehr große Formen-beziehungsweise Sortenvielfalt der Kulturpflanze hinweisen.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat des Mais (Zea mays) ist das subtropische und tropische Mittel- und Südamerika. Wie ganz viele andere Pflanzen kam er nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus nach Europa. Spezielle Züchtungen mit einem geringeren Wärmebedarf ermöglichen den Anbau auch in Norddeutschland. Besonders ertragreich ist die Kultur auf nährstoffreichen, milden Standorten. Wasser benötigt Mais vor allem während der Blüte im Juli. Er geht effizienter mit Wasser um als die meisten anderen Feldfrüchte.

Anbau

Wenn der Boden mindestens 8 bis 10 Grad Celsius aufweist und keine Kältephasen mehr drohen, kann die Aussaat erfolgen. Das ist im Idealfall Mitte April, kann aber auch erst Mitte Mai sein. Auf Spätfrost reagiert die Pflanze mit langen Wachstumsstockungen. Im landwirtschaftlichen Anbau wachsen etwa sieben bis zehn Pflanzen pro Quadratmeter. Der Reihenabstand schwankt zwischen 45 und 75 Zentimetern. Das wichtigste Kriterium bei der Sortenwahl ist die Reifezahl. Sorten mit einer Einstufung von unter 200 sind relativ ertragsarm. Sie werden aber auch bei nur 14 bis 15 Grad Celsius Durchschnitttemperatur von Mai bis September reif. Ertragreichere Sorten mit einer Reifezahl von 350 brauchen über 17 Grad Celsius. Gemüsemais für den Frischverzehr wird in der besonders milden Region rund um Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe angebaut.

Pflanzenschutz und Düngung

Im landwirtschaftlichen Anbau reichen meistens eine Saatgutbeizung gegen Auflaufkrankheiten, Vogelfraß und Insekten sowie eine Maßnahme gehen Unkräuter aus. Schwieriger zu verhindern sind Schäden durch Wildschweine, die ganze Felder verwüsten können. In der Jugendentwicklung braucht Mais leicht verfügbares Phosphat, was bei der Saat gedüngt wird. Das ab Mitte Juni einsetzende Massenwachstum geht zeitlich meistens mit der Verfügbarkeit von Nährstoffen aus organischen Düngern einher. Mais verwertet bedarfsgerechte Gülle- oder Stallmistgaben daher sehr gut.

Ernte und Lagerung

Der Erntezeitpunkt hängt stark vom Witterungsverlauf ab. Ein warmer und trockener Sommer beschleunigt die Reife. In der Regel erfolgt die Silomaisernte ab Mitte September und die Körnermaisernte ab Mitte Oktober. Körnermais ist erst ab Kornfeuchten unter 15 Prozent lagerfähig. Deswegen muss er möglichst trocken geerntet und anschließend getrocknet werden. Frischer Gemüsemais hat bei uns von Juli bis November Saison. Die Maiskolben sollten aber nur wenige Tage gelagert werden, weil sich der Zucker nach und nach zu Stärke umwandelt.

Zahlen

In Deutschland wuchsen 2021 auf 0,4 Millionen Hektar Körnermais (mit rund 4,0 Millionen Tonnen Ertrag) und auf 2,2 Millionen Hektar Silomais. Die gesamte deutsche Ackerfläche ist 11,7 Millionen Hektar groß. Gemüsemais hat in Deutschland eine Anbaufläche von gerade einmal 2055 Hektar (Zahlen: Destatis). Die größten Körnermaisproduzenten weltweit waren 2019 die USA (347,0 Millionen Tonnen), China (260,8 Millionen Tonnen) und Brasilien (101,1 Millionen Tonnen; Zahlen: FAO). Körnermais führt die Welterntestatistik 2020/2021 mit 1,134 Millionen Tonnen deutlich vor Weizen (773 Millionen Tonnen) und Reis (504 Millionen Tonnen; Zahlen: USDA) an.

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