"Keine halben Sachen"

11.08.2011 Schule & Wissen

Zu Besuch bei Achim Petkens' Gartenbau

Am Ortsrand von Kerken tauchen mehrere Gewächshäuser hinter hohen Bäumen auf. Da muss er sein, der Gartenbaubetrieb von Achim Petkens. Mehrere PKWs biegen in die Hofeinfahrt ein. Die Besucher steigen aus und werden sogleich freudig vom Hofhund begrüßt. Dahinter folgt der Chef des Betriebs, lässig in Jeans und hellem Hemd. „Es freut mich, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Ich zeige Ihnen gerne, wie wir Gemüse erzeugen“, begrüßt er seine Gäste. Und ergänzt gleich: „Top-Qualität ist die Voraussetzung für alles Weitere – wir machen keine halben Sachen."

Ohne Qualität ist alles nichts

Ohne Umwege führt er seine Besucher in ein Gewächshaus. Auf rund 5 000 Quadratmetern wachsen hier je nach Jahreszeit Kopf- und Feldsalat, Tomaten, Paprika, Stangenbohnen und Gurken. Als sich die Schiebetür öffnet, schlägt den Besuchern eine Wand aus schwül-warmer Luft entgegen. Zehn angehende Geographie-Lehrer wollen in dem Betrieb in der Nähe von Krefeld am Niederrhein einen Einblick in die Lebensmittelerzeugung gewinnen, um ihren Schülern das Thema vermitteln zu können. Petkens erläutert, dass die Erzeugnisse aus seinem Unterglas-Anbau überwiegend im eigenen Ladenlokal im knapp 15 Kilometer entfernten Kempen und auf dem Wochenmarktstand in Duisburg-Rheinhausen verkauft werden. Auf die Frage, worauf die Kunden besonders achten, antwortet er: „Hohe Qualität ist das A und O.“ Der Preis sei hingegen für seine Stammkunden nicht das erste Kaufkriterium. Mit Aktionsangeboten der Discountergeschäfte könne und wolle er ohnehin auf Dauer nicht mithalten. „Qualität“ – das sei für seine Kunden ein frisches und sauberes Produkt. Regelmäßige unabhängige und unangemeldete Kontrollen bescheinigen seinen Erzeugnissen diese Eigenschaften. 

Nützlinge sind wichtige Helfer 

Zum Thema Sauberkeit vertritt der Gärtnermeister, der bereits seit 1983 ausbildet, den Standpunkt: „Schädlinge, Bakterien oder Pflanzenschutzmittel haben nichts in den Erzeugnissen zu suchen. Dafür setze ich auf integrierten Pflanzenschutz .“ Das heißt auf die durchdachte Kombination chemischer, biologischer und mechanischer Verfahren. Er hält einen Karton hoch. Der Inhalt: Tausende hungriger Raubmilben, die nur darauf warten freigelassen zu werden. Ihr Futter sitzt bereits auf den Tomaten: Schädliche Weichhaut- und Spinnmilben sind ein gefundenes Fressen für die nützlichen Räuber. Diese biologische Pflanzenschutzmethode funktioniert allerdings nur in geschlossenen Räumen. Ohne Dach über dem Kopf würden die Räuber ausbüchsen.

Kontrolliert-integrierter Anbau 

Einige hundert Meter weiter und eine Viertelstunde später steht die Gruppe auf einem Gemüsefeld. Blumenkohlköpfe wachsen hier in Reih’ und Glied und sehen wie gemalt aus. Hier hat Petkens keine Nützlinge gegen Kohlweißling oder Kohlmotte eingesetzt, sondern ein speziell gegen diese Schädlinge wirkendes Insektizid. „Ich spritze nicht auf Verdacht, sondern erst, wenn ein gewisser Befall überschritten ist.“ Und weiter: „Wenn ich Pflanzenschutzmittel genau nach Gebrauchsanleitung einsetze, brauche ich mir um Rückstände keine Sorgen zu machen.“ Den Blumenkohl von rund 30 Hektar verkauft Petkens überwiegend an die nahe Absatzzentrale. Der Großkunde legt besonderen Wert auf Qualität. Farbe, Form und Geschmack müssen einwandfrei sein. Petkens zeigt seinen Besuchern einen Ausdruck. Darauf sind alle Maßnahmen, von der Bodenbearbeitung, über die Pflanzung und Pflege bis zur Ernte nachprüfbar dokumentiert. Dies sei eine entscheidende Voraussetzung für die Vermarktung des Blumenkohls unter dem Label „kontrolliert-integriert“.

Tüfteln ohne Ende 

Eine Besucherin stolpert fast über einen zigarrendicken schwarzen Kunststoffschlauch, der zwischen den Pflanzenreihen liegt. Er ist Teil eines Schlauchsystems, das sich über den ganzen Acker zieht. „Das ist unsere neue Tropfbewässerung. Alle 50 Zentimeter tropft Wasser aus den Schläuchen.“ Im Vergleich zu den zuvor verwendeten großen Beregnungskanonen seien die eher unspektakulären Schläuche zwar teurer in der Anschaffung und aufwändiger zu verlegen. Aber unter dem Strich böten sie viele Vorteile: Nicht nur Energie-, Wasser- und Wartungsaufwand gingen zurück, auch Pilzkrankheiten seien rückläufig, weil die Pflanzen nicht ständig von oben nass würden. Die Investition macht sich bezahlt. Das technische Sahnehäubchen ist für Achim Petkens die Injektoranlage. Am Feldrand steht die Vorrichtung, mit der dem Wasser die wichtigen Pflanzennährstoffe zugemischt werden. „Wir können über die Anlage exakt soviel Stickstoff, Phosphor oder Kali düngen, wie die Pflanzen brauchen. Weil wir alle 14 Tage Bodenproben analysieren lassen, wissen wir ganz genau, wie groß die Vorräte im Boden noch sind.“ Einer der Besucher hat eine ähnliche Anlage schon einmal in einem Gewächshaus gesehen. „Ja, dort gibt es sie bereits seit einiger Zeit. Aber wir haben uns die Frage gestellt, wieso das nicht auch im Freiland funktionieren soll“, so Petkens. Nach längerem Tüfteln verrichte jetzt die Anlage Marke Eigenbau ihren Dienst ohne Probleme. Überhaupt stellt der Gärtnermeister seine Arbeitsweise ständig auf den Prüfstand: „Ich bin immer auf der Suche nach neuen Ideen, wie ich meine Produktion noch effizienter gestalten kann.“ Er betont, dass er auch jetzt noch ständig lernen und den Betrieb verbessern müsse, um weiterhin erfolgreich zu bleiben.

Einstieg in den Obstbau

Nach intensiven Diskussionen und einigen „Aha-Effekten“ kehrt die Gruppe schließlich zum Hof zurück. Während die Besucher sich mit frisch gepflückten Erdbeeren stärken, erklärt Gartenbaumeister Petkens noch ein wenig mehr von seiner Unternehmerphilosophie. „Mit dem Obstbau bauen wir momentan ein neues Standbein auf. Unser Sohn Markus wird dafür nach seiner Ausbildung verantwortlich sein.“ Er bezieht ihn in Entscheidungen ein und gibt Verantwortung ab, um den Betrieb insgesamt voran zu bringen. „Das praktiziere ich auch bei unseren beiden anderen Söhnen Stefan und Niklas, die am Wochenende aushelfen, und nach Möglichkeit auch bei unseren meist langjährigen Saisonarbeitskräften.“ Neben den Erdbeeren passten Äpfel und Süßkirschen optimal in die Betriebsstruktur. Sie erweitern die Produktpalette und bieten die Gelegenheit, Arbeitskräfte, Vermarktungswege, Maschinen und Gebäude besser auszulasten. Ziel ist es, den Betrieb gut für die Zukunft aufzustellen. „Stillstand ist Rückschritt“, das gibt der engagierte Betriebsleiter seinen Besuchern mit auf den Heimweg. Achim Petkens handelt eben nach dem Motto: „Ganz oder gar nicht.“

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