Gemüsefenchel: immer häufiger auf dem Teller

26.09.2019 Schule & Wissen

Am anisartigen Aroma scheiden sich die Geschmäcker

Seit einigen Jahrzehnten ist der Gemüsefenchel zunehmend in mitteleuropäischen Gärten und Küchen zu Hause. Der Südeuropa-Import mit dem besonderen Geschmack bereichert das Spektrum der heimischen Gemüsesorten. Andere Fenchelsorten dienen als Gewürz- und Heilpflanze. Gärtner können die Knollen bis in den November hinein ernten. Vorausgesetzt, sie verhindern das Schossen und halten die Pflanzen gesund.

Wissenswertes

Gemüsefenchel hat ähnlich wie andere Gemüsesorten viele wertvolle Inhaltsstoffe. So zum Beispiel Vitamin A, C und E, Folsäure sowie zahlreiche Mineralstoffe. Doch den großen Unterschied zu Möhren, Tomaten und Co. machen die zahlreich und in bedeutenden Mengen enthaltenen ätherischen Öle. So sorgt Anethol für den anisähnlichen Geschmack. Es wirkt verdauungsfördernd, krampflösend und appetitanregend. Das bittere Fenchon hemmt das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Fenchel ist daher ein fester Bestandteil in der Volksmedizin. Die Inhaltsstoffe befinden sich in konzentrierter Form in den Samen.

Als Gemüse werden die sogenannten Knollen verzehrt. Sie sind eigentlich Zwiebeln, also verdickte, fleischige Blattstiele. Roh passt Fenchel gut zu Salaten, Möhren, Paprika, Gurken oder auch Äpfeln. Gekocht schmeckt er etwas milder und ist traditionell ein Partner in Fischgerichten. Aber er lässt sich auch mit hellen Fleisch- und Geflügelgerichten kombinieren. Klein gehackte Blätter dienen in dosierten Mengen zum Würzen von Salaten und Soßen, unter anderem der Sauce Vinaigrette. Die Pflanze ähnelt in ihrem Aussehen dem Gartendill und wird etwa 50 bis 80 Zentimeter hoch. Die Blattstiele sind glatt und rund, die Blätter sind sehr fein haarförmig geschlitzt.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat des Gemüsefenchels (Foeniculum vulgare var. azoricum) befindet sich im Mittelmeerraum und in Kleinasien. Er ist durch Züchtung aus dem Wilden Fenchel hervorgegangen. Zu seinen Verwandten zählen andere Doldenblütler wie Sellerie und Möhre. Seit einigen Jahrzehnten wird er nördlich der Alpen kultiviert. Arznei- und Gewürzvarietäten sind bereits seit Römerzeiten bei uns bekannt. Das Gemüse wächst auf nahezu allen Böden, besonders gut aber auf sonnigen, warmen und genügend feuchten Lehm- oder Lössstandorten.

Anbau

Im Profianbau werden die Pflanzen ab Mitte Januar im beheizten Gewächshaus vorgezogen, ab Anfang März im Freiland unter Folie ausgepflanzt und ab Ende Mai geerntet. Je nach Pflanztermin verschiebt sich der Erntetermin nach hinten. Gemüsefenchel aus heimischem Anbau ist bis Anfang November im Handel erhältlich. Er verträgt leichten Frost bis minus 5 Grad Celsius. Trockenheit und Langtagbedingungen können zum Schossen führen. Dadurch büßen die Knollen ihren Geschmack ein. Schossfeste Sorte wirken dem entgegen.

Pflanzenschutz und Düngung

Gemüsefenchel ist relativ robust. Bei engen Fruchtfolgen und staunassen Böden steigt jedoch das Risiko, an Botrytis, Phytium, Sclerotinia oder Bakterien-Knollenfäule zu erkranken. Insekten wie Blattläuse, Möhrenfliegen, Thripse oder Wanzen sowie Schnecken sind ebenfalls zu beachten. Die Pflanze zählt zu den Mittelzehrern; sie mag nährstoff- und basenreiche Böden.

Ernte und Lagerung

Die Ernte beginnt, wenn die Knollen etwa faustgroß und 200 bis 400 Gramm schwer sind. Frische Pflanzen sind im Geschäft an den weiß bis hellgrünen festen Knollen, am frischen grünen Laub und an Schnittflächen zu erkennen, die noch nicht verbräunt sind. Gemüsefenchel hält sich etwa eine bis zwei Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks. Noch etwas länger bleibt er appetitlich, wenn er in Sand eingeschlagen in einem kühlen Kellerraum gelagert wird.

Zahlen

Von 1992 bis 2016 ist die deutsche Anbaufläche von 120 auf 470 Hektar gewachsen Zum Vergleich: 2018 wuchs Spargel als größte Gemüsekultur auf 23 408 Hektar (Quelle: Statistisches Bundesamt). Anbauschwerpunkte für Gemüsefenchel sind Süditalien, Südfrankreich, Spanien, Griechenland und Nordafrika.

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