Erdnuss: Da steckt was drin

25.04.2019 Schule & Wissen

Fruchtknoten wachsen nach der Blüte in den Boden!

Die Erdnuss hat viele Facetten. Sie ist ein beliebtes Knabberobjekt mit Suchtfaktor und sehr wertvoll durch ihren Proteingehalt, aber sie ist lebensgefährlich für Allergiker. Der englische Name peanut (Erbsennuss) weist auf die Verwandtschaft mit Hülsenfrüchten hin. Die aus Südamerika stammende Kultur sollte geröstet verzehrt werden.

Wissenswert

Der beliebte Snack hat es in sich. Die Erdnuss enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe. So unter anderem 24 Prozent Protein, reichlich Kalium und mit 170 Milligramm pro 100 Gramm den höchsten Magnesiumgehalt aller pflanzlichen Lebensmittel. Sie weist auch rund 50 Prozent Fett auf. Das macht sie zu einem sehr energiereichen Lebensmittel, das in Kombination mit alkoholischen Getränken gerne zu „Hüftgold“ wird. Ganz anders stellt sich die Situation bei Mangelernährung dar. Hier rettet die Erdnuss viele Menschenleben. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF verteilt in Notsituationen Päckchen mit haltbarer hochkonzentrierter Plumpy’nut-Paste, die aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker besteht.

Wir verzehren Erdnüsse überwiegend geröstet und gesalzen oder auch in Süßigkeiten. Die Erdnussbutter ist bei uns weit weniger beliebt als zum Beispiel in den USA oder in den Niederlanden. Aus den Früchten wird auch Öl hergestellt. Das ist sehr mild und ungewöhnlich hoch erhitzbar. Erdnüsse sind außerdem ein Rohstoff für Kosmetikprodukte, die chemische Industrie und für Tierfutter.

Erntefrische Erdnüsse schmecken ähnlich wie Bohnen und Erbsen. Sie sollten aber nur in geringen Mengen konsumiert werden, weil sie ähnlich wie Bohnen Lektine enthalten, die sie vor Fressfeinden schützen, allerdings Erbrechen und Durchfall bei Menschen hervorrufen. Durch Kochen oder Rösten werden sie unschädlich gemacht. Das Rösten bei etwa 150 Grad Celsius dauert zwischen 30 und 60 Minuten und verleiht den Erdnüssen ihren typischen Geschmack. Übrigens sind auch die mit Schale erhältlichen Erdnüsse so behandelt. Der Röstvorgang hat nämlich einen ganz wichtigen weiteren Effekt: Er entzieht den Früchten Wasser. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich während Transport und Lagerung Schimmelgifte bilden. Diese schädigen schon in sehr geringen Mengen das Immunsystem und die Leber und sind bei der Aufnahme von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich. Von verschrumpelten und leicht verfärbten Erdnüssen sollte man also unbedingt die Finger lassen! Strenge Einfuhrkontrollen minimieren das Risiko.

Leider ist das allergene Potenzial der Frucht vergleichsweise hoch. In den USA und Großbritannien sind etwa 1 Prozent der Bevölkerung von Allergien betroffen. Oft besteht eine Kreuzreaktion mit einer Pollenallergie. Es reichen schon Mikrogrammmengen, um lebensgefährliche Symptome wie das Zuschwellen der Atemwege auszulösen.

Der bekannteste Erdnussfarmer ist übrigens Jimmy Carter, zwischen 1977 und 1981 39. US-Präsident.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat der Hülsenfrucht (Arachis hypogea) befindet sich in den südamerikanischen Anden. Funde im heutigen Peru deuten darauf hin, dass sie bereits vor über 7800 Jahren kultiviert wurde. Schon vor 2000 Jahren soll sie mit frühen Seefahrern nach Afrika gekommen sein. Heute ist sie in vielen tropischen und subtropischen Ländern zuhause. Sie benötigt sonnige Standorte, die frei von Staunässe sein müssen. Ideal sind Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius.

Anbau

Erdnussanbauer säen (ungeröstete) Nüsse etwa 5 Zentmeter tief und mit 5 Zentimetern Abstand in der Reihe aus. Nach etwa zehn Tagen laufen die Keimlinge auf. Nach weiteren 30 Tagen bilden sich gelbe Blüten an den etwa 70 Zentimeter hohen Pflanzen. Was dann passiert, ist eher ungewöhnlich: Die selbstbestäubten Fruchtknoten wachsen Richtung Boden und dringen bis zu 8 Zentimeter tief ein. Dort entstehen die etwa 2 bis 6 Zentimeter langen, grob genetzten Hülsen, die ein bis mehrere Samen enthalten. In den USA ist die Pilzkrankheit Sclerotinia blight (Stängelfäule) weit verbreitet. Befallene Pflanzen verkümmern oder verwelken. Eine Bekämpfung ist mit speziellen Fungiziden möglich. Versierte Hobbygärtner können Erdnüsse auch in unseren Breiten erfolgreich anbauen. Die Pflanzen müssen aber bei mindestens 22 Grad Celsius vorgezogen werden, bevor sie ab Mitte Mai an einem sonnigen und warmen Ort ausgepflanzt werden.

Ernte und Lagerung

Der richtige Erntezeitpunkt ist gekommen, wenn sich die Blätter gelblich verfärben. Das geschieht ungefähr 130 Tage nach der Saat. Dann werden die Triebe mit den Hülsen maschinell aus dem Boden gezogen und zum Trocknen auf dem Feld abgelegt. Der Wassergehalt liegt zunächst bei 40 Prozent, das Ziel sind 5 bis 10 Prozent. Nach dem Dreschen aus den Hülsen und dem Entschalen werden die Nüsse weiterverarbeitet.

Zahlen

Weltweit wurden 2017 etwa 47 Millionen Tonnen Erdnüsse geerntet. Das bedeutendste Erzeugerland ist China mit 17,1 Millionen Tonnen, gefolgt von Indien mit 9,2 Millionen Tonnen und den USA mit 3,3 Millionen Tonnen (Zahlen: FAO). Außerdem befinden sich große Anbaugebiete in westafrikanischen Ländern. Die größten Importeure sind die EU-Länder, Kanada und Japan.