"Imker können Bienengesundheit verbessern"

21.08.2014 Haus & Garten

Gute Ausbildung und kontinuierliche Betreuung beugen Verlusten vor

Die Biene ist zu einem Symboltier für eine gesunde Umwelt geworden. Deswegen fallen Nachrichten über die Situation des Insekts in der Öffentlichkeit auf fruchtbaren Boden und führen oft zu emotionalen Diskussionen. Dr. Werner von der Ohe, Leiter des LAVES Instituts für Bienenkunde Celle, sieht mehrere Faktoren, die die Bienengesundheit beeinflussen. Ein gut ausgebildeter Imker kann darauf reagieren und seine Verluste auf nahezu null drücken.

Dr. von der Ohe, wie steht es um die Bienen in Deutschland?

Als Gradmesser werden immer die Bienenverluste genannt. Nach wie vor ist davon auszugehen, dass rund zehn bis 25 Prozent der Bienen den Winter nicht überleben. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Sie sind vor allem vom Schaderregeraufkommen sowie gegebenenfalls ergänzend von Nahrungsangebot, Witterung sowie Pflanzenschutzeinsatz im vorangegangenen Sommer abhängig. Unsachgemäße Pflanzenschutzmaßnahmen können Verluste im Sommerhalbjahr verursachen. Trotz aller äußeren Einflüsse sind versierte Imker in der Lage, ihre Verluste auf nahezu null zu senken. Das wäre sehr wünschenswert, denn die Biene liefert nicht nur Honig. Ihre Bestäubungsleistung ist viel wichtiger. Sie sorgt für Mehrerträge sowie stabilere und gleichmäßigere Früchte in Gartenbau und Landwirtschaft. Andere Insekten tragen nur etwa 20 Prozent zur Bestäubung bei.

Was zeichnet einen versierten Imker aus?

Imker müssen sich kontinuierlich um die Gesundheit ihrer Bienen kümmern. Vor allem müssen sie die Varroa-Milbe im Griff behalten, die mit Abstand die größte Gefahr darstellt. Eine einmalige Behandlung reicht nicht aus. Imker sollten beispielsweise im Frühjahr und Frühsommer vorbeugend Jungvölker bilden. Drohnenwaben eignen sich als Fallen für die gefährlichen Milben. Diese biologischen Maßnahmen alleine reichen jedoch nicht. Nach der letzten Honigernte im Spätsommer ist es empfehlenswert, Medikamente einzusetzen. Im Winter arbeiten versierte Imker mit Kontaktmitteln. Während des Sommers kann eine Behandlung mit Ameisensäure die Varroa-Gefahr stoppen.

Welche anderen Schaderreger und Faktoren beeinflussen die Bienengesundheit?

Mit großem Abstand hinter der Varroa-Milbe folgt die Amerikanische Faulbrut. Diese bakterielle Infektionskrankheit befällt die Bienenbrut. Sie ist aber wesentlich weniger verbreitet und auch sehr nachhaltig bekämpfbar. Zum Vergleich: Von der Varroa-Milbe sind 100 Prozent der Völker betroffen, von der Amerikanischen Faulbrut hingegen deutlich unter zehn Prozent. Analysen geben Aufschluss über die Befallssituation. Ist die Krankheit ausgebrochen, muss der Imker die Brut abtöten und den Bienenstock desinfizieren. Der richtige Standort kann die Entwicklung robuster, widerstandsfähiger Bienen unterstützen. Die Insekten sind Waldtiere, deshalb sind Standorte im Halbschatten ideal. Die Bienenstöcke sollten nicht an feuchten Stellen und in Lagen mit Kaltluftseen aufgestellt werden. Imker müssen darauf achten, dass die Bienen ausreichend Nahrung finden und gegebenenfalls bessere Standorte für die Bienenstöcke wählen. Am Besten in der Nacht oder am frühen Morgen umsiedeln, damit alle Bienen im Stock sind und bei der Wanderung bei hohen Tagestemperaturen nicht überhitzen.

Die Bienenhaltung ist offensichtlich äußerst anspruchsvoll. Wie können sich Imker die entsprechenden Kenntnisse aneignen?

Der Imkerberuf kann in einer dreijährigen Ausbildung zum „Tierwirt, Fachrichtung Bienen“ erlernt werden. Die Weiterbildung zum Imkermeister kann folgen. Damit sind Imker gut auf die Herausforderungen vorbereitet. In Deutschland ist der Anteil der Berufsimker aber verschwindend gering. Diese halten zwar jeweils eine größere Anzahl Bienenvölker, aber über 99 Prozent sind Freizeitimker mit insgesamt weit über 600 000 Völkern. Der Freizeitimker muss keine Ausbildung haben, sollte sich aber zunächst schulen lassen und danach kontinuierlich fortbilden. Meine Kollegen und ich haben in letzter Zeit beobachtet, dass sich der Anteil junger Freizeitimker und derjenigen, die mit dieser Beschäftigung etwas für die Umwelt tun wollen, deutlich erhöht hat. Gerade diesen Einsteigern bieten wir Kurse an und empfehlen, die regional organisierten Imkervereine anzusprechen. Um später erfolgreich zu sein müssen die Interessenten vor allem die Biologie eines Bienenvolkes verstehen. Auch erfahrene Imker sollten das Kurs- und Vortragsangebot der Bieneninstitute nutzen. Denn die imkerliche Praxis entwickelt sich ständig weiter.

Umfangreiche schriftliche Informationen über Bienenbiologie, Krankheitsvorbeugung, imkerliche Praxis, Honig und vieles andere gibt es auf der Internetseite des Instituts für Bienenkunde Celle:

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